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Skript Woche 25: „Show Me, Affirmative Checking & Show Call – Daten sichtbar machen

Skript Woche 25: „Show Me, Affirmative Checking & Show Call – Daten sichtbar machen"

60-Minuten-Sitzung · Block 4 · Fortbildung Quereinsteiger Sek I/II


1. Überblick

Leitfrage Wie sehe ich in Echtzeit, was 30 Köpfe denken – und wie nutze ich Schülerarbeiten öffentlich?
Kernquellen Lemov T10 (Show Me), T11 (Affirmative Checking), T13 (Show Call)
Funktion im Jahr Macht die seit W12 nebenbei genutzten Whiteboards zur vollwertigen Technik (mit eigener Routine!) und führt mit Show Call die stärkste Feedback-Form ein – möglich erst JETZT, weil Fehlerkultur (W21) und Everybody-Writes-Material (W24) vorliegen. Affirmative Checking schließt die W12-Lücke „eingeübte Fehler". Show Call kehrt in W28 (Normen-Maschine) und W34 (Whole-Class-Feedback) wieder. Vorbereitung der ersten PEER-Hospitation (GH 4).
Lernziele Die TN können:
1. eine Whiteboard-Routine skripten und einführen (Schreibsignal → Stille → 3-2-1-hoch → Scan → Entscheidung),
2. Checkpoints in Arbeitsphasen einbauen,
3. eine Show-Call-Moderation im Dreischritt führen (würdigen → präzise verbessern → Transfer) – bei fehlerhaften UND exzellenten Arbeiten.
Sitzungstyp Technik-Training mit Live-Erleben + Moderations-Übung an echten Arbeiten.

2. Vorbereitung

Raum: Plenum + Vierergruppen; Dokumentenkamera/Visualizer ODER Handy+Beamer (Show-Call-Technik real zeigen!). Material:


3. Ablauf im Detail (60 Minuten)

Phase 0 · Ankommen (Minute 0–2) — Standard.

Phase 1 · Retrieval-Starter als Modell (Minute 2–9)

5 Fragen – heute führt die Moderation die Whiteboard-Routine DEMONSTRATIV mustergültig: „Frage lesen … schreibt – still … [Scan] … drei – zwei – eins – hoch! … [Blick schwenkt 5 Sek.] … Runter. Ich habe gesehen: Bei Frage 2 fehlen einigen die letzten zwei Stufen – die klären wir in 30 Sekunden…" Danach Meta-Kommentar: „Ihr habt gerade das heutige Thema erlebt: Ich habe fünfmal in Folge die komplette Klasse geröntgt UND jedes Mal eine sichtbare Entscheidung getroffen. Heute zerlegen wir das."

Phase 2 · Input A: Show Me & Affirmative Checking (Minute 9–20)

2a · Show Me: das Röntgengerät (Min. 9–15)

Moderationstext: „Erinnert euch an Woche 12: Drei richtige Meldungen sind keine Daten. Show Me ist die Antwort in Serienreife: Alle antworten gleichzeitig sichtbar – Whiteboards, Fingercodes (eins bis vier für Multiple Choice), ABCD-Karten. In neunzig Sekunden habe ich hundert Prozent Beteiligung UND die komplette Fehlerverteilung. Das ist der Unterschied zwischen Stichprobe und Röntgenbild. Aber – und das ist der Punkt, an dem es in der Praxis scheitert – Show Me ist eine ROUTINE, kein Einfall. Ohne Routine: Boards werden bemalt, hochgehalten wird nach Sicht beim Nachbarn, das Runter dauert ewig. Mit Routine – und ihr wisst seit Woche 3, wie man Routinen baut – läuft es in Sekunden: Schreibsignal, Stille während des Schreibens (sonst schreibt die Hälfte beim Nachbarn ab und das Röntgenbild lügt!), auf ‚drei-zwei-eins-hoch' gleichzeitig, fünf Sekunden Scan, Runter-Signal. Und dann – der Schritt, der aus dem Spielzeug ein Werkzeug macht – die sichtbare Entscheidung: ‚Achtzehn richtig, sieben mit demselben Vorzeichenfehler – wir schauen einmal gemeinsam hin, dann weiter.' Sehen ohne Entscheiden ist Deko."

2b · Affirmative Checking: die Schranke (Min. 15–20)

„Zweites Werkzeug, klein und unterschätzt: Affirmative Checking – Checkpoints in Arbeitsphasen. ‚Bevor ihr zu Aufgabe 3 geht: Zeigt mir Aufgabe 2 – Daumen an der Aufgabe, ich komme rum' oder als Board-Blitz. Warum? Woche 12, die teuerste Sorte Fehler: die zwanzig Minuten allein falsch geübten. Der Checkpoint ist die Schranke davor – niemand fährt mit einem eingebauten Fehler auf die Autobahn. Praktisch: ein bis zwei Checkpoints pro Übungsphase, an den Stellen, die euer Plan-for-Error aus Woche 21 als Risikozonen markiert. Eure Route aus Woche 13 bekommt damit Haltepunkte."

Phase 3 · Input B: Show Call (Minute 20–30)

„Und jetzt das Werkzeug mit der größten Hebelwirkung – und den höchsten Voraussetzungen: Show Call. Eine Schülerarbeit wird projiziert – Dokumentenkamera, Handyfoto an den Beamer – und gemeinsam besprochen. Warum ist das so stark? Feedback an einem echten, konkreten Beispiel erreicht die ganze Klasse gleichzeitig; die Everybody-Writes-Zettel von letzter Woche sind das perfekte Rohmaterial. Und warum ist es voraussetzungsreich? Weil es OHNE die Fehlerkultur aus Woche 21 eine öffentliche Hinrichtung ist. Deshalb die Gelingensbedingungen: Erstens: als Ehrung einführen. Wörtlich, bevor die erste Arbeit an die Wand geht: ‚Wenn ich eine Arbeit zeige, ist das eine Auszeichnung – an dieser Arbeit lernen wir alle. Es wird nie darum gehen, jemanden vorzuführen.' Am Anfang anonym (Name abdecken, Foto beschneiden); nach zwei, drei Wochen fragen die Ersten von selbst, ob ihre gezeigt wird – DAS ist der Kultur-Indikator. Zweitens: der Dreischritt:

  • Würdigen – konkret, was trägt: ‚Der Ansatz in Zeile eins ist genau richtig gewählt.'
  • EINEN Verbesserungsfokus – nicht fünf: ‚Schaut auf Zeile drei – wo kippt es, und warum ist das verführerisch?' (Die Klasse arbeitet, nicht die Lehrkraft – Cold Call, Turn and Talk, alles einsetzbar!)
  • Transfer: ‚Prüft jetzt eure eigene Zeile drei.'

Drittens – und das vergessen fast alle: Auch Exzellenz zeigen. Nicht nur Fehler-Anschauung – auch die herausragende Arbeit an die Wand: ‚So sieht eine vollständige Begründung aus – was genau macht sie so stark?' Erinnert ihr euch an Woche 2, Lovells Prinzip: Man muss Exzellenz GESEHEN haben, um sie anzustreben? Das galt für euch bei den Hospitationen – es gilt für eure Schüler bei Schülerarbeiten. Show Call kalibriert den Anspruch der Klasse."

Phase 4 · Name it (Minute 30–33)

Whiteboard-Routine: Schreibsignal → still schreiben → „3-2-1-hoch" → 5-Sek.-Scan → Runter → sichtbare Entscheidung (weiter / gemeinsam hinschauen / Kleingruppe). Checkpoint-Regel: 1–2 pro Übungsphase, an Plan-for-Error-Risikozonen. Show-Call-Dreischritt: würdigen → EIN Fokus (Klasse arbeitet!) → Transfer. Merksatz: „Sehen ohne Entscheiden ist Deko – Zeigen ohne Würdigen ist Vorführen."

Phase 5 · Do it (Minute 33–52)

Runde 1 · Whiteboard-Routine skripten & spielen (Min. 33–41)

Vierergruppen: Routine dreispaltig skripten (W3-Format!) inkl. Einführungswortlaut für die Klasse; dann einmal komplett durchspielen (einer dirigiert, drei sind Klasse, eine eingebaute Störung: ein „Schüler" hält verspätet hoch und schielt vorher zum Nachbarn – Reaktion: Stille-Regel nachschärfen, nicht dramatisieren).

Runde 2 · Show-Call-Moderation (Min. 41–52)

An den 4 echten Arbeiten (rotierend, je ~2,5 Min. + 30 Sek. Feedback): Jeder moderiert einen Dreischritt – zwei TN an fehlerhaften, einer an der soliden, einer an der exzellenten Arbeit (Exzellenz-Moderation ist eigenes Handwerk: „Was macht sie stark?" statt „Fehler suchen"). Feedback-Fokus: Ton (Ehrung?), EIN Fokus gehalten?, hat die KLASSE gearbeitet (mindestens ein Cold Call/Turn-and-Talk-Element)?

Phase 6 · Action Step & Peer-Hospitations-Vorbereitung (Minute 52–58)

Standard: „Ich führe die Whiteboard-Routine in Klasse X mit Skript ein und treffe in jeder Stunde mindestens EINE sichtbare Datenentscheidung – angesagt: ‚Ich sehe …, also machen wir …'."

Alternativen:

  1. Show-Call-Start: ein Show Call pro Tag, erst anonym, ab Tag 3 mit einverstandenen Namen – Einführungsskript am Montag.
  2. Checkpoint-Woche: jede Übungsphase bekommt 1–2 Schranken an den Plan-for-Error-Zonen.

Peer-Hospitation 4 (4 Min. – neue Stufe!): „Ab dieser Runde hospitiert ihr EINANDER. Zwei von euch öffnen ihre Stunden – und hier die wichtigste Regel, sie ist zugleich Feedbackkultur-Modell: Der Gastgeber bestimmt vorher den Beobachtungsfokus. ‚Schaut bei mir auf die Ernte nach Turn and Talk' oder ‚Zählt meine CFU-Momente' – der Beobachtete steuert, was gesehen wird. Bogen: CFU-Zählprotokoll (Anhang 3). Wer öffnet?" [Freiwillige + Termine fixieren; Coach moderiert die Nachbesprechung.]

Ausblick: „Ihr könnt jetzt sehen. Nächste Woche das letzte Puzzlestück von Block 4: Was tue ich mit all den Daten – heute, morgen, vor der Klassenarbeit? Reteaching, Fehlerjournale, und die Kunst, aus einem Ticket-Stapel eine Entscheidung zu machen. Plus Block-4-Quiz."

Phase 7 · Exit-Karte (Minute 58–60) — Standard.


4. Coaching-Woche 25 (Handreichung)


Anhang 1: Übungsmaterial

1.1 Handout A: Whiteboard-Routine (dreispaltig, Muster)

Schritt Wortlaut Hinweise
Schreibsignal „Auf die Boards: [Aufgabe]. Still." Stille = Datenschutz fürs Röntgenbild
Schreibphase Scan von der Radar-Position (W6)
Hoch „Drei – zwei – eins – hoch!" gleichzeitig; Nachzügler nicht kommentieren, beim 2. Mal Routine üben (Do It Again)
Scan 5 Sek., systematisch reihenweise; Fehlerverteilung merken (ggf. 2–3 Namen)
Runter + Entscheidung „Runter. Ich sehe: … Also: …" IMMER ansagen: weiter / gemeinsam / Kleingruppe
Fingercodes-Variante: 1–4 Finger an die Brust (nicht hoch – diskreter, kein Abschauen). Einführung: W2-Bauplan (Erwartung + Begründung „Ich will euch ALLE sehen, nicht nur die Schnellen" + CFU + Probe).

1.2 Handout B: Show-Call-Dreischritt + Einführungsskript

Einführung (wörtlich, vor dem ersten Mal): „Ab heute zeige ich manchmal eine eurer Arbeiten hier vorn. Das ist eine Auszeichnung: An dieser Arbeit lernen wir alle – an dem, was stark ist, und an dem, was viele genauso machen würden. Es geht NIE darum, jemanden vorzuführen; am Anfang bleiben die Namen weg. Über Fehler wird hier nicht gelacht – das gilt weiter." Dreischritt: (1) Würdigen (konkret!) → (2) EIN Fokus, Klasse arbeitet (Cold Call/T&T) → (3) Transfer auf die eigene Arbeit. Exzellenz-Variante: „Was genau macht sie stark?" – 2 Merkmale von der Klasse benennen lassen, als Kriterien festhalten.

1.3 Fallback-Arbeiten (Bauanleitung, falls kein echter Satz verfügbar)

Aufgabe: „Begründe in 3–4 Sätzen, ob 16-Jährige wählen dürfen sollten." A (fehlerhaft): Behauptung ohne Beleg, Wiederholung statt Begründung. B (fehlerhaft): zwei Argumente, aber Schluss widerspricht dem eigenen Argument. C (solide): These + Beleg, Fachbegriff fehlt. D (exzellent): These, Beleg, Gegenargument aufgegriffen, präzises Fazit. (Zu jeder: 1 Würdigungs-Kandidat + 1 Fokus-Kandidat notiert.)


Anhang 2: Quiz-Material

Teil 1: Retrieval-Starter (Min. 2–9, als Muster-Whiteboard-Routine!)

  1. Die Standard-Choreografie W24? (Write 1–3 Min. → Talk 30–90 Sek. → Ernte mit Partnerfrage)
  2. Vier der sechs Turn-and-Talk-Stellschrauben? 3. Warum Schreiben vor Reden – der wichtigste Effekt? (jeder denkt; Denkzeit demokratisch) 4. ActiveObs in einem Satz (W13)? 5. (Anwendung) Deine Ernte-Cold-Calls treffen immer dieselben – welches Werkzeug korrigiert das? (Heatmap aus W22: kalte Zonen gezielt ansteuern)

Teil 2: Modul-Quiz Woche 25 (für SPA/Folgewoche)

F1. Mini-Whiteboards in der Oberstufe sind… a) unter dem Niveau erwachsener Lerner ✗ (die verbreitete Abwehr) b) auch dort das schnellste 100 %-Diagnosewerkzeug – Routine und Rahmung entscheiden ✓ c) nur für Mathe geeignet ✗ d) rechtlich bedenklich ✗

F2. Beim Schreiben auf die Boards gilt Stille, weil… a) Ruhe grundsätzlich gut ist ✗ b) Abschauen das Röntgenbild verfälscht – die Daten müssen individuell sein ✓ c) die Nachbarklasse gestört wird ✗ d) es feierlicher wirkt ✗

F3. Nach dem Board-Scan nickst du und machst weiter. Was fehlt? a) nichts – du hast ja gesehen ✗ (der häufigste Befund!) b) die ANGESAGTE Entscheidung: „Ich sehe …, also …" ✓ c) das Einsammeln der Boards ✗ d) eine Note ✗

F4. Show Call einer fehlerhaften Arbeit setzt voraus: a) das schriftliche Einverständnis der Eltern ✗ b) etablierte Fehlerkultur + Einführung als Ehrung + würdigender Dreischritt ✓ c) dass der Fehler besonders originell ist ✗ d) dauerhafte Anonymität ✗ (teilrichtig: nur der Anfang)

F5. Warum auch exzellente Arbeiten zeigen? a) als Belohnung für die Starken ✗ (nett – nicht der Kern) b) Exzellenz kalibriert den Anspruch: Man muss sie gesehen haben, um sie anzustreben ✓ c) um Konkurrenz anzuheizen ✗ d) um Zeit zu füllen ✗

F6 (Transfer, Freitext): Board-Tableau: 17 von 25 richtig, 6 mit identischem Fehler in Schritt 2, 2 leer. Formuliere deine angesagte Entscheidung wörtlich. (Muster: „Runter. Siebzehn stehen – stark. Sechs sind in Schritt 2 in dieselbe Falle getappt: Die schauen wir uns JETZT gemeinsam an, zwei Minuten. Und ihr zwei mit leerem Board: Ich komme gleich zu euch." – Bewertungsanker: Zahlen benennen, Entscheidung ansagen, alle drei Gruppen adressiert.)


Anhang 3: Beobachtungsbogen Peer-Hospitation 4

Neu: Der GASTGEBER benennt vorher seinen Fokus: „Beobachtet bei mir bitte: …" — Standardteil CFU-Zählprotokoll: | Zeit | CFU-Moment (Werkzeug: Board/Cold Call/Checkpoint/Ticket…) | Wie viele wurden erreicht? | Folgte eine sichtbare Entscheidung? | — Spalte C: „Ein Move, den ich klaue." — Nachbesprechung (Coach moderiert): Runde 1: NUR zum Gastgeber-Fokus, beschreibend. Runde 2: Zählprotokoll-Muster. Runde 3: Spalte C + „Was übernehme ich bis zur nächsten Peer-Runde?" — Dank an die Öffnenden ist Pflichtritual (Öffnen ist die mutigste Handlung des Programms).


Anhang 4: Ableitung für die SPA „Modul 25"

  1. Hook (2 Min.): „Stichprobe vs. Röntgenbild": animierte Klasse – 3 Melder-Punkte vs. 25 Board-Kacheln, die gleichzeitig aufleuchten (Fehler rot) – der Informationsunterschied als Bild.
  2. See it (4 Min.): Die Muster-Routine als Video/Audio mit Zeitleiste; Aufgabe: die 5 Schritte + die Entscheidung antippen.
  3. Name it (3 Min.): Routine-Schritte als Sortier-Spiel; Merksatz-Karte.
  4. Do it – Entscheidungs-Simulator (8 Min., Engine!): Board-Tableaus erscheinen (verschiedene Verteilungen: 90 % richtig / 40 % gleicher Fehler / diffus / 3 leere) → Nutzer formuliert/wählt die angesagte Entscheidung → Feedback nach Entscheidungsregel; das diffuse Tableau verzweigt mit Cliffhanger zu Modul 26.
  5. Show-Call-Moderationstrainer: Die 4 Fallback-Arbeiten (Anhang 1.3) als Bilder; Nutzer baut den Dreischritt (Würdigung wählen → Fokus wählen → Transfer formulieren); Ton-Fallen als Optionen („Schaut mal, was hier schiefging" ✗ mit Erklär-Feedback); Exzellenz-Arbeit als eigenes Level.
  6. Routine-Skript-Editor (dreispaltig, W3-Engine wiederverwendet) inkl. Einführungswortlaut; Playbook-Export.
  7. Quiz (Teil 2) + 30 % Altfragen; F3/F4 sind Langzeit-Anker. Abschluss: Action-Step-Formular mit Entscheidungs-Zähler („heute angesagt: __×") + Peer-Hospitations-Terminfeld.