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Skript Woche 14: „Do Now & Exit Ticket – die Klammer der Stunde + Konsolidierung Block 2

Skript Woche 14: „Do Now & Exit Ticket – die Klammer der Stunde + Konsolidierung Block 2"

60-Minuten-Sitzung · Block 2 (Abschluss) · Fortbildung Quereinsteiger Sek I/II


1. Überblick

Leitfrage Wie öffne und schließe ich Stunden so, dass Daten und Lernen entstehen?
Kernquellen Lemov T20 (Do Now), T26 (Exit Ticket); McCrea (Vorgriff Spacing); Bambrick-Santoyo (Datenlogik, vereinfacht)
Funktion im Jahr Block-2-Finale: verschraubt Anfang (Do Now, aus W3 organisatorisch bekannt, jetzt didaktisch aufgeladen) und Ende (Exit Ticket) mit den Meilensteinen aus W10. Die 10-Minuten-Sortier-Auswertung ist die Basistechnik für Reteaching (W26) und Whole-Class-Feedback (W34). Das Stundenarchitektur-Template wird finalisiert – es ist der Vorläufer des Lean-Planers (W32). Block-2-Quiz als Meilenstein-Messung.
Lernziele Die TN können:
1. Do Nows nach dem 3-2-1-Vorläufer mit Wiederholungssubstanz füllen,
2. Exit Tickets exakt an Meilensteinen ausrichten (Gütecheck),
3. einen Klassensatz in ≤ 10 Minuten per Drei-Stapel-Sortierung auswerten und EINE Konsequenz ableiten.
Sitzungstyp Kombinierte Sitzung: Block-Quiz + kompakter Input + Doppel-Werkstatt (Schreiben + Sortieren) + Konsolidierungs-Ritual.

2. Vorbereitung

Raum: Vierergruppen; drei markierte Sortier-Zonen pro Gruppentisch (grün/gelb/rot). Material:


3. Ablauf im Detail (60 Minuten)

Phase 0 · Ankommen (Minute 0–2) — Standard; Hinweis: „Heute großes Quiz statt Starter."

Phase 1 · Block-2-Quiz (Minute 2–12)

20 Fragen (Anhang 2, Teil 1), Einzelarbeit still (7 Min.), dann Selbstkorrektur per Lösungsfolie (3 Min.) – nur die zwei häufigsten Fehler kurz klären.

Meta-Kommentar: „Drei Beobachtungen zu dem, was ihr gerade erlebt habt: Erstens – es war kumulativ, Fragen bis zurück zu Woche 1; warum das mächtig ist, wird in Woche 19 Theorie. Zweitens – ihr habt selbst korrigiert; ich habe null Korrekturzeit investiert und trotzdem wissen jetzt alle, wo sie stehen. Drittens – ich sehe gleich an den Fehler-Schwerpunkten, was ICH nachsteuern muss. Quiz als Dreifachwerkzeug: Lernen, Selbstdiagnose, Lehrerdiagnose. Merkt es euch für eure Klassen."

Phase 2 · Input: Die Klammer (Minute 12–26)

2a · Do Now, didaktisch gewendet (Min. 12–16)

„In Woche 3 habt ihr das Do Now als ORGANISATIONS-Werkzeug gebaut: Es startet die Stunde ohne euch. Heute bekommt es seinen zweiten Job: LERN-Werkzeug. Die Frage ist nur: Was steht drauf? Die verführerische Antwort: ein Appetizer zum neuen Thema. Die richtige: Wiederholung. Gestern, letzte Woche, letzter Monat – als Faustformat: drei Fragen von gestern, zwei von letzter Woche, eine von vor einem Monat. Warum ausgerechnet Altes? Die volle Begründung bekommt ihr in den Wochen 18 und 19 – heute reichen drei Pragmatik-Gründe: Wiederholung ist IMMER ohne Erklärung lösbar (Kriterium eins aus Woche 3, automatisch erfüllt), sie braucht null neue Vorbereitung (die Fragen existieren schon), und Rosenshine Prinzip 1 ist damit jeden Tag abgehakt, bevor die Stunde richtig begonnen hat."

2b · Exit Ticket (Min. 16–21)

„Und am anderen Ende der Stunde: das ehrlichste Werkzeug, das ich kenne. Ein bis drei Aufgaben, drei bis fünf Minuten, schriftlich, JEDER, wird eingesammelt. Der ganze Trick steckt in einem Wort: Die Aufgaben messen eure Meilensteine aus Woche 10 – nicht das Thema, nicht die Stimmung, nicht ‚Fandet ihr es verständlich?'. Wenn euer Meilenstein war ‚kann zwischen past simple und present perfect entscheiden und die Entscheidung begründen', dann steht auf dem Ticket genau das: zwei Entscheidungssätze plus ein Begründungssatz. Das Exit Ticket ist die Empfangsbestätigung eurer Stunde – und es beantwortet die Frage, vor der sich unser Berufsstand traditionell drückt: Habe ich heute unterrichtet, oder haben sie gelernt?"

2c · Die 10-Minuten-Auswertung (Min. 21–26)

„‚Und wann soll ich das korrigieren?' – Gar nicht. Ihr korrigiert nicht, ihr SORTIERT. Drei Stapel: kann – im Kern richtig. Kann fast – richtiger Ansatz, ein reparierbarer Fehler. Kann nicht – Ansatz fehlt oder Kernmissverständnis. Kein Rotstift, keine Randbemerkung, keine Note – Tickets sind Diagnose, nicht Leistungsmessung, und das sagt ihr der Klasse auch so. Beim Sortieren notiert ihr EINEN Satz: den häufigsten Fehler. Und dann die einzige Pflicht: eine Konsequenz für morgen. Grob: Ist der rote plus gelbe Stapel über einem Drittel – zehn Minuten Reteach für alle, mit NEUEM Zugang. Ist er klein – die Namen wandern auf euren ActiveObs-Bogen für die nächste Übungsphase. Zehn Minuten, Stoppuhr ehrlich. Die Feinmechanik dieser Entscheidungen bekommt ihr in Woche 26 – heute zählt der Reflex: Ticket → Stapel → ein Satz → eine Konsequenz."

Phase 3 · Name it (Minute 26–30)

Exit-Ticket-Gütecheck (Handout A): misst den MEILENSTEIN (nicht das Thema)? · in 3–5 Min. von allen allein lösbar? · schriftlich, von jedem? · Auswertung in ≤ 10 Min. möglich (max. 3 Aufgaben, davon max. 1 offene)? — Auswertungs-Reflex: Stapeln → häufigster Fehler (1 Satz) → eine Konsequenz. Merksatz: „Das Ticket fragt den Meilenstein – und morgen antwortet der Unterricht."

Phase 4 · Do it: Doppel-Werkstatt (Minute 30–50)

Runde 1 · Schreibwerkstatt (Min. 30–40)

Jeder baut das Exit Ticket für die reale Stunde nächster Woche – auf Basis der eigenen Meilensteinkette aus W10 (liegt im Playbook!). Tandem-Gütecheck mit der Gretchenfrage: „Zeig mir, welcher Meilenstein von welcher Aufgabe gemessen wird." (Häufigster Baufehler: Die Aufgabe prüft Wiedergabe, der Meilenstein verlangt Anwendung – Moderation macht 1 Beispiel im Plenum sichtbar.)

Runde 2 · Sortier-Simulation (Min. 40–50)

Kleingruppen sortieren den echten Klassensatz (bzw. Anhang 1.2) in die drei Zonen – Stoppuhr läuft: 8 Minuten für ~25 Tickets. Danach je Gruppe: häufigster Fehler in einem Satz + Konsequenz-Entscheidung als 30-Sekunden-Pitch. Gruppen vergleichen: Kommen alle zur selben Entscheidung? (Die Abweichungen sind der Lerngewinn – besonders die Grenzfälle gelb/rot kalibrieren das Urteil.)

Phase 5 · Konsolidierung Block 2 (Minute 50–56)

Stundenarchitektur-Template (Handout B) gemeinsam durchgehen und ins Playbook heften: Do Now (3-2-1) → Meilensteine + Exemplar → I do (Vierklang) → We do (Treppe + 80 %-Check) → You do (Route + ActiveObs) → Exit Ticket (Gütecheck).

„Das ist Block 2 auf einer Seite – und es ist ab jetzt euer Standard-Stundenformular. In Woche 32 wird daraus ein 20-Minuten-Planungswerkzeug; bis dahin: benutzt es, bis es langweilig wird. Langweilig heißt: automatisiert."

Kompetenzmatrix: Felder 4–5 aktualisieren (Bogen an Coach).

Phase 6 · Action Step (Minute 56–58)

Standard: „Ich schließe diese Woche JEDE Stunde in Klasse X mit einem Exit Ticket, sortiere am selben Tag in 10 Minuten – und setze mindestens einmal eine sichtbare Konsequenz in der Folgestunde um (und sage der Klasse, DASS sie aus ihren Tickets kommt: ‚Eure Tickets von gestern zeigen…')."

Alternativen:

  1. Do-Now-Umbau: alle Starter dieser Woche auf 3-2-1-Wiederholung umstellen.
  2. Für Korrektur-Geplagte: nur die Sortier-Disziplin – 3 Klassensätze beliebiger Art stoppuhr-ehrlich in ≤ 10 Min. sortieren statt korrigieren.

Ausblick: „Nach der Hospitation und den Ferien beginnt Block 3 – und der beantwortet die Warum-Fragen, die sich gestapelt haben: Warum Wiederholung? Warum kleine Schritte? Warum vergessen sie alles? Ihr bekommt die Landkarte des Gedächtnisses. Danach seid ihr nicht mehr Rezept-Anwender, sondern Leute, die wissen, warum das Rezept funktioniert."

Phase 7 · Exit-Karte (Minute 58–60)

Erweitert (Blockabschluss):

  1. Mein wertvollstes Block-2-Werkzeug: …
  2. Wo ich noch unsicher bin: … (→ Meilenstein-Gespräch-Futter).

4. Coaching-Woche 14 (Handreichung)


Anhang 1: Übungsmaterial

1.1 Handout A: Exit-Ticket-Gütecheck + Vorlagen

Gütecheck: ☐ misst den Meilenstein ☐ 3–5 Min., allein lösbar ☐ schriftlich, von jedem ☐ Auswertung ≤ 10 Min. (max. 3 Aufgaben, max. 1 offene). Format-Vorlagen:

  1. 2 geschlossene + 1 Begründungssatz
  2. 1 Anwendungsaufgabe + „Erkläre deinen ersten Schritt"
  3. Entscheidungsformat: „Kreuze an UND begründe in einem Satz"

Verbots-Liste: „Fandet ihr es verständlich?" · „Was hat euch gefallen?" · alles, was Selbstauskunft statt Können misst (Vorgriff W21).

1.2 Konstruierter Ticket-Satz (Fallback; Auszug-Beschreibung für eigene Erstellung)

25 Tickets zur Aufgabe „Entscheide: past simple oder present perfect (2 Sätze) + begründe mit dem Signalwort": 11× grün (beides richtig, Begründung nennt Signalwort), 8× gelb (Entscheidung richtig, Begründung fehlt/zirkulär: „klingt besser"), 6× rot (Signalwort ignoriert, „yesterday I have seen"). (Eingebaute Kalibrier-Grenzfälle: 2 Tickets mit richtiger Entscheidung + falscher Begründung – gelb oder rot? Diskussion gewollt; W12-Fehlerkarte K6 lässt grüßen.)Erwartete Konsequenz: gelb+rot = 14/25 > ⅓ → 10-Min.-Reteach mit NEUEM Zugang (z. B. Zeitstrahl statt Regel-Wiederholung).

1.3 Handout B: Stundenarchitektur-Template (Einseiter)

Kopf: Klasse/Thema/Datum. — Do Now (3-2-1): … — Meilensteine (2–5, Ampel-geprüft): … — Exemplar (Kernaufgabe): … — I do: Falle: … — We do: Treppenstufen + 80 %-Check bei: … — You do: ActiveObs-Fokus + Route: … — Exit Ticket: Aufgaben (→ Meilenstein-Nr.): … — Fuß: Konsequenz von gestern eingebaut?


Anhang 2: Quiz-Material

Teil 1: Block-2-Quiz (20 Fragen, kumulativ W1–13; Auswahl mit Lösungen)

  1. Die fünf mentalen Modelle? 2. Die 7 Schritte der Begrüßungsroutine? 3. Vierercheck für Anweisungen? 4. Die 6 Leiterstufen? 5. Umformulierungs-Formel? 6. W.I.N.-Schritte? 7. Die vier Rosenshine-Stränge? 8. Beide Enden der 80 %-Regel? 9. Die zwei Planungs-Todsünden? 10. Vier Ampel-Kriterien für Meilensteine? 11. Was ist Exemplar Planning? 12. Der Modellierungs-Vierklang? 13. Fluch des Wissens + Halbier-Regel? 14. Die vier Fading-Stufen? 15. Break-It-Down-Reihenfolge? 16. Warum lügt die Melder-Stichprobe? 17. Die 5 Startbedingungen? 18. Die 60-Sekunden-Regel und ihr Grund? 19. Ab wann Sammelklärung? 20. (Transfer) „Meine Klasse konnte es in der Stunde, im Test nicht" – deute mit ZWEI Werkzeugen/Konzepten aus Block 2. (z. B. Melder-Stichprobe statt All-Response → nie geprüft, ob ALLE es konnten; verfrühtes You do → Fehler eingeübt; Vorgriff: Performance ≠ Learning kommt in W19)

Teil 2: Modul-Quiz Woche 14 (für SPA/Folgewoche)

F1. Exit Tickets wertet man aus, indem man… a) alle gründlich korrigiert und benotet – Gewissenhaftigkeit ✗ (Fleiß-Falle) b) in 3 Stapel sortiert, den Top-Fehler notiert, EINE Konsequenz ableitet ✓ c) sie zurückgibt und besprechen lässt ✗ d) den Notenschnitt berechnet ✗

F2. „Fandet ihr das Thema heute verständlich?" auf dem Ticket ist… a) gute Schülerorientierung ✗ (klingt partizipativ!) b) Selbstauskunft statt Verständnisprüfung ✓ c) zu kurz ✗ d) nur in der Oberstufe sinnvoll ✗

F3. Das ideale Do Now enthält… a) einen spannenden Einstieg ins neue Thema ✗ (DIE Verführung) b) Wiederholung: gestern / letzte Woche / letzter Monat ✓ c) die schwerste Aufgabe von gestern ✗ d) organisatorische Ansagen ✗

F4. Dein rot+gelb-Anteil liegt bei 14 von 25. Konsequenz: a) Einzelförderung für die 14 ✗ (logistisch unmöglich – klingt individuell) b) 10-Min.-Reteach für alle, mit neuem Zugang ✓ c) weiter im Stoff, die Arbeit klärt es ✗ d) das Ticket war zu schwer – ignorieren ✗

F5. Exit Tickets werden nicht benotet, weil… a) Noten verboten sind ✗ b) sie Diagnose sind – Benotung erzeugt Angst statt ehrlicher Daten ✓ c) sie zu kurz sind ✗ d) Eltern sich beschweren ✗

F6 (Transfer, Freitext): Meilenstein: „Kann vorhersagen, was im Dunkeln mit der Stärkeproduktion passiert." Entwirf das passende Exit Ticket (Aufgabe wörtlich) und begründe am Gütecheck. (Muster: „Eine Pflanze steht 3 Tage im dunklen Schrank. Was zeigt der Stärkenachweis in den Blättern – und warum? Antworte in 2 Sätzen." – misst Vorhersage+Begründung, 4 Min., schriftlich, sortierbar.)


Anhang 3: Ableitung für die SPA „Modul 14"

  1. Hook (2 Min.): „Die ehrlichste Frage des Berufs": Habe ich unterrichtet – oder haben sie gelernt? Nutzer schätzt für die letzte eigene Stunde: Wie viele von 25 hätten den Kern-Meilenstein bestanden? (Der Schätzwert wird nach dem Modul mit dem echten ersten Ticket verglichen – Feature „Schätzung vs. Realität".)
  2. See it (4 Min.): Ticket-Beispiele gut/schlecht als Swipe (Gütecheck-Verstoß benennen); die Verbots-Liste als Karten.
  3. Name it (3 Min.): Gütecheck + Auswertungs-Reflex (Stapeln → Satz → Konsequenz) als Merkkarten.
  4. Do it – Ticket-Generator (7 Min., Engine!): Meilenstein aus Modul 10 laden (modulübergreifende Daten!) → Aufgabenvorschlag wählen/formulieren → Gütecheck-Ampel; Export ins Playbook.
  5. Sortier-Simulation (7 Min., Kernstück!): Der 25er-Satz aus Anhang 1.2 als Drag-&-Drop in drei Zonen mit laufender Uhr; Grenzfälle (richtige Entscheidung, falsche Begründung) triggern Erklär-Feedback; Abschluss: Konsequenz-Entscheidung mit Auflösung (>⅓-Regel).
  6. Block-2-Abschlussquiz (20 Fragen aus dem Pool) mit Spinnennetz-Update-Screen (Kompetenzmatrix Felder 4–5).
  7. Abschluss: Action-Step-Formular mit Täglich-Log: Ticket gestellt ☐ · sortiert in __ Min. · Konsequenz morgen: … · „Eure Tickets zeigen…"-Satz gesagt ☐.