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Skript Auftaktwoche: „Kickoff – Handwerk ist lernbar

Skript Auftaktwoche: „Kickoff – Handwerk ist lernbar"

60-Minuten-Sitzung · vor Block 1 · Fortbildung Quereinsteiger Sek I/II


1. Überblick

Leitfrage Wie werde ich in einem Jahr eine handlungssichere Lehrkraft – und wie funktioniert dieses Programm?
Kernquellen Lovell/Dowley, Einleitung (Bill-Rogers-Anekdote); Lemov, Einleitung; EEF Effective Professional Development (Programmdesign); Lemov et al., Practice Perfect (Übungslogik)
Funktion im Jahr Vertragsschluss: gemeinsames Verständnis von Lernbarkeit, Übungskultur und psychologischer Sicherheit. Baseline-Erhebung (Kompetenzmatrix W0). Hemmschwelle „laut üben" fällt am ersten Tag.
Lernziele Die TN können:
1. den Jahresaufbau und die drei Formate erklären,
2. das Prinzip „üben statt nur wissen" begründen,
3. haben eine persönliche Zielvereinbarung und eine erste Mini-Übung absolviert.
Sitzungstyp Rahmung + Erstkontakt mit dem Übungsformat. Einzige Sitzung ohne Retrieval-Starter (es gibt noch nichts abzurufen – das wird explizit gesagt und ab Woche 1 eingelöst).

2. Vorbereitung

Raum: Stuhlkreis oder U-Form für den Rahmungsteil; Tische am Rand für Schreibphasen; freie Fläche für die Mini-Übung. Anwesenheit der Schulleitung für Min. 0–5 organisieren (EEF: glaubwürdige Quelle, institutionelle Rückendeckung).

Material (Checkliste):

Moderations-Grundsatz: Diese Sitzung setzt den Ton für 36 Wochen. Alles, was hier passiert, muss die drei Versprechen einlösen: pünktlich & strukturiert (Vorbild), warm & wertschätzend (Sicherheit), übungsorientiert (Handwerk). Kein einziger Programmpunkt darf reine Verwaltungsansage sein.


3. Ablauf im Detail (60 Minuten)

Phase 0 · Eröffnung durch die Schulleitung (Minute 0–5)

Vorab mit der Schulleitung abgestimmte Kernbotschaften (der Moderation als Briefing mitgeben):

  1. Dieses Programm ist eine strategische Investition der Schule, keine Belehrung von Defizitären.
  2. Die Schule weiß, was Quereinsteiger mitbringen (Fachlichkeit, Berufserfahrung, Lebenserfahrung) – das Programm ergänzt das fehlende Handwerk, mehr nicht.
  3. Coaching und alles im Programm ist entwicklungs-, nicht beurteilungsbezogen. Nichts fließt in dienstliche Bewertungen. (Dieser Satz MUSS von der Schulleitung selbst kommen – von niemandem sonst ist er glaubwürdig.)

Phase 1 · Die Kernbotschaft: Handwerk ist lernbar (Minute 5–15)

Moderationstext (Vorschlag): „Ich fange mit einer Geschichte aus dem Buch an, mit dem wir viel arbeiten werden. Oliver Lovell, erfahrener Lehrer und Podcaster, beschreibt seine ersten Jahre so: Er glaubte lange, gegen Unterrichtsstörungen helfe nur zweierlei – Erfahrung oder ein von Natur aus lauter Bariton. Man hat es, oder man hat es nicht. Dann sah er Kollegen, die weder besonders laut noch besonders alt waren – und deren Klassen ruhig und konzentriert arbeiteten. Und er entdeckte: Diese Leute TATEN konkrete, beschreibbare, kopierbare Dinge. Kein Charisma. Techniken. Das ist die Gründungsidee dieses Jahres: Unterrichten ist ein Handwerk. Und Handwerk ist lernbar. Doug Lemov hat dafür hunderte Stunden Videomaterial von Lehrkräften analysiert, deren Klassen außergewöhnliche Ergebnisse erzielen – und das Ergebnis ist keine Liste von Persönlichkeitsmerkmalen, sondern eine Liste von Handlungen. Was eine Person tun kann, kann eine andere lernen. Was heißt das für euch? Drei Dinge, die ich euch heute verspreche – und drei, die ich von euch brauche. Meine drei Versprechen: Erstens, ihr bekommt kein Theorie-Studium, sondern jede Woche Werkzeug, das ihr am Montag benutzen könnt. Zweitens, die Reihenfolge ist für euch gebaut: Wir beginnen mit dem, was euch nachts wachhält – Klassenführung – und nicht mit Bildungstheorie. Drittens, hier wird niemand vorgeführt. Nie. Meine drei Bitten: Erstens – hier wird geübt. Laut, im Rollenspiel, mit Skript. Das fühlt sich die ersten zwei Male albern an. Das ist normal, es vergeht, und es ist der Grund, warum dieses Programm funktioniert: Verhalten ändert sich durch Probehandeln, nicht durch Einsicht. Kein Mensch hat Fahrradfahren aus einem Vortrag gelernt. Zweitens – ein kleiner Schritt pro Woche. Ihr werdet jede Woche EINEN konkreten Action Step mitnehmen. Nicht fünf. Wer fünf Dinge gleichzeitig ändert, ändert keins. Drittens – Ehrlichkeit. Wenn etwas nicht klappt, ist das hier der sicherste Ort der Schule, es zu sagen. Aus euren Pannen lernt die ganze Gruppe."

Folie dazu: Nur der Satz „Handwerk ist lernbar." – sonst nichts.

Phase 2 · Die Programm-Landkarte (Minute 15–25)

Landkarte austeilen. Führung durchs Jahr in Blöcken erzählen, nicht in Wochen aufzählen (5 Min.):

„Block 1, acht Wochen: Klassenführung. Erst der Raum, dann die Kunst. Block 2: das Grundgerüst guten Erklärens und Übens – das am besten abgesicherte Wissen, das die Unterrichtsforschung hat. Block 3 beantwortet, WARUM das alles funktioniert: Wie Gedächtnis und Aufmerksamkeit wirklich arbeiten – danach seid ihr immun gegen die meisten Lernmythen. Block 4: Wie ihr in Echtzeit seht, was in 28 Köpfen passiert. Block 5: Motivation – nicht als Zauberei, sondern als System mit fünf Stellschrauben. Block 6: Wie ihr all das mit vertretbarem Zeitaufwand plant und euch danach selbst weiterentwickelt. Dazwischen: fünf gemeinsame Hospitationen, drei Meilenstein-Gespräche, und am Ende zeigt ihr im Kolloquium zwei Videos – eines aus Woche 1, eines aus Woche 35. Der Unterschied zwischen diesen Videos ist das Zeugnis dieses Jahres."

Dann die drei Formate und ihr Zusammenspiel (5 Min., Folie mit Dreieck Input–Coaching–Hospitation):

„Der Wocheninput gibt euch die Technik und die erste Übung. Der Action Step trägt sie in eure Klasse. Das Coaching schaut genau darauf – nicht auf alles, nur auf diesen einen Schritt – und hilft beim nächsten. Die Hospitationen kalibrieren euren Anspruch: Ihr müsst gesehen haben, wie ruhig eine Klasse arbeiten KANN, um es für eure anzustreben. Wichtig zum Coaching: Euer Coach ist euer Verbündeter mit Schweigepflicht Richtung Schulleitung. Und zur Kamera: In Woche 1 nehmen wir 15 Minuten eures Unterrichts auf. Dieses Video schaut sich zunächst NIEMAND an – auch ihr nicht. Es wird versiegelt und erst in Woche 8 und Woche 36 geöffnet. Es ist euer Vorher-Bild. Ihr werdet es lieben – in Woche 36."

Einverständnisse + Coaching-Slots einsammeln/eintragen (2 Min., parallel zur Überleitung).

Phase 3 · Kompetenzmatrix: das Vorher-Bild in Zahlen (Minute 25–35)

„Bevor wir üben: eine ehrliche Selbsteinschätzung. Acht Felder, vier Stufen, keine Schulnoten, niemand sieht sie außer euch und eurem Coach. Zwei Regeln: Erstens, Stufe 1 heißt nicht ‚schlecht', sondern ‚am Anfang' – wo sonst solltet ihr nach drei Wochen stehen? Zweitens, kreuzt nach der letzten realen Woche an, nicht nach eurem besten Tag. Wir wiederholen das vollständig in Woche 20 und Woche 36 – zwischendurch aktualisieren wir an den Meilensteinen einzelne Felder – und ich verspreche euch: Der Blick zurück auf diesen Bogen wird einer der schönsten Momente des Jahres."

Stille Einzelarbeit (7 Min.), Bogen wird NICHT besprochen (nur Coach-Kopie). Wer früher fertig ist, liest die Landkarte.

Phase 4 · Mini-Übung: Die erste halbe Minute (Minute 35–50)

„Jetzt brechen wir das Eis, von dem ich sprach. Eure erste Übung – bewusst klein: die ersten 30 Sekunden eurer Stunde. An unserer Schule gibt es das Ritual: Die Klasse ist im Raum, ihr kommt herein, alle stehen auf, Begrüßung, Setzen. Wir skripten jetzt genau diese halbe Minute – euren Wortlaut, euren Weg zum festen Punkt, euren Gruß, euer Setz-Signal und den ersten Satz danach. In Woche 3 bauen wir das zur vollen Routine aus; heute geht es nur darum, es einmal LAUT getan zu haben."

Ablauf:

  1. 5 Min. Einzelarbeit: Skript auf Karte (Vorlage: Weg/Position → Warten worauf? → Gruß-Wortlaut → Setz-Signal → erster Satz).
  2. 8 Min. Tandems: jeder spielt 2×, Partner gibt Feedback nach der Regel, die ab jetzt IMMER gilt: „Zuerst: Was war wirksam – konkret? Dann: EIN Impuls. Dann sofort noch einmal spielen."
  3. 2 Min. Blitzlicht: „Wie hat sich das angefühlt? … Merkt euch: Das Albernheitsgefühl von heute ist in Woche 4 komplett weg. Versprochen."

Phase 5 · Zielvereinbarung & Tandem-Bildung (Minute 50–58)

Formular (Anhang 3) ausfüllen: ein Jahresziel (persönlich formuliert), zwei Sorgen (ehrlich), ein Satz „Woran merke ich im Juni, dass sich das Jahr gelohnt hat?". Kopie an Coach. Tandems für das Jahr festlegen (nach Fächernähe oder Sympathie – Hauptsache verbindlich; Tandems sind Rollenspiel-Partner, Peer-Feedback-Partner und später Peer-Hospitations-Partner).

Ausblick: „Nächste Woche bekommt ihr die Denkbrille für das ganze Jahr: fünf Modelle, die erklären, warum Klassen sich verhalten, wie sie sich verhalten. Und ab nächster Woche beginnt jede Sitzung mit einem kleinen Quiz über die Vorwoche – heute war die einzige quizfreie Sitzung eures Jahres. Genießt es." [Lacher einplanen – und im Ernst: die Ankündigung nimmt dem W1-Quiz die Überraschung und macht es zur fairen Norm.]

Phase 6 · Exit-Karte (Minute 58–60)

Ab heute Standard:

  1. Das nehme ich mit: …
  2. Das macht mir noch Sorge: …

Abgabe beim Rausgehen. Sorgen-Karten fließen anonymisiert in die Coaching-Planung.


4. Coaching-Woche 0 (Handreichung für Coaches)


Anhang 1: Folienplan (10 Folien)

  1. Titel + heutige drei Stationen · 2. „Handwerk ist lernbar." · 3. Foto/Symbol Bill-Rogers-Anekdote · 4. Drei Versprechen (Stichworte) · 5. Drei Bitten (Stichworte) · 6. Jahreskreis (= Landkarte) · 7. Dreieck Input–Coaching–Hospitation · 8. „Das Video wird versiegelt bis Woche 8/36" · 9. Übungsauftrag Mini-Skript (5 Schritte) · 10. Exit-Karte-Auftrag.

Anhang 2: Kompetenzmatrix (8 Felder × 4 Stufen)

Anleitung: pro Feld die Stufe ankreuzen, die den NORMALFALL der letzten Woche beschreibt. Wird vollständig identisch in W20 und W36 erhoben (Teil-Updates an den Meilensteinen W8/W14/W26/W31); SPA rendert die drei Vollerhebungen als Spinnennetz W0/W20/W36.

Stufenlogik (für alle Felder): Stufe 1 = „Ich reagiere situativ, es fühlt sich zufällig an" · Stufe 2 = „Ich habe ein Vorgehen, muss aktiv daran denken" · Stufe 3 = „Läuft in Standardsituationen stabil, kippt unter Druck" · Stufe 4 = „Läuft automatisch, ich kann situativ anpassen".

Feld Leitfrage zur Selbsteinschätzung
1. Routinen & Stundenstart Beginnen meine Stunden verlässlich strukturiert (Begrüßungsritual sauber, Starter läuft, <60 Sek. bis alle arbeiten)?
2. Anweisungen & Aufmerksamkeit Bekomme ich die Klasse zuverlässig still, und kommen meine Arbeitsanweisungen beim ersten Mal an?
3. Intervention & Präsenz Reagiere ich auf Störungen ruhig, abgestuft und ohne den Unterricht zu unterbrechen?
4. Erklären & Modellieren Kann ich Neues in kleinen Schritten, mit Beispielen und hörbarem Denken so erklären, dass Schüler ohne Vorkenntnisse folgen?
5. Übungsphasen führen Leite ich Übungsphasen klar ein und weiß ich währenddessen, wer wo steht?
6. Verstehen prüfen Habe ich pro Stunde belastbare Daten über den Lernstand ALLER (nicht nur der Melder)?
7. Beteiligung & Fragenkultur Denken bei meinen Fragen alle mit – und bleibt niemand dauerhaft unsichtbar?
8. Planung & Arbeitsökonomie Plane ich zielgerichtet in vertretbarer Zeit, und überlebe ich Korrekturphasen?

Anhang 3: Zielvereinbarungs-Formular

Anhang 4: Ableitung für die SPA „Modul 0 / Onboarding"

  1. Hook (2 Min.): Bill-Rogers-Anekdote als Kurzvideo/Illustrationsserie mit der Punchline „Kein Charisma. Techniken."
  2. Programm-Landkarte interaktiv (4 Min.): Jahreskreis, Blöcke antippbar mit je einem Satz + Leitfrage.
  3. Drei Versprechen / drei Bitten (3 Min.): als Karten-Flip; die „Üben-fühlt-sich-albern-an"-Karte mit Testimonial-Zitaten früherer Kohorten (ab Kohorte 2).
  4. Kompetenzmatrix digital (8 Min.): 8 Slider mit den Leitfragen aus Anhang 2; Speicherung als W0-Datenpunkt fürs Spinnennetz.
  5. Zielvereinbarung (5 Min.): Formularfelder aus Anhang 3; Export als „Commitment-Karte" (PDF/Bild).
  6. Kein Quiz in Modul 0 – stattdessen Ausblick-Screen: „Ab Modul 1 beginnt jedes Modul mit Abruf. Warum, erfährst du in Modul 18 – und spürst du ab Modul 2."
  7. Abschluss-Screen = erster Action Step (Begrüßungsroutine bewusst vollständig, siehe Curriculum) mit Erinnerungsfunktion.