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Skript Woche 33: „Einheiten rückwärts – von der Klassenarbeit zur Stundenkette

Skript Woche 33: „Einheiten rückwärts – von der Klassenarbeit zur Stundenkette"

60-Minuten-Sitzung · Block 6 · Fortbildung Quereinsteiger Sek I/II


1. Überblick

Leitfrage Wie plane ich eine ganze Einheit so, dass jede Stunde auf die Arbeit einzahlt – ohne Mehraufwand?
Kernquellen McCrea, Lean Lesson Planning (Unit-Ebene, Inter-Lesson-Planning); Lemov T4 (Double Plan); Verzahnung: Backwards Design (W10), Spacing-Landkarte (W19), Fading/Stretch (W12/23)
Funktion im Jahr Hebt Lean von der Stunde auf die Einheit: Die Klassenarbeit wird ZUERST skizziert (Backwards Design in Großformat) – das entschärft nebenbei die W34-Korrekturlast (wer die Arbeit früh baut, baut sie auswertbar). Inter-Lesson-Planning ersetzt die Illusion des starren Wochenplans durch tägliche Feinsteuerung. Double Plan schließt die letzte Planungs-Lücke: die Schülerspalte. Differenzierung wird pragmatisch eingebaut statt angeflanscht.
Lernziele Die TN können:
1. eine Einheit rückwärts aufziehen (Arbeit skizzieren → Meilensteine → Stundenkette → Spacing-Anker),
2. Inter-Lesson-Planning praktizieren (5 Abend-Minuten: Ticket-Befund → Morgen-Feinjustierung),
3. per Double Plan die Schülertätigkeit pro Phase mitplanen und Passivitätslöcher finden,
4. Differenzierung als Kern+Rampe strukturieren (Gerüst unten, Stretch oben, mit Fading-Ausstieg).
Sitzungstyp Werkstatt-Sitzung: der Einheiten-Canvas an der REALEN nächsten Klassenarbeit – der Output geht direkt in den Unterricht.

2. Vorbereitung

Raum: Einzelarbeitsplätze + Tandems. Vorab-Auftrag (W32-Exit-Karte): Termin + Thema der nächsten eigenen Klassenarbeit mitbringen.

Material (Checkliste):


3. Ablauf im Detail (60 Minuten)

Phase 0 · Ankommen (Minute 0–2) — Standard.

Phase 1 · Retrieval-Starter (Minute 2–8) — 5 Fragen (Anhang 2, Teil 1), Whiteboards.

Phase 2 · Brücke & Provokation (Minute 8–13)

Moderationstext: „Zeit-Logs: Wer ist unter 30 Minuten gekommen – und war eine Stunde schlechter?" [2 Stimmen; die Nein-Antworten laut würdigen – sie sind der Beweis der Woche.] „Und jetzt die nächste Ebene, mit einer Frage: Wann schreibt ihr eure Klassenarbeiten – ich meine: Wann ENTSTEHT das Aufgabenblatt?" [Ehrliche Antworten: „am Wochenende davor", „zwei Tage vorher, nachts".] „Genau. Am Ende. Nach der Einheit. Und das ist exakt verkehrt herum – ihr kennt das Prinzip seit Woche 10, nur haben wir es nie auf die Einheit angewandt: Die Arbeit ist das Exemplar der Einheit. Wer sie ZUERST skizziert – nicht ausformuliert, skizziert, zwanzig Minuten –, der weiß ab Tag eins: Das müssen sie am Ende können, DAS wird geprüft, also zahlt jede Stunde darauf ein. Wer sie zuletzt schreibt, prüft, was zufällig drankam. Und der Nebengewinn ist enorm: Die früh skizzierte Arbeit könnt ihr auswertbar bauen – dazu nächste Woche mehr. Heute bauen wir die Einheit drumherum."

Phase 3 · Input (Minute 13–27)

3a · Der Vierschritt der Einheitsplanung (Min. 13–19)

Schritt eins: Arbeit skizzieren. Aufgabentypen + Anforderungsniveaus + grobe Punktverteilung – die Skizze, nicht die Endfassung. Zwanzig Minuten, und sie beantwortet nebenbei die Frage, die sonst jede Stundenplanung quält: Was ist hier eigentlich wichtig? ​*Schritt zwei: Meilensteine der Einheit. Aus der Skizze fallen sie heraus: vier bis sechs Könnens-Stationen, kumulativ – dieselbe Ampel wie in Woche 10, eine Ebene höher.* ​*Schritt drei: die Stundenkette. Jede Stunde bekommt EINEN Meilenstein-Schwerpunkt plus ihr Standardgerüst – ihr plant die einzelne Stunde weiter lean in zwanzig Minuten; die Kette sagt euch nur, WOHIN die jeweilige Stunde zeigt. Wichtig: Die Kette ist ein Plan mit BLEISTIFT – warum, gleich.* ​*Schritt vier: Spacing-Anker setzen. Eure Landkarte aus Woche 19 wird jetzt Einheiten-Standard: Wo kehrt der Stoff von Stunde 1 in Stunde 4 zurück? Welche ALTE Einheit bekommt in dieser ihre Wiederkehr (Starter, Übungsset, zwei Aufgaben in der Arbeit – kumulativ prüfen, angekündigt)? Vier Kreuzchen auf dem Canvas, eine Minute Arbeit."*

3b · Inter-Lesson-Planning (Min. 19–23)

„Und jetzt der Bleistift: Kein Einheitenplan überlebt den Kontakt mit dem Ticket-Stapel – und das ist keine Schwäche des Plans, das ist der Sinn eures CFU-Systems. McCrea nennt die Konsequenz Inter-Lesson-Planning: Die eigentliche Feinplanung passiert ZWISCHEN den Stunden, in fünf Abendminuten: Ticket sortiert (könnt ihr in zehn Minuten, Woche 14) → Befund → Morgen-Justierung: Reteach-Baustein rein? Eine Stunde Puffer ziehen? Stretch für die, die durch sind? Die Kette gibt die Richtung, das Ticket gibt das Tempo. Wer den Wochenplan freitags für fünf Tage festmeißelt, unterrichtet ab Dienstag am Befund vorbei. Deshalb hat euer Canvas eine Pufferstunde eingebaut – nicht als Luxus, als Statik."

3c · Double Plan + Kern & Rampe (Min. 23–27)

„Zwei Ergänzungen, dann baut ihr. Erstens Double Plan, Lemovs Technik 4 – die simpelste Planungs-Revolution des Jahres: Euer Plan bekommt eine zweite Spalte: Was tun die SCHÜLER in dieser Phase – konkret, alle? Ich erkläre – und sie? ‚Hören zu' ist keine Antwort, das wisst ihr seit Woche 17: Zuhören ohne Auftrag ist ein Würfelwurf. Die Schülerspalte deckt die Passivitätslöcher auf – die Phasen, in denen 28 Menschen laut Plan nichts Bestimmtes tun. Jedes Loch bekommt einen Füller aus dem Repertoire: Notier-Auftrag, Board-Frage, Everybody Writes. Zweitens Differenzierung, pragmatisch – Kern und Rampe: Der KERN ist der Meilenstein, den alle erreichen – daran ist nichts verhandelbar. Nach unten führt die Rampe über GERÜSTE: Lückenbeispiel statt blank, Ansatz vorgegeben – eure Fading-Treppe, mit geplantem Ausstieg: Das Gerüst wird abgebaut, sonst wird die Hilfe zur Decke. Nach oben führt die Rampe über STRETCH: die Anschlussfrage, die Transferaufgabe, das ‚Beweise es auch anders' – Woche 23, jetzt als geplante Aufgabenstufe statt spontaner Reaktion. Keine drei Arbeitsblatt-Versionen, kein Differenzierungs-Bastelabend: ein Kern, zwei Rampen, aus Werkzeugen, die ihr habt."

Phase 4 · Name it (Minute 27–30)

Der Vierschritt: Arbeit skizzieren → Meilensteine → Stundenkette (Bleistift! + Puffer) → Spacing-Anker. Inter-Lesson-Regel: 5 Abendminuten: Ticket → Befund → Morgen-Justierung. Double-Plan-Frage: „Und was tun die Schüler – alle, konkret?" Differenzierungs-Formel: Kern + Rampe (Gerüst mit Ausstieg / Stretch als Stufe). Merksatz: „Die Arbeit zuerst – der Rest ist Kette."

Phase 5 · Do it: Einheiten-Canvas-Werkstatt (Minute 30–52)

Runde 1 · Der eigene Canvas (Min. 30–46)

Einzelarbeit an der REALEN nächsten Klassenarbeit (Canvas Anhang 1.1), in Schrittfolge mit Zeitmarken der Moderation: Min. 30–37 Arbeits-Skizze („Skizze! Aufgabentypen und Niveaus – keine ausformulierten Aufgaben!") → Min. 37–41 Meilensteine → Min. 41–45 Stundenkette + Puffer + Spacing-Anker → Min. 45–46 Double-Plan-Stichprobe: EINE Stunde der Kette bekommt die Schülerspalte.

Runde 2 · Tandem-Härtetest (Min. 46–52)

Drei Prüffragen: „Zeig mir die Aufgabe der Arbeit, auf die Stunde 3 einzahlt" (jede Stunde muss auf die Skizze zeigen können!) · „Wo ist dein Puffer – und was fliegt raus, wenn du ihn brauchst?" (die ehrlichste Frage der Einheitsplanung) · **„Zeig mir das größte Passivitätsloch deiner Stichproben-Stunde – und den Füller."*

Phase 6 · Action Step (Minute 52–58)

Standard: „Meine nächste Einheit läuft nach dem Canvas: Arbeit ist skizziert, Kette steht mit Bleistift – und ich praktiziere täglich Inter-Lesson-Planning: 5 Abendminuten, Ticket → Justierung, notiert in der Puffer-Spalte."

Alternativen:

  1. Double-Plan-Woche: jede Stundenplanung bekommt die Schülerspalte – Passivitätslöcher zählen und füllen.
  2. Kern+Rampe-Pilot: für EINE heterogene Lerngruppe die Differenzierung der laufenden Einheit auf Kern+Gerüst+Stretch umbauen.

Ausblick: „Ihr habt die Arbeit jetzt früh skizziert – nächste Woche zeige ich euch, warum das eure Wochenenden rettet: Korrektur mit System. Whole-Class-Feedback, Korrektur-Triage, und die Frage, wie viel roter Rand wirklich bei den Schülern ankommt. Spoiler: Es ist weniger, als der Aufwand vermuten lässt. Bringt einen korrigierten Klassensatz mit – oder die Erinnerung an euer letztes Korrektur-Wochenende."

Phase 7 · Exit-Karte (Minute 58–60) — Standard + Klassensatz-Erinnerung.


4. Coaching-Woche 33 (Handreichung)


Anhang 1: Übungsmaterial

1.1 Einheiten-Canvas (A3-Struktur)

Feld 1 – ARBEITS-SKIZZE (zuerst!): Aufgabentypen | Niveau (Reproduktion/Anwendung/Transfer) | Punkte grob | davon Altstoff-Aufgaben (kumulativ, angekündigt): … Feld 2 – MEILENSTEINE (4–6, Ampel-geprüft):Feld 3 – STUNDENKETTE (Bleistift!): Std. 1: Schwerpunkt … | Std. 2: … | … | Puffer-Stunde: ☐ (Spalte je Stunde: „Inter-Lesson-Notiz nach Ticket: …") Feld 4 – SPACING-ANKER: Rückkehr von Std. 1 in Std. …: ☐ | Alte Einheit X kehrt wieder in: Starter ☐ Set ☐ Arbeit ☐ Fuß: Double-Plan-Stichprobe erledigt für Std. __ ☐

1.2 Handout A: Double-Plan-Raster + Löcher-Checkliste

Raster: Phase | Ich tue … | ALLE Schüler tun … (konkret, prüfbar!)Typische Passivitätslöcher: während der Erklärung (Füller: Notier-Auftrag/Beachtungs-Auftrag W17) · während Einzelne antworten (Füller: „Alle prüfen mit: Daumen/Boards") · während der Besprechung (Füller: Selbstkorrektur mit grünem Stift + Fehlerjournal) · beim Austeilen/Umbau (Füller: Mini-Retrieval an der Tafel) · nach dem Fertigwerden (Füller: Was-wenn-fertig, W13!).

1.3 Handout B: Kern + Rampe

KERN = Meilenstein für alle (nicht verhandelbar). Rampe runter (Gerüste, mit Ausstiegsplan!): Lückenbeispiel · Ansatz vorgegeben · Merkregel-Karte am Platz · reduzierte Zahlwerte (gleiche Struktur!). Rampe rauf (Stretch als Stufe): Begründungs-Zusatz („Warum geht es nicht anders?") · Transferkontext · Umkehraufgabe · „Erkläre es für den KO". Verbots-Zeile: Keine drei Blattversionen. Keine anderen ZIELE für Schwache – andere WEGE zum selben Ziel.


Anhang 2: Quiz-Material

Teil 1: Retrieval-Starter (Min. 2–8, Whiteboards)

  1. Die Lean-Fragenfolge (W32)? (Wohin → Woran → Wie → Was kommt zurück)
  2. Die Prüfregel? (Wer bei „Wie?" anfängt, plant Beschäftigung)
  3. Was heißt „80 % genügen" – und was heißt es NICHT? (Kosmetik-Verzicht; Audit-Fragen nicht verhandelbar)
  4. Die zwei Spacing-Einbau-Regeln (W19)? (jedes Quiz kumulativ; ≥25 % Altstoff im Set)
  5. (Anwendung) Dein Ticket zeigt abends: 40 % hängen an Schritt 2 – was steht morgen im Plan? (Reteach-Baustein mit neuem Zugang [W26]; Kette per Bleistift verschoben, Puffer im Blick)

Teil 2: Modul-Quiz Woche 33 (für SPA/Folgewoche)

F1. Die Klassenarbeit entsteht idealerweise… a) nach der Einheit – erst dann weiß man, was drankam ✗ (die Schulrealität!) b) als Skizze VOR der Einheit: Sie ist das Exemplar, auf das jede Stunde einzahlt ✓ c) aus dem Lehrerband ✗ d) parallel zur letzten Stunde ✗

F2. „Kein Einheitenplan überlebt den Ticket-Stapel" bedeutet: a) Einheitsplanung ist sinnlos ✗ (die zynische Lesart) b) Die Kette gibt die Richtung, Inter-Lesson-Planning das Tempo – Bleistift + Puffer ✓ c) Tickets sind unzuverlässig ✗ d) Man plant besser gar nicht so weit ✗

F3. „Die Schüler hören zu" in der Schülerspalte ist… a) eine ehrliche, ausreichende Angabe ✗ b) ein Passivitätsloch – ohne Auftrag ist Zuhören ein Würfelwurf ✓ c) für Erklärphasen unvermeidlich ✗ (klingt realistisch) d) in Sek II akzeptabel ✗

F4. Pragmatische Differenzierung heißt: a) drei Arbeitsblatt-Versionen pro Stunde ✗ (der Bastelabend-Mythos) b) ein Kern für alle + Gerüst-Rampe runter (mit Ausstieg) + Stretch-Rampe rauf ✓ c) Schwache bekommen leichtere Ziele ✗ (die Absenkungs-Falle – W2/W7-Echo!) d) Differenzierung ist Aufgabe der Förderlehrkraft ✗

F5. Das Gerüst für Schwache bleibt die ganze Einheit stehen. Problem: a) keins – Hilfe ist Hilfe ✗ (fühlt sich fürsorglich an) b) ohne geplanten Ausstieg wird das Gerüst zur Decke – Fading gehört dazu ✓ c) die Starken beschweren sich ✗ d) der Druck fehlt ✗

F6 (Transfer, Freitext): Deine Einheit „Lineare Funktionen" (6 Stunden + Arbeit). Skizziere den Canvas in Stichworten: 2 Arbeits-Aufgabentypen, 3 Meilensteine, die Position des Puffers, 1 Spacing-Anker. (Bewertungsanker: Aufgabentypen mit Niveau; Meilensteine kumulativ; Puffer vor der Arbeit, nicht am Anfang; Anker = Altstoff-Rückkehr konkret benannt.)


Anhang 3: Ableitung für die SPA „Modul 33"

  1. Hook (2 Min.): „Wann entsteht deine Klassenarbeit?" (Auswahl: davor/währenddessen/nachts davor) → Kohorten-Anzeige + die Umkehr-These als Reveal.
  2. See it (4 Min.): Der Vierschritt als animierter Canvas-Aufbau; die Bleistift-Metapher: Ticket-Befunde verschieben die Kette live.
  3. Name it (3 Min.): Vierschritt- + Double-Plan- + Kern+Rampe-Karten; Passivitätsloch-Suchspiel (Stundenverlauf mit 3 versteckten Löchern).
  4. Do it – Canvas-Builder (10 Min., Kern-Engine!): digitaler Einheiten-Canvas mit erzwungener Reihenfolge (Kette erst nach Arbeits-Skizze freigeschaltet – dieselbe UI-Logik wie Modul 32); Puffer-Pflichtfeld; Spacing-Anker als Checkbox-Zeile (verzahnt mit dem Modul-19-Spacing-Planer!); Inter-Lesson-Tagesnotiz-Feld je Stunde mit Abend-Erinnerung (5-Min.-Timer).
  5. Double-Plan-Prüfer: eigene Stunde eingeben → Schülerspalte ausfüllen; Heuristik markiert Passiv-Formulierungen („hören zu", „folgen", „schauen") als Löcher + schlägt Repertoire-Füller vor.
  6. Kern+Rampe-Konfigurator: Meilenstein eingeben → Gerüst-Optionen (aus Fading-Bibliothek Modul 12) + Stretch-Optionen (aus Fächer Modul 20/23) zusammenstellen; Ausstiegsplan-Pflichtfeld fürs Gerüst.
  7. Quiz (Teil 2) + 30 % Altfragen; F1/F4/F5 sind Langzeit-Anker. Abschluss: Action-Step-Formular „Canvas + 5 Abendminuten" mit Inter-Lesson-Log.