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Skript Woche 26: „Vom Datum zur Entscheidung – Reteaching & Own and Track + Konsolidierung Block 4

Skript Woche 26: „Vom Datum zur Entscheidung – Reteaching & Own and Track + Konsolidierung Block 4"

60-Minuten-Sitzung · Block 4 (Abschluss) · Fortbildung Quereinsteiger Sek I/II


1. Überblick

Leitfrage Was mache ich mit all den Daten – heute, morgen, vor der Klassenarbeit?
Kernquellen Lemov T14 (Own and Track); Bambrick-Santoyo (Driven-by-Data-Logik, vereinfacht); Verzahnung mit T26 (W14)
Funktion im Jahr Block-4-Finale: schließt den Datenkreislauf Sehen (W25) → Entscheiden → Handeln. Die Reteach-Formate operationalisieren die >⅓-Faustregel aus W14; Own and Track verlängert die Fehlerkultur (W21) in die Schülerhand und wird in W34 (DIRT) wiederaufgenommen. Das CFU-Repertoire-Blatt konsolidiert den Block. Block-4-Quiz als Meilenstein-Messung; Peer-Hospitation 4 läuft in dieser Phase.
Lernziele Die TN können:
1. aus Fehlerprofilen die passende Reteach-Entscheidung ableiten (Klasse / Kleingruppe / Einzelimpuls),
2. die Replay-Falle vermeiden (Reteach = NEUER Zugang),
3. Fehlerkorrektur per Fehlerjournal in Schülerhand geben,
4. CFU-Daten einer Einheit zur gezielten Klassenarbeits-Vorbereitung aggregieren.
Sitzungstyp Kombinierte Sitzung: Block-Quiz + kompakter Input + Datenfall-Duell + Konsolidierungs-Ritual.

2. Vorbereitung

Raum: Vierergruppen; zwei unterschiedliche Fall-Sets vorbereitet. Material:


3. Ablauf im Detail (60 Minuten)

Phase 0 · Ankommen (Minute 0–2) — Standard; Hinweis: „Block-Quiz statt Starter."

Phase 1 · Block-4-Quiz (Minute 2–12)

20 Fragen (Anhang 2, Teil 1), still, Selbstkorrektur. Meta-Satz: „Viertes Block-Quiz – und wer die eigene Fehlerkurve über die vier Quizze verfolgt, betreibt gerade Own and Track an sich selbst. Das Werkzeug dazu bekommt ihr heute für eure Klassen."

Phase 2 · Input: Die Entscheidungslogik (Minute 12–26)

2a · Vom Stapel zur Entscheidung (Min. 12–18)

Moderationstext: „Woche 14 endete mit einer Faustregel: rot plus gelb über ein Drittel – Reteach. Heute die Feinmechanik, denn nicht jedes Fehlerprofil verdient dieselbe Antwort. Der Entscheidungs-Dreisatz, drei Fragen an jeden Stapel: ​Frage eins: Welches MUSTER? Ein Fehler bei vielen – oder viele verschiedene Fehler bei wenigen? Das ist die wichtigste Weiche, und sie wird am häufigsten übersehen. ​Frage zwei: Welches FORMAT? Ein Muster bei über einem Drittel → zehn Minuten Klassen-Reteach am Folgetag. Ein Muster bei zehn bis dreißig Prozent → Kleingruppe an den Gruppentisch, WÄHREND der Rest übt – und dass der Rest selbstständig übt, verdanken wir euren Routinen aus Block 1; ohne sie ist die Kleingruppe unmöglich. Einzelfälle → Impuls beim Circulate, die Namen stehen auf eurem ActiveObs-Bogen. ​Frage drei – die eiserne Regel: Welcher NEUE Zugang? Reteach ist niemals Replay. Die alte Erklärung, nur lauter und langsamer, hat es beim ersten Mal nicht geschafft – warum sollte sie es beim zweiten? Neuer Zugang heißt: anderes Beispiel, andere Darstellung (Zeichnung statt Regel, Zeitstrahl statt Text, Gegenbeispiel statt Beispiel), anderer Einstiegspunkt. Eure Fading-Treppe aus Woche 12 ist die Fundgrube: Oft ist der neue Zugang schlicht eine Stufe tiefer. Und die Diffus-Falle: Wenn der Stapel VIELE VERSCHIEDENE Fehler zeigt, ist der Klassen-Reteach die falsche Antwort – ihr würdet zwanzig Leuten etwas erklären, das nur je drei brauchen. Diffuse Profile heißen: differenziert reagieren – Checkpoints, Kleingruppen-Rotation, Einzelimpulse – oder, wenn WIRKLICH alles wackelt, ehrlich sein: Die Einheit braucht einen Schritt zurück, nicht einen Flicken."

2b · Own and Track + Klassenarbeits-Vorlauf (Min. 18–26)

„Zweiter Baustein – und er dreht die Verantwortung um: Own and Track. Die klassische ‚Berichtigung' – Musterlösung dreimal sauber abschreiben – ist Beschäftigung, kein Lernen: Abschreiben erzeugt keine Abrufspur, ihr wisst das seit Woche 18. Die Alternative: Der Fehler gehört dem Schüler, und er ARBEITET damit. Minimum: richtige Lösung selbst notieren PLUS ein Satz ‚Mein Denkfehler war …'. Dieser eine Satz ist der Unterschied zwischen Ritual und Lernen – wer seinen Denkfehler benennen kann, hat ihn verstanden. Das Zuhause dafür: ein Fehlerjournal – hinterer Heftteil oder eigenes Blatt, zwei Spalten. Vor der Klassenarbeit ist es das persönlichste Lernmaterial, das es gibt: Retrieval am eigenen Fehler, maßgeschneidert. Die Einführung ist – ihr ahnt es – W2-Handwerk: erklären, begründen, erste Einträge gemeinsam machen, prüfen. Und der dritte Baustein, der alles zusammenzieht: der Klassenarbeits-Vorlauf. Eine Woche vor der Arbeit legt ihr eure gesammelten Daten nebeneinander – Ticket-Stapel, Board-Befunde, Top-3-Listen vom Klemmbrett – und fragt: Welche zwei, drei Baustellen tauchen ÜBERALL auf? Die bekommen die Wiederholstunde. Nicht ‚Wiederholt mal alles' – das ist die Gießkanne, und sie gießt vor allem das, was schon wächst. Gezielte Wiederholung dorthin, wo die Daten zeigen. Das ist der Moment, in dem sich ein halbes Jahr CFU-Aufbau in Notenpunkten auszahlt."

Phase 3 · Name it (Minute 26–30)

Entscheidungs-Dreisatz: Muster? → Format? (>⅓ Klasse / 10–30 % Kleingruppe / einzeln Circulate) → NEUER Zugang? Replay-Verbot: anderes Beispiel, andere Darstellung, andere Stufe. Own-and-Track-Minimum: Lösung selbst + „Mein Denkfehler war …". Vorlauf-Regel: Daten aggregieren → 2–3 Baustellen → gezielte Wiederholstunde. Merksatz: „Die Daten entscheiden – und nie zweimal dieselbe Erklärung."

Phase 4 · Do it: Datenfall-Duell (Minute 30–48)

Runde 1 · Diagnose & Plan (Min. 30–42)

Zwei Gruppen-Hälften bekommen je ein Fall-Set (Anhang 1.1): Diagnose per Dreisatz → Reteach-Miniplan (Format, NEUER Zugang konkret!, Erfolgscheck: Woran merke ich morgen, dass es saß? → Board-Blitz!) → 60-Sekunden-Pitch. Der inszenierte Aha: Set A führt zum Klassen-Reteach, Set B NICHT – die Gruppen vergleichen und entdecken, dass identische Fehlerquoten verschiedene Antworten brauchen. Moderation erntet: „Gleiche Prozentzahl, andere Struktur, andere Entscheidung – DAS ist Datenlesen."

Runde 2 · Fehlerjournal adaptieren (Min. 42–48)

Einzelarbeit: Journal-Format für die eigene Klasse festlegen (wo? wann gepflegt? – direkt nach Rückgabe, 10 Min. Stundenzeit!) + Einführungswortlaut notieren (Handout B als Gerüst). Tandem-Check: Ist der Denkfehler-Satz als PFLICHTFELD verankert?

Phase 5 · Konsolidierung Block 4 (Minute 48–56)

CFU-Repertoire-Blatt (Anhang 1.4) ausfüllen und ins Playbook: Welches Werkzeug wofür – Whiteboards (Echtzeit-Verteilung), Cold Call (Einzeltiefe + Ratio), Checkpoints (Fehler-Schranke), Exit Ticket (Stunden-Bilanz), Show Call (Feedback-Hebel), Fehlerjournal (Schüler-Ownership), Vorlauf-Aggregation (Prüfungs-Steuerung).

„Schaut auf dieses Blatt: Vor sechs Wochen war eure einzige Frage ‚Alle verstanden?'. Heute steht hier ein komplettes Diagnose-Besteck. Block 4 ist das Herzstück des Jahres – ab jetzt fliegt ihr auf Instrumenten, nicht auf Sicht."

Kompetenzmatrix: Felder 6–7 aktualisieren (an Coach).

Phase 6 · Action Step (Minute 56–58)

Standard: „Nach der nächsten Übungsphase oder dem nächsten Ticket-Stapel mit einem Muster über 30 % plane ich einen 10-Minuten-Reteach für den Folgetag – mit nachweislich NEUEM Zugang (notiert: alter Zugang war …, neuer ist …) und Board-Blitz als Erfolgscheck."

Alternativen:

  1. Journal-Start: Fehlerjournal in einer Klasse einführen (Einführungsskript + erste gemeinsame Einträge nach der nächsten Rückgabe).
  2. Vorlauf-Pilot: für die nächste anstehende Klassenarbeit die Daten-Aggregation durchziehen und die Wiederholstunde danach bauen.

Ausblick: „Nach den Osterferien beginnt Block 5 – und er beantwortet die Frage hinter allen Fragen: Warum strengen Menschen sich an? Motivation als System mit fünf Stellschrauben. Erste Überraschung vorab: Die Hälfte des Werkzeugkastens besitzt ihr längst, ohne es zu wissen. Erholt euch – ihr habt das dichteste Drittel des Jahres geschafft."

Phase 7 · Exit-Karte (Minute 58–60)

Erweitert (Blockabschluss):

  1. Mein wichtigstes CFU-Werkzeug: …
  2. Meine offene Daten-Frage: …

4. Coaching-Woche 26 (Handreichung)


Anhang 1: Übungsmaterial

1.1 Die zwei Datenfall-Sets (beschriebene Profile; je 25 Tickets zur Aufgabe „Löse 3(x−2)=15 und erkläre deinen ersten Schritt")

Set A – ein Muster: 13× richtig · 10× identischer Fehler: ausmultipliziert zu „3x−2=15" (Klammer-Distributiv-Fehler) · 2× leer. (Erwartete Entscheidung: Klassen-Reteach 10 Min.; alter Zugang war die Regel „Klammer auflösen" – neuer Zugang z. B.: Klammer als „3 Päckchen mit je (x−2)" legen/zeichnen, Gegenbeispiel prüfen lassen; Erfolgscheck: 2 Board-Aufgaben.) Set B – diffus: 14× richtig · 3× Distributiv-Fehler · 3× Vorzeichenfehler beim Umstellen · 2× Rechenfehler am Ende · 3× leer/Ansatz fehlt. (Erwartete Entscheidung: KEIN Klassen-Reteach – 11 Fehler, aber 4 Ursachen; stattdessen: Checkpoint-gestützte Übungsphase, Kleingruppe für die 3 Ansatzlosen, Distributiv+Vorzeichen als gezielte Circulate-Impulse mit Namen; ggf. 2 Alt-Aufgaben ins nächste Set – W19!)

1.2 Handout A: Dreisatz + Formate — siehe Phase 2a/3 (mit Format-Tabelle: Schwelle | Format | Zeitbedarf | Erfolgscheck).

1.3 Handout B: Fehlerjournal

Beispielseite (zwei Spalten + Pflichtsatz): Aufgabe/Datum | Mein Fehler (Original!) | Richtige Lösung (selbst) | „Mein Denkfehler war …" (Pflichtsatz) | ☐ In der nächsten Arbeit dran gedacht? Einführungsskript (Gerüst): „Ab heute führt ihr hinten im Heft euer Fehlerjournal. Warum: Eure Fehler sind euer wertvollstes Lernmaterial – kein Arbeitsblatt der Welt ist so genau auf euch zugeschnitten. Nach jeder Rückgabe bekommt ihr zehn Minuten dafür. Die wichtigste Zeile ist der Satz ‚Mein Denkfehler war…' – wer den schreiben kann, macht den Fehler kein zweites Mal. Vor der Arbeit lernt ihr zuerst aus dem Journal – per Selbstabfrage, ihr wisst wie." + CFU: „Timo, was ist die Pflichtzeile?"

1.4 CFU-Repertoire-Blatt (Konsolidierung)

Tabelle: Werkzeug | Was es zeigt | Wann ich es einsetze | Mein Routinen-Status (läuft/holprig/fehlt). Zeilen: Whiteboards · Cold Call (F-P-N) · No Opt Out · Checkpoints · Exit Ticket + Sortierung · Show Call · Fehlerjournal · Vorlauf-Aggregation. Fußzeile: „Auf Instrumenten fliegen, nicht auf Sicht."


Anhang 2: Quiz-Material

Teil 1: Block-4-Quiz (20 Fragen kumulativ; Auswahl)

  1. Die Ersetzungs-Regel? 2. Der Fehlerreaktions-Dreiklang? 3. Zwei Gründe, warum „Verstanden?" nichts liefert? 4. Die vier Kultur-Hebel? 5. Frage-Pause-Name – warum diese Reihenfolge? 6. Die rote Linie des Cold Call? 7. Wait Time: Sekunden + Rahmung? 8. Die 4 No-Opt-Out-Varianten? 9. Right-is-Right-Reflexfrage + Maßstab? 10. Format Matters in einem Satz? 11. Stretch-It-Prinzip? 12. Die Standard-Choreografie W24? 13. Zwei der vier Turn-and-Talk-Bugs? 14. Die Whiteboard-Routine (5 Schritte + X)? 15. Der Show-Call-Dreischritt? 16. Warum auch Exzellenz zeigen? 17. (Block 2) Beide Enden der 80 %-Regel? 18. (Block 3) Testing Effect? 19. (Block 1) W.I.N.? 20. (Transfer) „Ich prüfe ständig, aber es ändert sich nichts." Diagnostiziere mit ZWEI Block-4-Konzepten. (Sehen ohne Entscheiden = Deko; fehlender Reteach/Replay-Falle; ggf. Selbstauskunft statt Prüfung.)

Teil 2: Modul-Quiz Woche 26 (für SPA/Folgewoche)

F1. 40 % scheitern am selben Fehler. Du… a) erklärst morgen dasselbe nochmal, langsamer und lauter ✗ (die Replay-Falle – fühlt sich gründlich an) b) planst 10 Min. Reteach mit NEUEM Zugang + Erfolgscheck ✓ c) gibst ein Zusatzblatt für zu Hause ✗ d) senkst das Anspruchsniveau der Arbeit ✗

F2. 11 von 25 haben Fehler – aber vier verschiedene Ursachen. Beste Antwort: a) Klassen-Reteach, die Quote ist ja hoch ✗ (die Diffus-Falle!) b) differenziert: Kleingruppe für Ansatzlose, gezielte Einzelimpulse, Checkpoints ✓ c) weiter im Stoff ✗ d) die Aufgabe war schlecht – ignorieren ✗

F3. Eine gute Berichtigung… a) schreibt die Musterlösung dreimal sauber ab ✗ (die Schultradition) b) enthält die selbst notierte Lösung + den benannten eigenen Denkfehler ✓ c) wird benotet, sonst macht sie keiner ✗ d) ist nur für Schwache nötig ✗

F4. „Wiederholt fürs Klassenarbeit mal alles von Kapitel 3 bis 5" ist… a) fair, weil vollständig ✗ (klingt gründlich) b) die Gießkanne – die Daten hätten 2–3 Baustellen gezeigt ✓ c) der Standard und daher richtig ✗ d) zu wenig ✗

F5. Der Reteach endet. Woran merkst du MORGEN, dass er saß? a) Die Klasse hat genickt ✗ (Selbstauskunft in Zeitlupe) b) am geplanten Erfolgscheck: 2 Board-Aufgaben zum selben Muster ✓ c) an der Stimmung ✗ d) an der nächsten Klassenarbeit ✗ (zu spät für Steuerung)

F6 (Transfer, Freitext): Nimm Set A (Anhang 1.1): Skizziere den 10-Min.-Reteach – alter Zugang, neuer Zugang, Erfolgscheck. (Bewertungsanker: Neuer Zugang strukturell anders [Darstellung/Beispieltyp/Stufe], nicht nur langsamer; Check als All-Response.)


Anhang 3: Ableitung für die SPA „Modul 26"

  1. Hook (2 Min.): Das Duell als Teaser: „Zwei Stapel, gleiche Fehlerquote – nur EINER braucht den Klassen-Reteach. Welcher?" (Neugier-Cliffhanger vor dem Input.)
  2. See it (4 Min.): Der Dreisatz als Entscheidungsbaum-Animation; Replay-Falle als Kontrast-Audio (dieselbe Erklärung in Zeitlupe vs. neuer Zugang).
  3. Name it (3 Min.): Format-Tabelle + Own-and-Track-Minimum als Karten.
  4. Do it – Datenfall-Bibliothek (9 Min., Engine!): Set A und B als interaktive Ticket-Stapel (durchblätterbar!) → Muster-Diagnose → Format-Wahl → Zugang formulieren (Replay-Detektor: App fragt „Was ist strukturell anders?") → Erfolgscheck wählen; weitere Fälle (Sprachfach-Set, Leere-Boards-Fall) als Level; verzahnt mit den Top-3-Fehlerlisten aus Modul 13 (eigene Daten als Fall importierbar!).
  5. Fehlerjournal-Vorlage: druckbares Format + Einführungsskript-Editor; Erinnerung „10 Min. nach jeder Rückgabe".
  6. Block-4-Abschluss: CFU-Repertoire-Blatt digital (Status-Ampeln, wandert ins Dashboard); Block-4-Quiz aus dem Pool; Kompetenzmatrix-Update Felder 6–7 mit Spinnennetz.
  7. Quiz (Teil 2) + 30 % Altfragen; F1/F2 sind Langzeit-Anker (beide Fallen!). Abschluss: Action-Step-Formular „Mein nächster Reteach" mit Alter-Zugang/Neuer-Zugang-Pflichtfeldern.