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Fortbildungs-Curriculum für Quereinsteiger (Sek I/II)

Fortbildungs-Curriculum für Quereinsteiger (Sek I/II)

Ein Schuljahr, wochenweise – Grundlage für spätere Selbstlern-SPAs


Teil A: Rahmen & Designprinzipien

1. Zielgruppe & Ausgangslage

Quereinsteiger mit wenig Unterrichtserfahrung, die parallel mit reduziertem Deputat eigenverantwortlich in Sek I und II unterrichten. Das ist die ideale Konstellation für wirksame Fortbildung: Jede Woche gibt es echte Klassen, in denen Neues sofort erprobt werden kann – und echte Probleme, die Dringlichkeit und Motivation erzeugen.

2. Wissenschaftliche Fundierung des Programmdesigns

Das Curriculum folgt den 14 Mechanismen wirksamer Fortbildung des EEF-Guidance-Reports „Effective Professional Development" (Sims et al., 2021). Wirksame Fortbildung muss in jeder Woche vier Dinge leisten:

EEF-Baustein Umsetzung im Programm
A – Wissen aufbauen 60-min-Input: wenige Kernideen, kognitive Entlastung, Wiederholung über Wochen (Spacing im Programm selbst!)
B – Lehrkräfte motivieren Glaubwürdige Quellen (Lemov, McCrea, Lovell, Rosenshine), gemeinsame Zielvereinbarung, Bestärkung nach Fortschritt im Coaching
C – Techniken entwickeln Deliberate Practice in jeder Sitzung: Skripten, Rollenspiel, Mikro-Üben („Practice Perfect"-Logik)
D – Praxis verankern Wöchentlicher Action Step, Selbstmonitoring, kontextspezifische Wiederholung, Coaching-Follow-up

Die Sequenzierung (erst Klassenführung, dann Instruktion, dann Vertiefung) folgt Bambrick-Santoyos „Get Better Faster": Klassenmanagement und Basisroutinen zuerst, weil ohne ruhige Lernumgebung keine Instruktionstechnik greift. Kernprinzip: Go Granular – Teilfertigkeiten einzeln benennen, üben, stapeln.

3. Die drei Formate und ihr Zusammenspiel

3.1 Wöchentlicher Input + Übung (60 min)

Feste Struktur jeder Sitzung (selbst ein Modell guten Unterrichts – „teach as you preach"):

  1. Retrieval-Starter (8 min): Kumulatives Quiz über Inhalte der Vorwochen (modelliert Do Now + Spacing).
  2. Input (15–20 min): Eine Kernidee, max. 2–3 Techniken. Immer mit Videobeispiel oder Live-Modellierung („See it").
  3. Benennen & Zerlegen (5 min): Technik in beobachtbare Teilschritte zerlegen („Name it").
  4. Deliberate Practice (20–25 min): Skript schreiben → in Partnerarbeit laut üben → Feedback → nochmal üben („Do it"). Nicht diskutieren, sondern üben – Verhalten ändert sich durch Probehandeln, nicht durch Reden.
  5. Action Step festlegen (5 min): Jeder formuliert schriftlich den einen konkreten, kleinen, beobachtbaren Schritt für die kommende Woche.

3.2 1:1-Coaching + Auswertungsgespräch (wöchentlich)

Modell: Instructional Coaching nach Bambrick-Santoyo/Steplab-Logik:

3.3 Gruppenhospitationen (1× pro Block, ca. alle 5–6 Wochen)

4. Jahresstruktur im Überblick (6 Blöcke, 36 Modulwochen)

Block Wochen Thema Leitquelle(n)
0 Auftakt Kickoff & mentale Modelle Lemov Kap. 1
1 1–8 Klassenführung & Routinen Lovell/Dowley; Lemov Kap. 10–12
2 9–14 Effektive Instruktion: das Grundgerüst Rosenshine; Lovell R7–R9; McCrea LLP
3 15–20 Lernpsychologie & Gedächtnis McCrea „Memorable Teaching"
4 21–26 Verstehen prüfen & Denkbeteiligung (CFU & Ratio) Lemov Kap. 3, 7, 8
5 27–31 Motivation & Beziehung McCrea „Motivated Teaching"; Lemov Kap. 9
6 32–36 Planung, Arbeitsökonomie & nachhaltige Entwicklung McCrea „Lean Lesson Planning"

Ferienwochen (Herbst, Weihnachten, Winter/Fasching, Ostern, Pfingsten je nach Bundesland) sind Puffer; das Raster ist auf 36 Modulwochen ausgelegt und lässt sich auf jeden Ferienkalender legen. Nach jeder Ferienphase beginnt die erste Sitzung mit einem erweiterten Retrieval-Block (Reaktivierung statt neuem Stoff).

Wichtige Dramaturgie: Nach Weihnachten (Block 3/4) und nach Ostern (Block 5) sind bewusst „Re-Establish"-Momente eingebaut: Routinen neu setzen, denn nach Ferien verfallen sie – das ist normal und wird explizit trainiert.

5. Leistungs- & Erfolgsnachweise


Teil B: Die Module im Detail (Woche für Woche)

Jedes Modul folgt demselben Schema – dieses Schema ist zugleich die Blaupause für deine Selbstlern-SPAs:


AUFTAKTWOCHE (vor Unterrichtsbeginn oder Woche 0): Kickoff

Leitfrage: Wie werde ich in einem Jahr eine handlungssichere Lehrkraft – und wie funktioniert dieses Programm?

Lernziele: Die TN können den Jahresaufbau erklären, kennen die Formate (Input, Coaching, Hospitation), haben eine persönliche Zielvereinbarung geschrieben und verstehen das Prinzip „üben statt nur wissen".

Kernideen:

  1. Lehrer-Expertise ist erlernbar und trainierbar – sie besteht aus konkreten, benennbaren Techniken, nicht aus Talent oder Persönlichkeit (Lemov, Einleitung; Lovell/Dowley, Einleitung: Bill-Rogers-Anekdote).
  2. Verhalten ändert sich durch Übung, nicht durch Einsicht – deshalb wird in jeder Sitzung laut geübt, geskriptet, gespielt (Practice Perfect / Lovell „Remember to rehearse").
  3. Der wöchentliche Action Step ist das Herz des Programms: ein kleiner Schritt pro Woche schlägt zehn gute Vorsätze (Get Better Faster: „Go Granular").
  4. Coaching ist Entwicklung, nicht Bewertung – psychologische Sicherheit als Vertrag der Gruppe.

Übungsteil: Zielvereinbarung schreiben; erste Mini-Übung: eine 30-Sekunden-Begrüßungsroutine skripten und vorspielen (niedrigschwelliger Einstieg ins Rollenspiel-Format, baut Hemmungen ab).

Action Step: „Ich führe ab Tag 1 unsere Begrüßungsroutine (Aufstehen – Begrüßung – Setzen) bewusst und vollständig durch: Ich warte auf 100 % Stehen und Stille, bevor ich grüße – jede Stunde, ohne Ausnahme."

SPA-Bausteine: Programm-Landkarte (interaktive Jahresübersicht); Selbsteinschätzungs-Slider zu 8 Kompetenzfeldern (wird in Woche 18 und 36 wiederholt → Fortschrittsvisualisierung); Video „Was ist Deliberate Practice?"; Commitment-Generator (persönliches Ziel als Karte exportierbar).


BLOCK 1: KLASSENFÜHRUNG & ROUTINEN (Wochen 1–8)

Block-Rationale: Ohne ruhige, geordnete Lernumgebung greift keine noch so gute Didaktik. Klassenführung zuerst (Get-Better-Faster-Sequenz: „Routines & Procedures 101" vor allem anderen). Für Quereinsteiger ist dies zugleich das Feld mit dem größten Leidensdruck – hohe Motivation garantiert.


Woche 1: Fünf mentale Modelle des Unterrichtens

Leitfrage: Warum verhalten sich Klassen so, wie sie sich verhalten – und was folgt daraus für mich?

Lernziele: Die TN können die fünf Prinzipien aus Lemov Kap. 1 erklären und auf eine eigene Unterrichtssituation der letzten Woche anwenden.

Kernideen (Lemov, TLAC 3.0, Kap. 1):

  1. Arbeitsgedächtnis ist eng, Langzeitgedächtnis ist Macht: Lernen heißt, Wissen ins Langzeitgedächtnis zu bringen und Arbeitsgedächtnis zu entlasten.
  2. Gewohnheiten beschleunigen Lernen: Routinen machen Abläufe automatisch und setzen Denk-Kapazität frei.
  3. Was Schüler beachten, lernen sie: Aufmerksamkeit ist die Währung des Klassenzimmers.
  4. Motivation ist sozial: Normen der Gruppe wirken stärker als jede Regel.
  5. Gut unterrichten = Beziehung bauen: Kompetentes Unterrichten selbst erzeugt Vertrauen (nicht umgekehrt erst „Beziehung, dann Unterricht").

Typische Fehlvorstellungen: „Ich muss erst die Beziehung aufbauen, bevor ich Anforderungen stellen darf" (tatsächlich entsteht Beziehung durch gelingenden Unterricht); „Störungen sind persönliche Angriffe" (meist sind sie Normphänomene).

Übungsteil: Fallanalyse: 2 kurze Unterrichtsvideos mit der Fünf-Prinzipien-Brille analysieren; eigenes „Störungs-Erlebnis" der ersten Tage durch die Prinzipien-Brille umdeuten (Perspektivwechsel in Partnerarbeit).

Action Step: „Ich beobachte diese Woche in einer Klasse gezielt: Worauf richten die Schüler ihre Aufmerksamkeit in den ersten 5 Minuten – und was habe ich dafür getan?"

Coaching-Fokus: Kennenlern-Hospitation, Baseline-Video aufnehmen (wird in Woche 36 wieder angesehen!).

SPA-Bausteine: Interaktives Schaubild Arbeits-/Langzeitgedächtnis; Drag-&-Drop: Situationen den 5 Prinzipien zuordnen; Szenario-Quiz mit Fehlvorstellungs-Distraktoren; Reflexionsjournal-Eingabefeld.


Woche 2: Hohe Erwartungen – Verhalten ist ein Curriculum

Leitfrage: Wie mache ich unsichtbare Erwartungen sichtbar und lehrbar?

Lernziele: Die TN können erwünschtes Verhalten so konkret beschreiben wie einen Lerninhalt, und sie können eine Erwartung nach dem Muster „vage → spezifisch" umformulieren.

Kernideen (Lovell/Dowley, Prinzipien 3 & 5):

  1. Mit hohen Erwartungen starten schafft Spielraum: Lockern geht immer, Nachschärfen ist teuer. Der Jahresanfang (und jeder Neustart nach Ferien) ist das Fenster.
  2. Verhalten ist ein Curriculum: Es muss – wie Mathe – erklärt, modelliert, geübt, überprüft und mit Feedback versehen werden. Niemand erwartet fehlerfreie Bruchrechnung nach einmaligem Erklären; dasselbe gilt für eine Eingangsroutine.
  3. Spezifisch statt vage: Nicht „respektvoll reinkommen", sondern „still eintreten, innerhalb von 60 Sekunden am Starter arbeiten, Heft aufgeschlagen bei den Hausaufgaben".
  4. Behavioural CFU: Nach Anweisungen per Cold Call prüfen, ob die Erwartung verstanden wurde.

Typische Fehlvorstellungen: „Hohe Erwartungen = Strenge/Härte" (nein: Klarheit + Zutrauen); „In der Oberstufe braucht man das nicht" (auch Sek II braucht explizite Normen, nur anders kommuniziert).

Übungsteil: Eigene Top-3-Erwartungen für eine konkrete Klasse nach dem Spezifisch-Muster ausformulieren; „Relevanz-Sätze" schreiben (Erwartung + Begründung in einem Satz); gegenseitig vortragen und schärfen.

Action Step: „Ich formuliere für meine schwierigste Lerngruppe eine Erwartung neu (spezifisch, positiv, mit Begründung) und führe sie am Montag explizit ein."

SPA-Bausteine: Umformulierungs-Trainer (vage Erwartung eingeben → Checkliste prüft: beobachtbar? messbar? positiv formuliert?); Beispiel-Bibliothek nach Jahrgangsstufe filterbar; Vorher/Nachher-Karten.


Woche 3: Die Eingangsroutine & der starke Stundenstart

Leitfrage: Wie gewinne ich die ersten 5 Minuten jeder Stunde – jedes Mal?

Lernziele: Die TN können den Stundenauftakt an unserer Schule (Lehrkraft betritt den Raum, Klasse ist bereits da: Aufstehen – Begrüßung – Setzen) als vollständige Routine skripten (Wortlaut + Position + Material) und mit Starter/Do Now und Zeitanker verketten.

Kernideen:

  1. Die Begrüßungsroutine als Strong Start (Adaption von Lemovs „Threshold & Strong Start"): Unser schulisches Ritual (alle stehen auf, gemeinsame Begrüßung, Setzen) leistet dieselbe Funktion wie Lemovs Türschwellen-Ritual: klare Zäsur, Ton setzen, 100 %-Moment gleich zu Beginn. Entscheidend ist die Qualität der Durchführung: Die Lehrkraft geht zu ihrem festen Punkt, wartet auf vollständiges Stehen und Stille (100 %, Woche 6!), grüßt warm, erst dann Setz-Signal. Eine schlampig durchgewunkene Begrüßung sendet die Norm „Halbherzig reicht hier".
  2. Entry-Kette danach (Lovell, Routine 1, adaptiert): Direkt an das Setzen koppelt die feste Kette: Material raus → Starter beginnen, mit sichtbarem Timer und knapper Erinnerungsformel während des Setzens („Ihr wisst, was zu tun ist: Starter, 4 Minuten, still").
  3. Do Now (Lemov T20): 3–5 Min. schriftliche Aufgabe, ohne Erklärung lösbar, idealerweise Wiederholung – Schüler arbeiten ab Sekunde 1, die Lehrkraft hat Hände frei.
  4. Skript + Probe: Routinen werden mit der Klasse geübt, notfalls wiederholt („Do It Again", Lemov T51 – als Reset, nicht als Strafe).

Typische Fehlvorstellungen: „Ich verliere Zeit durchs Üben der Routine" (die Investition amortisiert sich in Wochen); „Bei Teenagern wirkt das kindisch" (Ton und Framing anpassen, Struktur beibehalten).

Übungsteil: Komplette Eingangsroutine für die eigene Hauptklasse skripten (Wortlaut kursiv, Handlung, Position); im Rollenspiel durchspielen: 1 TN ist Lehrkraft, Rest ist Klasse (inkl. einer eingebauten Trödel-Störung); 2 Durchläufe mit Feedback.

Action Step: „Ich führe ab Montag in Klasse X ein Do Now ein: Die Aufgabe hängt/steht bereit, bevor ich grüße; das Setz-Signal startet zugleich den sichtbaren Timer, und ich sage dabei jedes Mal denselben Satz."

Coaching-Fokus: Hospitation in den ersten 10 Minuten der Stunde; Zeitmessung: Sekunden bis 90 % arbeiten.

SPA-Bausteine: Skript-Editor mit Vorlage (Tool/Wortlaut/Aktion-Tabelle wie bei Lovell); Video-Kontrast „chaotischer vs. ruhiger Einstieg"; Timer-Simulation; Do-Now-Aufgabengenerator nach Fach; Checkliste „Meine Routine ist komplett, wenn…".


Woche 4: Aufmerksamkeit einholen & glasklare Anweisungen

Leitfrage: Wie bekomme ich 30 Menschen in 5 Sekunden still – und wie gebe ich Anweisungen, die wirklich ankommen?

Lernziele: Die TN können ein Aufmerksamkeitssignal etablieren und Arbeitsanweisungen nach dem „What to Do"-Standard formulieren.

Kernideen:

  1. Gaining Attention (Lovell, Routine 4): Festes Signal → 100 % Blickkontakt abwarten → erst dann sprechen. Nie gegen Unruhe anreden.
  2. What to Do (Lemov T52): Anweisungen müssen konkret, sequenziell, beobachtbar und knapp sein. „Passt auf!" ist keine Anweisung; „Stift weg, Blick zu mir" ist eine.
  3. Brighten the Lines (Lemov T28): Anfang und Ende von Arbeitsphasen scharf markieren („In 3, 2, 1 … los"), damit Übergänge nicht ausfransen.
  4. Ökonomie der Sprache: Je weniger Worte, desto klarer das Signal (Lovell/Lemov: economy of language). Anweisung geben → stoppen → nicht nachplätschern.

Typische Fehlvorstellungen: „Lauter werden hilft" (Gegenteil: leiser + warten wirkt stärker); „Höflichkeit erfordert lange Sätze" (Kürze ist nicht Unfreundlichkeit).

Übungsteil: Anweisungs-Rewrite: 5 typische vage Anweisungen in What-to-Do-Form bringen; Rollenspiel Aufmerksamkeitssignal mit gestaffelter Störung (Klasse reagiert erst auf zweiten Anlauf – Umgang üben); Videoanalyse einer gelungenen Umsetzung.

Action Step: „Ich etabliere ein Aufmerksamkeitssignal in Klasse X, erkläre und übe es am Montag – und ich spreche erst, wenn alle Stifte liegen."

SPA-Bausteine: Anweisungs-Prüfmaschine (Text eingeben → Analyse: beobachtbar? sequenziell? ≤ 12 Wörter?); Audio-Beispiele mit Stimm-Kontrast; Entscheidungsbaum „Signal gegeben, 5 SuS reden weiter – was jetzt?".


Woche 5: Die eigene Präsenz – Körper, Stimme, Selbstregulation

Leitfrage: Wie wirke ich ruhig und souverän – auch wenn ich es (noch) nicht bin?

Lernziele: Die TN kennen die körperlichen Stellschrauben von Präsenz (Position, Haltung, Stille, Stimmregister) und haben eine persönliche Selbstregulations-Routine für Stressmomente.

Kernideen:

  1. Master your own behaviour (Lovell, Prinzip 4 & Routine 3): Das eigene Verhalten ist der einzige direkt kontrollierbare Hebel. Erst sich selbst regulieren, dann intervenieren (Atemanker, innerer Skript-Satz).
  2. Strong Voice / Register (Lemov T57): Formales Register für Anweisungen (ruhig, wenig Worte, stehen bleiben, Symmetrie), warmes Register für Gespräch – bewusst wechseln können.
  3. Square up, stand still: Beim Geben wichtiger Anweisungen stillstehen, nicht nebenbei laufen oder Material sortieren.
  4. Emotional Constancy (Lemov T62): Berechenbare, gleichmäßige emotionale Reaktion; Ärger nie in der Stimme transportieren – Depersonalisierung von Störungen.

Typische Fehlvorstellungen: „Autorität ist Persönlichkeitssache" (sie ist zu großen Teilen trainierbares Verhalten); „Ich muss streng gucken" (Ruhe schlägt Drohkulisse).

Übungsteil: Körper-Labor: dieselbe Anweisung in 4 Varianten sprechen (gehend/stehend, laut/leise, viele/wenige Worte) – Gruppe gibt Wirkungs-Feedback; persönlichen „Reset-Anker" für Stressmomente entwickeln und 3× durchspielen.

Action Step: „Vor jeder wichtigen Anweisung: stehen bleiben, ausatmen, dann sprechen – eine Woche lang bewusst."

SPA-Bausteine: Video-Kontrastpaare (gleiche Szene, unterschiedliche Körpersprache); Selbstaufnahme-Übung mit Analyse-Checkliste; Stress-Szenario-Simulator („Schüler sagt X vor der Klasse – wähle deine Reaktion" mit Konsequenz-Verzweigung).


Woche 6: 100 % – die am wenigsten invasive Intervention

Leitfrage: Wie reagiere ich auf kleine Störungen, ohne den Unterricht zu unterbrechen?

Lernziele: Die TN können die Interventionsleiter von nonverbal bis Einzelkorrektur anwenden und wählen bewusst die kleinste wirksame Stufe.

Kernideen (Lemov T55 „Least Invasive Intervention" + Lovell Routine 9):

  1. 100 %-Prinzip: Eine Anweisung gilt für alle – nicht für 90 %. Wer 90 % akzeptiert, verhandelt künftig über die Zahl.
  2. Interventionsleiter: (1) nonverbaler Hinweis (Blick, Geste, Nähe) → (2) positive Gruppenkorrektur („Ich sehe fast alle Stifte…") → (3) anonyme Einzelkorrektur („Zwei fehlen noch") → (4) private/leise Einzelkorrektur am Platz → (5) „lightning-quick" öffentliche Korrektur → (6) Konsequenz. Immer so niedrig wie möglich einsteigen.
  3. Teacher Radar / Pastore's Perch (Lemov): Position im Raum so wählen, dass man alles sieht; aktives Scannen als Gewohnheit.
  4. Anerkennung vs. Lob: Erfülltes Grundverhalten wird anerkannt („Danke"), nicht überschwänglich gelobt.

Typische Fehlvorstellungen: „Ignorieren ist auch eine Strategie" (unkorrigierte Normverstöße normalisieren sich); „Jede Störung braucht eine Ansage" (nonverbal löst 80 % lautlos).

Übungsteil: Stufen-Karussell: Gleiche Störung (Schwatzen bei Stillarbeit) auf allen 6 Stufen durchspielen; Raumpositions-Übung (Wo stehe ich bei Stillarbeit? Rücken zur Wand, alle im Blick); Scan-Training mit Video (Störungen im Clip finden).

Action Step: „Bei Stillarbeit interveniere ich diese Woche zuerst nonverbal (Blick/Nähe) und zähle abends, wie oft das gereicht hat."

Coaching-Fokus: Strichliste des Coaches: Interventionsstufen-Verteilung; Position der Lehrkraft im Raum.

➜ GRUPPENHOSPITATION 1 (Ende Woche 6): Fokus Eingangsroutine + Anweisungen + Interventionsleiter bei einer erfahrenen Lehrkraft. Beobachtungsbogen: Wortlaut-Protokoll der ersten 5 Minuten.

SPA-Bausteine: Interaktive Interventionsleiter (Störung wird beschrieben → Stufe wählen → Feedback mit Begründung); 360°-Klassenraum-Standort-Spiel; Störungs-Tagebuch mit Auswertungsdiagramm.


Woche 7: Positiv rahmen – Positive Framing, Precise Praise, Warm/Strict

Leitfrage: Wie korrigiere ich so, dass die Beziehung wächst statt leidet?

Lernziele: Die TN können Korrekturen positiv rahmen (erwünschtes Verhalten benennen statt unerwünschtes), präzise loben und verstehen Warmherzigkeit und Strenge als gleichzeitig, nicht als Gegensatz.

Kernideen:

  1. Positive Framing (Lemov T59): Ansagen beschreiben das Gewünschte, nicht das Fehlverhalten („Ich sehe drei Hefte offen – ich will alle sehen" statt „Hört auf zu quatschen"). Annahme des Guten („Ihr habt vergessen, dass…").
  2. Narrate the Positive / Bank Positivity (Lovell, Prinzip 10): Positiv-Konto füllen – viele kleine echte Anerkennungen schaffen das Kapital für nötige Korrekturen.
  3. Precise Praise (Lemov T60): Lob konkret, verdient, prozessbezogen; Anerkennung ≠ Lob; kein „Lobsandwich"-Trick (Schüler durchschauen ihn, er entwertet Feedback).
  4. Warm/Strict (Lemov T61): Gleichzeitig warm UND streng – hohe Anforderung als Ausdruck von Zutrauen kommunizieren („Weil ich weiß, dass du das kannst…").

Typische Fehlvorstellungen: „Viel loben = gute Beziehung" (unverdientes Lob senkt Erwartungen und Glaubwürdigkeit); „Streng sein macht unbeliebt" (Schüler vertrauen Lehrkräften, bei denen sie lernen).

Übungsteil: Umformulierungs-Batterie: 10 Negativ-Ansagen live in Positiv-Frames umformulieren (Tempo-Übung!); Warm/Strict-Sätze für reale Situationen der TN schreiben; Precise-Praise-Übung anhand echter Schülerarbeiten.

Action Step: „Verhältnis 3:1 – auf jede Korrektur kommen drei konkrete positive Rückmeldungen. Ich zähle in einer Stunde pro Tag mit (Strichliste auf dem Pult)."

SPA-Bausteine: Umformulierungs-Trainer mit Timer (Gamification: wie viele in 60 Sek.?); Lob-Qualitäts-Check (Lob eingeben → präzise? verdient? prozessbezogen?); Warm/Strict-Szenariokarten.


Woche 8: Übergänge, Stundenende, Nachgespräch – und Konsolidierung Block 1

Leitfrage: Wie halte ich das Niveau bis zur letzten Minute – und was tue ich nach der Stunde mit Dauerstörern?

Lernziele: Die TN können enge Übergänge planen (Tight Transitions), das Stundenende geordnet gestalten und ein strukturiertes Nachgespräch (W.I.N.) führen.

Kernideen:

  1. Tight Transitions (Lovell R5; Lemov): Übergänge in nummerierte Schritte zerlegen, ansagen, ggf. üben; Materialwechsel choreographieren.
  2. Engagement bis zum Ende (Lovell R12): Geplantes Stundenende mit Puffer; Every Minute Matters (Lemov T31) – Reservekarten für 2-Minuten-Lücken.
  3. After-Class Conversation / W.I.N. (Lovell R6): Strukturierte Kurzgespräche nach der Stunde: Was ist passiert? – Welchen Impact hatte es? – Nächste Schritte. Ruhig, privat, zukunftsgerichtet.
  4. Konsolidierung: Alle Block-1-Routinen als persönliches „Klassenführungs-Playbook" (5 Seiten: meine Skripte).

Typische Fehlvorstellungen: „Nach dem Klingeln ist die Erziehungsarbeit vorbei"; „Ein Nachgespräch ist eine Strafpredigt" (es ist ein strukturierter Dialog).

Übungsteil: W.I.N.-Rollenspiele mit 3 Schwierigkeitsgraden (einsichtig / abblockend / eskalierend); eigenes Playbook beginnen; Meilenstein 1: Selbst- und Coach-Einschätzung auf der Kompetenzmatrix Klassenführung.

Action Step: „Ich führe diese Woche ein W.I.N.-Gespräch mit dem Schüler, den ich bisher gemieden habe."

Coaching-Fokus: Meilenstein-Gespräch 1: Video-Selbstanalyse Nr. 1 (10-min-Ausschnitt, TN annotiert selbst, Coach ergänzt).

SPA-Bausteine: W.I.N.-Gesprächssimulator (verzweigtes Dialog-Spiel mit KI-Schülerantworten); Playbook-Generator (alle Skripte der Wochen 2–8 zu PDF bündeln); Block-1-Abschlussquiz (kumulativ, 20 Fragen).


BLOCK 2: EFFEKTIVE INSTRUKTION – DAS GRUNDGERÜST (Wochen 9–14)

Block-Rationale: Jetzt, wo die Klasse arbeitet, geht es um das Kerngeschäft: Erklären, Anleiten, Üben lassen. Rückgrat ist Rosenshines „Principles of Instruction" (2012) – der wohl am breitesten akzeptierte evidenzbasierte Rahmen –, operationalisiert durch Lovells Instruktionsroutinen (R7–R9) und Lemovs Lesson-Structure-Techniken. Klassenführungs-Action-Steps laufen im Coaching weiter, bis sie sitzen.


Woche 9: Rosenshine & die Architektur einer Stunde

Leitfrage: Wie ist eine wirksame Stunde grundsätzlich gebaut?

Lernziele: Die TN können die 10 Rosenshine-Prinzipien nennen, in die vier Stränge (Reviewing, Questioning, Sequencing/Modelling, Practising) gruppieren und eine eigene Stunde daraufhin auditieren.

Kernideen:

  1. Die 10 Prinzipien (Rosenshine, 2012): tägliche Wiederholung; kleine Schritte; viele Fragen; Modellieren; angeleitetes Üben; Verständnis aller prüfen; hohe Erfolgsquote (~80 %); Gerüste für schwierige Aufgaben; selbstständiges Üben; wöchentliche/monatliche Wiederholung.
  2. I do – We do – You do (Guidance Fading): Verantwortung wandert schrittweise von Lehrkraft zu Lernenden; der häufigste Anfängerfehler ist das Überspringen des „We do".
  3. Hohe Erfolgsquote als Steuergröße: ca. 80 % richtige Antworten in Übungsphasen – darunter: zurück zum Modellieren; darüber: Anspruch erhöhen.
  4. Schüler ohne Vorkenntnisse ≠ Experten: Schüler haben noch keine Vorkenntnisse und brauchen explizite Instruktion; „entdeckendes Lernen" überfordert ohne Vorwissen das Arbeitsgedächtnis (Verbindung zu Woche 15–16).

Typische Fehlvorstellungen: „Frontalunterricht ist per se schlecht" (explizite Instruktion ≠ Dauermonolog – sie ist hochinteraktiv); „Gute Stunden brauchen spektakuläre Methoden" (Wirkung liegt in der Grundarchitektur).

Übungsteil: Rosenshine-Audit: TN bringen einen eigenen Stundenverlauf mit und prüfen ihn gegen die 10 Prinzipien; Redesign einer schwachen Beispielstunde in Kleingruppen.

Action Step: „Jede meiner Stunden dieser Woche beginnt mit 5 Minuten Wiederholung (Prinzip 1) – Format frei."

SPA-Bausteine: Interaktive Rosenshine-Übersicht (10 Karten mit Beispiel-Videos); Stunden-Audit-Tool (Verlaufsplan hochladen/eingeben → Checkliste); Sortier-Aufgabe Prinzipien ↔ vier Stränge.


Woche 10: Lernziele & Backwards Design – wissen, wohin

Leitfrage: Was genau sollen meine Schüler am Ende können – und woran erkenne ich es?

Lernziele: Die TN können 2–5 kumulative, messbare Lern-Meilensteine für eine Stunde formulieren und von dort rückwärts planen.

Kernideen (McCrea, Lean Lesson Planning, Kap. 4–5; Lemov T1):

  1. Die zwei Todsünden der Planung: Aktivitätsfokus (erst die coole Methode, dann das Ziel dazu erfinden) und Abdeckungsfokus (Lehrbuch abarbeiten). Beide fühlen sich produktiv an und sind es nicht.
  2. Backwards Design: Start mit „Was sollen sie am Ende können?" – und dafür mehr Zeit aufwenden, als sich richtig anfühlt (Lemov: Exzellente Lehrkräfte verbringen mehr Zeit mit Zielen, weniger mit Aktivitätenauswahl).
  3. Lern-Meilensteine: 2–5 pro Stunde; kumulativ (bauen aufeinander), verteilt (die meisten schaffen den ersten, wenige den letzten), messbar, klar.
  4. Exemplar Planning (Lemov T1): Die ideale Schülerantwort vorher selbst ausformulieren – erst dann weiß man wirklich, was man will, und erkennt Lücken sofort.

Typische Fehlvorstellungen: „Lernziel = Thema" („Wir machen heute Photosynthese" ist kein Ziel); „Ziele an die Tafel schreiben reicht" (Verstehen der Ziele braucht Beispiele gelungener Erfüllung).

Übungsteil: Für eine reale Stunde der kommenden Woche: Meilensteine schreiben → Musterlösung/Exemplar selbst verfassen → im Tandem prüfen: Ist jeder Meilenstein messbar? Baut die Kette aufeinander auf?

Action Step: „Für jede neue Stunde schreibe ich zuerst die ideale Schülerantwort auf die Schlüsselaufgabe – vor allem anderen."

SPA-Bausteine: Meilenstein-Werkstatt (Eingabe → Prüfkriterien kumulativ/verteilt/messbar/klar als Ampel); Beispielsammlung nach Fächern; „Todsünden-Detektor" (Planungsbeschreibungen als Aktivitäts-/Abdeckungs-/Backwards-Design klassifizieren).


Woche 11: Modellieren & Erklären – das „I do"

Leitfrage: Wie erkläre ich so, dass Schüler ohne Vorkenntnisse wirklich folgen können?

Lernziele: Die TN können eine Modellierungsphase mit Lautem Denken, Beispielen und minimaler Sprachlast gestalten.

Kernideen (Lovell R7; Rosenshine P2, P4; McCrea):

  1. Kleine Schritte: Stoff atomisieren; ein neues Element nach dem anderen; erst sichern, dann weitergehen.
  2. Lautes Denken (Think Aloud / Expert Thinking): Nicht nur zeigen was, sondern hörbar machen wie Experten denken – inkl. Entscheidungen und typischer Fallen.
  3. Worked Examples & Beispielpaare: Ausgearbeitete Beispiele entlasten das Arbeitsgedächtnis; Beispiel + Nicht-Beispiel schärft Konzeptgrenzen.
  4. Der Fluch des Wissens: Als Fachexperte (gerade Quereinsteiger aus der Praxis!) unterschätzt man systematisch, was Schüler ohne Vorkenntnisse nicht wissen. Gegenmittel: Schritte kleiner machen, als sich nötig anfühlt.
  5. Aufmerksamkeitsdisziplin beim Erklären: Während des Modellierens Stifte weg, nur zuhören/zusehen (keine geteilte Aufmerksamkeit zwischen Mitschreiben und Verstehen).

Typische Fehlvorstellungen: „Meine Berufserfahrung macht meine Erklärungen automatisch gut" (Expertise erschwert eher das Erklären); „Mitschreiben während des Erklärens ist effizient" (split attention).

Übungsteil: Mikro-Teaching: Jeder modelliert 3 Minuten einen Fachinhalt mit Lautem Denken vor der Gruppe; Feedback nach Kriterien (Schrittgröße, Denkbarmachung, Sprachökonomie); zweiter Durchlauf.

Action Step: „In einer Erklärphase diese Woche denke ich hörbar laut – inklusive einer typischen Falle, die ich absichtlich vorführe und auflöse."

Coaching-Fokus: Hospitation einer Erklärphase; Transkript-Ausschnitt: Wie viele neue Elemente pro Minute?

SPA-Bausteine: Videobibliothek gelungener Modellierungen nach Fach; Atomisierungs-Übung (komplexe Fertigkeit in Teilschritte zerlegen, gegen Musterlösung prüfen); Selbstaufnahme-Auftrag mit Analyse-Raster.


Woche 12: Angeleitetes Üben – das „We do"

Leitfrage: Wie führe ich die Klasse vom Zusehen zum Selbermachen, ohne sie fallen zu lassen?

Lernziele: Die TN können eine We-do-Phase mit hoher Beteiligung, engmaschiger Prüfung und schrittweisem Ausblenden der Hilfen gestalten.

Kernideen (Lovell R8; Lemov T21 „Take the Steps", T37 „Break It Down"; Rosenshine P5, P8):

  1. Gemeinsam durcharbeiten: Aufgaben Schritt für Schritt mit der Klasse lösen; Lehrkraft fragt, Klasse liefert – jeder schreibt mit.
  2. Guidance Fading: Hilfen systematisch reduzieren (komplettes Beispiel → Beispiel mit Lücken → nur Ansatz → nichts). Der Übergang ist die Kunst, nicht der Sprung.
  3. Break It Down (Lemov T37): Bei Fehlern die kleinste hilfreiche Zerlegung anbieten (Hinweis statt Lösung): Beispiel geben, Regel nennen, ersten Schritt zeigen – gestuft.
  4. Mini-Whiteboards / All-Response-Systeme: Alle antworten gleichzeitig sichtbar – die Lehrkraft sieht sofort die Fehlerquote (Brücke zu Block 4).

Typische Fehlvorstellungen: „Wenn 3 Meldungen richtig antworten, kann es die Klasse" (3 von 28 ist keine Stichprobe); „Schnell zur Stillarbeit, das ist aktiver" (verfrühtes You do produziert eingeübte Fehler).

Übungsteil: Fading-Treppe für ein eigenes Thema bauen (4 Stufen); Rollenspiel „We do mit Fehlerantwort": TN übt gestuftes Break It Down statt Lösung zu verraten.

Action Step: „Vor jeder Stillarbeitsphase diese Woche: mindestens zwei gemeinsame Beispiele, und ich prüfe mit Whiteboards/Abfrage, dass ≥80 % sicher sind."

SPA-Bausteine: Fading-Treppen-Bauer (interaktiv, mit Beispielbibliothek); Break-It-Down-Simulator (Schülerfehler erscheint → wähle kleinste Hilfe → Feedback); 80 %-Regel-Rechner mit Fallbeispielen.


Woche 13: Selbstständiges Üben & aktives Monitoring – das „You do"

Leitfrage: Was tue ich eigentlich, während die Klasse arbeitet?

Lernziele: Die TN können Stillarbeitsphasen einleiten, aktiv überwachen (Circulate/ActiveObs) und Verhaltens- wie Verständnisdaten daraus ziehen.

Kernideen (Lovell R9; Lemov T25 „Circulate", T9 „Active Observation"):

  1. Klarer Start (Verknüpfung Woche 4): Aufgabe, Zeit, Sozialform, Lautstärke, Was-tun-wenn-fertig – alles vor Beginn geklärt; Timer sichtbar.
  2. Circulate mit Plan (Lemov T25): Durchgehen mit Wegerecht („break the plane" in den Raum hinein), systematisch, nicht nur zu den Meldern; Arbeit lesen, kurz markieren, weitergehen.
  3. Active Observation (Lemov T9): Vorher festlegen, was man beim Rundgang prüft (z. B. Aufgabe 2, typischer Fehler X) – gezielt Daten sammeln statt vage „helfen".
  4. Produktive Hilfe: Nicht neben Einzelnen festwachsen (Rest unbeobachtet!); kurze Impulse, dann weiter; wiederkehrende Fehler an die Tafel holen statt 10× einzeln erklären.

Typische Fehlvorstellungen: „Stillarbeit = meine Pause / Korrekturzeit" (es ist die datenreichste Phase der Stunde); „Ich helfe, wem ich zuerst begegne" (systematisch statt reaktiv).

Übungsteil: Monitoring-Pfad auf Sitzplan einzeichnen (Route, Hotspots); ActiveObs-Bogen für eine reale Stunde vorbereiten (Was prüfe ich bei wem?); Video: Circulate-Beispiel analysieren (Laufweg mitzeichnen).

Action Step: „In jeder Übungsphase laufe ich eine geplante Route und notiere auf einem Klemmbrett, welche 3 Fehler am häufigsten sind."

Coaching-Fokus: Hospitation Übungsphase; Coach zeichnet Laufweg + Aufenthaltszeiten mit.

SPA-Bausteine: Sitzplan-Simulator mit Routenplanung; ActiveObs-Bogen-Generator; Fallvideo mit Aufgabe „Finde die 3 unbeobachteten Ecken".


Woche 14: Do Now & Exit Ticket – die Klammer der Stunde (+ Konsolidierung Block 2)

Leitfrage: Wie öffne und schließe ich Stunden so, dass Daten und Lernen entstehen?

Lernziele: Die TN können Do Nows (jetzt didaktisch, nicht nur organisatorisch) und Exit Tickets entwerfen und auswerten.

Kernideen (Lemov T20, T26):

  1. Do Now, didaktisch gewendet: Ideal ist Wiederholung von gestern/letzter Woche/letztem Monat (Vorgriff auf Spacing, Woche 19) – die Routine aus Woche 3 bekommt jetzt Lern-Substanz.
  2. Exit Ticket (Lemov T26): 1–3 Aufgaben, exakt an den Meilensteinen (Woche 10) ausgerichtet, in 3–5 Min. lösbar, schriftlich, von allen. Die ehrlichste Antwort auf „Haben sie's gelernt?"
  3. Auswertung in 10 Minuten: Stapel sortieren (kann / kann fast / kann nicht), häufigsten Fehler identifizieren, Konsequenz für morgen festlegen (Reteach-Entscheidung).
  4. Konsolidierung: Die Stundenarchitektur Block 2 als persönliches Planungs-Template (Do Now → Ziel → I/We/You → Exit Ticket).

Typische Fehlvorstellungen: „Exit Tickets muss ich benoten/korrigieren wie Klassenarbeiten" (nein – sortieren und Muster erkennen genügt); „Keine Zeit für Rituale am Ende" (Puffer einplanen, Woche 8).

Übungsteil: Exit-Ticket-Schreibwerkstatt (für reale Stunden nächster Woche, gegenseitiges Feedback: misst es wirklich den Meilenstein?); Sortier-Übung mit echten anonymisierten Schülerantworten; Meilenstein-Check Block 2 (kumulatives Quiz Wochen 1–14).

Action Step: „Ich schließe diese Woche jede Stunde in Klasse X mit einem Exit Ticket und passe die Folgestunde einmal nachweislich an."

➜ GRUPPENHOSPITATION 2 (in Woche 13/14): Fokus I do / We do – Wortlaut einer Modellierung protokollieren; Fading-Stufen identifizieren.

SPA-Bausteine: Exit-Ticket-Generator (Meilenstein eingeben → Aufgabenvorschläge prüfen/verfeinern); Sortier-Simulation mit Beispielantworten (drag & drop in 3 Stapel → App zeigt Reteach-Empfehlung); Template-Download Stundenarchitektur.


BLOCK 3: LERNPSYCHOLOGIE & GEDÄCHTNIS (Wochen 15–20)

Block-Rationale: Bisher haben die TN gelernt, was funktioniert. Jetzt lernen sie, warum – das macht sie von Rezeptanwendern zu adaptiven Praktikern und immunisiert gegen Lernmythen. Leitquelle: McCrea, „Memorable Teaching" (9 Prinzipien), verzahnt mit Willingham und den Lemov-Techniken, die sie schon kennen. Didaktischer Trick des Blocks: Vieles aus Block 1–2 wird jetzt theoretisch „rückwärts erklärt" – das ist selbst Elaboration.


Woche 15: Gedächtnisarchitektur – warum Lernen Gedächtnisveränderung ist

Leitfrage: Was passiert im Kopf, wenn jemand etwas lernt – und was folgt daraus für jede Unterrichtsentscheidung?

Lernziele: Die TN können das Zusammenspiel von Arbeits- und Langzeitgedächtnis erklären, den Engpass Arbeitsgedächtnis benennen und Unterrichtsphänomene (Überforderung, „gestern konnten sie es noch") damit deuten.

Kernideen (McCrea MT Kap. 1–3; Willingham):

  1. Lernen = dauerhafte Veränderung im Langzeitgedächtnis. Was nicht im LZG ankommt, wurde nicht gelernt – egal wie schön die Stunde war. „Erinnern ist der Rückstand des Denkens" (Nuthall/Willingham: Memory is the residue of thought).
  2. Arbeitsgedächtnis als Flaschenhals: Wenige Elemente gleichzeitig; neu und unverbunden = teuer, bekannt und vernetzt (Schema) = fast gratis.
  3. Schemata: Vernetztes Vorwissen im LZG erweitert faktisch die Denkkapazität – deshalb ist Wissensaufbau die Grundlage von „höherem Denken", nicht sein Gegner.
  4. Vergessen ist der Standard (Ebbinghaus): Zugriff auf Erinnerungen zerfällt ohne Abruf – Unterricht muss Vergessen aktiv einplanen (führt zu Woche 18/19).

Typische Fehlvorstellungen: „Verstehen reicht, merken kommt von selbst"; „Auswendigwissen ist minderwertig gegenüber Kompetenzen" (Wissen im LZG ist die Voraussetzung von Kompetenz); Lernstile-Mythos (explizit entkräften!).

Übungsteil: Selbstversuch Arbeitsgedächtnis (Ziffernspannen, verschachtelte Aufgaben); Fall-Deutung: 4 Klassiker-Situationen („Sie konnten es in der Stunde, aber nicht im Test") mit dem Modell erklären; Mythen-Check-Debatte.

Action Step: „Ich identifiziere in einer meiner Stunden die 3 Stellen mit der höchsten Arbeitsgedächtnislast und entschärfe eine davon."

SPA-Bausteine: Interaktive Gedächtnis-Simulation (WM-Slots visualisiert, Items 'fallen raus'); Selbsttest Ziffernspanne; Mythen-Quiz (Lernstile, Lernpyramide, 10%-Gehirn) mit Aufklärungskarten; Ebbinghaus-Kurven-Explorer.


Woche 16: Kognitive Last managen – Information & Kommunikation verschlanken

Leitfrage: Wie halte ich den Denk-Kanal frei für das, worauf es ankommt?

Lernziele: Die TN können Material und eigene Kommunikation auf überflüssige Last prüfen (Redundanz, Split Attention, Transienz) und Dual Coding korrekt einsetzen.

Kernideen (McCrea MT „Manage information", „Streamline communication", „Regulate load"; Sweller):

  1. Intrinsische vs. lästige Last: Die Aufgabe selbst darf schwer sein (Denken erwünscht!) – aber alles Drumherum (unklare Folien, parallele Kanäle, Suchen von Material) frisst Kapazität ohne Ertrag.
  2. Split-Attention & Redundanz: Text auf Folie vorlesen ist doppelt belastend; Bild + gesprochenes Wort ist die starke Kombination (Dual Coding richtig verstanden).
  3. Transient Information Effect: Gesprochenes verschwindet – Wichtiges muss stehen bleiben (Tafelanschrieb, Knowledge Organizer), Anweisungen bei komplexen Aufgaben schriftlich fixieren.
  4. Regulate load: Neues in kleinen Dosen, Vorwissen aktivieren, Beispiele vor Abstraktion – der rote Faden hinter Rosenshine P2/P8.

Typische Fehlvorstellungen: „Schöne, animierte Folien motivieren" (Dekoration lenkt ab); „Mehr Info auf der Folie = mehr Service" (Gegenteil).

Übungsteil: Folien-Chirurgie: TN bringen eine eigene Präsentation mit und entschlacken sie live nach Checkliste; Tafelbild planen (Was bleibt stehen? Board = Paper, Lemov T22).

Action Step: „Ich überarbeite den Foliensatz meiner nächsten neuen Einheit: max. X Wörter pro Folie, jede Folie entweder Bild+Rede oder Text – nie beides konkurrierend."

Coaching-Fokus: Materialsichtung vor der Hospitation; Beobachtung: Wohin schauen die SuS während der Erklärung?

SPA-Bausteine: Folien-Makeover-Spiel (überladene Folie → schrittweise verbessern, Vorher/Nachher); CLT-Diagnose-Trainer (Unterrichtsbeschreibung → welcher Lasttyp?); Dual-Coding-Beispielgalerie nach Fach.


Woche 17: Aufmerksamkeit lenken – präzise orientieren

Leitfrage: Wie stelle ich sicher, dass alle über das Richtige nachdenken?

Lernziele: Die TN können Aufmerksamkeit gezielt ausrichten (verbal, visuell, strukturell) und Denkaufträge so formulieren, dass das Gedachte das Gelernte ist.

Kernideen (McCrea MT „Orient attention"; Lemov Prinzip 3):

  1. Aufmerksamkeit ist der Torwächter des Arbeitsgedächtnisses – und sie ist eigensinnig (Neues, Bedrohliches, Soziales gewinnt). Ohne Lenkung lernen SuS irgendwas, nur nicht zuverlässig das Geplante.
  2. Präzision: „Schaut auf die Grafik" ist zu grob; „Vergleicht die Steigung zwischen A und B" richtet das Denken. Zeigen, markieren, benennen.
  3. Struktur lenkt: Ankündigungen („Gleich kommt der wichtigste Satz der Stunde"), nummerierte Schritte, konsistente Layouts – alles Orientierungssignale.
  4. Denken erzwingen: Aufgabenformate wählen, bei denen man den Zielinhalt denken muss, um sie zu lösen (nicht abschreiben, nicht raten kann).

Typische Fehlvorstellungen: „Interessantes Material erzeugt automatisch Lernen" (SuS erinnern die lustige Anekdote, nicht das Konzept – seductive details).

Übungsteil: Aufgaben-Röntgen: „Was muss man denken, um diese Aufgabe zu lösen?" an 6 Beispielen; eigene Aufgabe umbauen, sodass der Zielgedanke unumgehbar wird; Skript für 3 Aufmerksamkeits-Marker der nächsten Stunde.

Action Step: „Vor jedem Medienwechsel sage ich explizit, worauf zu achten ist – einen konkreten Aspekt, nicht 'schaut mal'."

SPA-Bausteine: Eye-Catcher-Experiment (Folie ansehen, danach Quiz: Was hast du wirklich beachtet?); Aufgaben-Röntgen-Trainer; Seductive-Details-Detektor (Material bewerten).


Woche 18: Retrieval Practice – Abrufen schlägt Wiederlesen

Leitfrage: Warum ist Erinnern-Müssen die stärkste Lernaktivität – und wie baue ich sie ein?

Lernziele: Die TN können den Testing Effect erklären und mindestens drei Retrieval-Routinen unterrichtspraktisch einsetzen (Quiz, Brain Dump, Frage-Klassiker).

Kernideen (McCrea MT; Lemov T7; Make It Stick):

  1. Testing Effect: Aktiver Abruf stärkt Gedächtnisspuren weit mehr als erneutes Lesen/Anschauen – Abruf unterbricht das Vergessen.
  2. Niedrigschwellig & benotungsfrei: Retrieval ist Lernwerkzeug, nicht Prüfung – Fehlerkultur entscheidend (Vorgriff Woche 21).
  3. Formenvielfalt: Do-Now-Quiz, Brain Dump (alles aufschreiben, was du weißt), Cold-Call-Runden zu Altstoff, Mini-Whiteboards, kumulative Fragen in Übungssets.
  4. Auch Anwendung ist Abruf: Nicht nur Faktenwissen; Anwenden von Konzepten in neuen Kontexten ist elaborierter Abruf (Lemov: Christine-Torres-Beispiel – Vokabeln in immer neuen Situationen anwenden).

Typische Fehlvorstellungen: „Quizzen ist Zeitverschwendung / bloße Reproduktion"; „SuS mögen keine Abfragen" (gut gemacht sind Retrieval-Routinen bei SuS beliebt – Können macht stolz).

Übungsteil: Retrieval-Starter-Batterie für die eigenen Klassen bauen (10 Fragen: 5× letzte Woche, 3× letzter Monat, 2× Anwendung); Formate-Karussell live erleben (TN durchlaufen selbst 4 Formate mit Fortbildungsinhalten – meta!).

Action Step: „Mein Do Now besteht ab jetzt standardmäßig aus Abruffragen zu gestern + letzter Woche + letztem Monat (3-2-1-Muster)."

Coaching-Fokus: Hospitation eines Retrieval-Starters; Blick auf Beteiligungsquote (alle? oder nur Melder?).

SPA-Bausteine: 3-2-1-Quiz-Baukasten; die SPA selbst nutzt Spaced-Retrieval für Fortbildungsinhalte (Karteikarten-Engine über alle Module – Selbstanwendung als Feature!); Testing-Effect-Experiment zum Selbsterleben (Lernen mit Lesen vs. Abruf, Ergebnis nach 1 Woche).


Woche 19: Spacing & Interleaving – Vergessen strategisch nutzen

Leitfrage: Wann sollte ich wiederholen – und warum ist „etwas vergessen haben" ideal?

Lernziele: Die TN können Wiederholung über Wochen verteilen (kumulative Quizze) und Übungssets verschränken (Interleaving), und sie können den Unterschied Lernleistung vs. Lernen erklären.

Kernideen (McCrea MT; Rohrer & Pashler):

  1. Spacing Effect: Verteilter Abruf mit Abstand schlägt geblocktes Wiederholen massiv – „einer der schnellsten Wirksamkeits-Gewinne überhaupt" (McCrea). Pragmatik statt Präzision: regelmäßige kumulative Quizze reichen.
  2. Interleaving: Aufgabentypen mischen (jede 3.–4. Aufgabe aus Alt-Themen) – erschwert kurzfristig, verbessert langfristig, trainiert das Auswählen der Methode (die eigentliche Prüfungsschwierigkeit!).
  3. Performance ≠ Learning: Was in der Stunde flüssig klappt, kann morgen weg sein; erwünschte Erschwernisse (desirable difficulties) sehen schlechter aus und wirken besser.
  4. Curriculum-Konsequenz: „Durch sein" gibt es nicht – Altstoff lebt in Startern, Übungssets und Klassenarbeiten weiter (kumulatives Prüfen ankündigen!).

Typische Fehlvorstellungen: „Ein Thema abschließen, dann kommt das nächste"; „Wenn die Übungsphase glatt läuft, war die Stunde gut" (Flüssigkeit in der Stunde ist ein schwacher Lern-Indikator).

Übungsteil: Wiederholungs-Landkarte für das eigene Halbjahr skizzieren (Wann taucht Thema X wieder auf?); ein bestehendes Übungsblatt interleaven (jede 3. Aufgabe ersetzen).

Action Step: „Ich baue in mein nächstes Übungsblatt 3 Aufgaben aus früheren Themen ein und kündige an, dass Klassenarbeiten immer Altstoff enthalten."

SPA-Bausteine: Spacing-Planer (Themen + Termine eingeben → Wiederholungs-Kalender); Interleaving-Umbau-Übung; Simulation zweier Lernkurven (geblockt vs. verteilt) über Zeit.


Woche 20: Elaboration & Wissensorganisation (+ Konsolidierung Block 3)

Leitfrage: Wie helfe ich Schüler, Wissen zu vernetzen statt zu stapeln?

Lernziele: Die TN können Elaborationsaufträge stellen (Warum-Fragen, Vergleiche, Beispiele generieren), Knowledge Organizer erstellen und Metakognition anbahnen.

Kernideen (McCrea MT „Expedite elaboration", „Refine structures", „Embed metacognition"; Lemov T5):

  1. Elaboration: Neues aktiv mit Bekanntem verknüpfen – Warum? Inwiefern anders als …? Eigenes Beispiel? Erkläre es einem Fünftklässler. Verarbeitungstiefe entscheidet über Behaltensdauer.
  2. Knowledge Organizer (Lemov T5): Das Kernwissen einer Einheit auf einer Seite (Begriffe, Daten, Konzepte) – Grundlage für Retrieval, Transparenz und Elternkommunikation.
  3. Strukturen verfeinern: Schemata sichtbar machen (Concept Maps, Vergleichstabellen); Fehlkonzepte gezielt konfrontieren.
  4. Metakognition einbetten: Lernstrategien explizit lehren (wie lerne ich für die Arbeit? → Abruf statt Markieren) – Transfer der Blockinhalte an die SuS selbst.
  5. Konsolidierung Block 3: Die 9 McCrea-Prinzipien als persönliches Poster/Merkblatt; Video-Selbstanalyse Nr. 2.

Typische Fehlvorstellungen: „Mindmaps sind automatisch Elaboration" (nur wenn Denken über Zusammenhänge erzwungen wird); „Lernstrategien sind Sache der SuS/Eltern".

Übungsteil: Knowledge Organizer für die aktuelle eigene Einheit bauen (Peer-Review: Ist es Kernwissen oder Vollständigkeitswahn?); Elaborations-Fragen-Batterie für ein Thema schreiben; Meilenstein-Check Block 3.

Action Step: „Ich gebe meiner Klasse vor der nächsten Arbeit einen Knowledge Organizer und zeige ihnen 10 Minuten lang, wie man damit per Selbstabfrage lernt."

➜ GRUPPENHOSPITATION 3 (in Woche 19/20): Fokus Retrieval- und Wiederholungsroutinen; Protokoll: Welche Gedächtnisprinzipien sind sichtbar?

SPA-Bausteine: Knowledge-Organizer-Template-Editor; Elaborations-Fragengenerator (Fragetyp-Roulette); Prinzipien-Matrix (9 McCrea-Prinzipien × eigene Unterrichtsbeispiele eintragen); Block-3-Abschlussquiz.


BLOCK 4: VERSTEHEN PRÜFEN & DENKBETEILIGUNG (Wochen 21–26)

Block-Rationale: Der Sprung von „gut erklären" zu „wissen, ob es ankommt, und alle denken lassen". Lemovs Check-for-Understanding- und Ratio-Techniken bilden das technische Herzstück. Achtung Sequenz: Cold Call & Co. funktionieren erst auf der Basis von Klassenkultur (Block 1) und Fehlerkultur (Woche 21) – deshalb liegt dieser Block bewusst in der zweiten Jahreshälfte. Wichtig nach den Winterferien: Woche 21 beginnt mit einem kurzen „Routinen-Re-Establish"-Segment.


Woche 21: Kultur des Fehlers & Schluss mit Selbstauskunft

Leitfrage: Wie mache ich Fehler zur wertvollsten Ressource der Stunde?

Lernziele: Die TN können eine Fehlerkultur aktiv gestalten (Sprache, Reaktion, Normen) und ersetzen Selbstauskunfts-Fragen durch echte Verständnisprüfung.

Kernideen (Lemov T12 „Culture of Error", T6 „Replace Self-Report"):

  1. Replace Self-Report: „Alle verstanden?" / „Noch Fragen?" liefert keine Daten (soziale Kosten des Nein-Sagens, Dunning-Kruger). Ersetzen durch: konkrete Aufgabe an alle, deren Ergebnis man sieht.
  2. Culture of Error: SuS zeigen Fehler nur, wenn es sicher ist. Lehrersprache entscheidend: „Spannend, diesen Fehler machen viele – warum ist er naheliegend?"; eigene Fehler souverän behandeln.
  3. Fehler entpersonalisieren: Der Fehler gehört zur Aufgabe, nicht zur Person; „richtig/falsch" neutral und zügig klären – Wärme gilt der Person, Klarheit der Sache (Verbindung Warm/Strict).
  4. Plan for Error (Lemov T2): Typische Fehler vorher antizipieren und Reaktion vorbereiten – aus Block-2-Planung wird jetzt Fehler-Planung.

Typische Fehlvorstellungen: „Fehler korrigieren beschämt" (nicht-korrigieren beschämt später mehr – in der Prüfung); „'Fast richtig' ist nett" (es ist unklar; siehe Woche 23 Right is Right).

Übungsteil: Sprach-Makeover: 8 typische Reaktionen auf Fehlerantworten umformulieren; Plan-for-Error-Übung an der eigenen nächsten Einheit (3 wahrscheinlichste Fehler + Reaktions-Skript); Re-Establish-Skript für nach den Ferien.

Action Step: „Ich streiche 'Habt ihr das verstanden?' komplett und ersetze es jedes Mal durch eine prüfbare Mini-Aufgabe."

SPA-Bausteine: Phrasen-Verbot-Spiel (Selbstauskunfts-Fragen erkennen und ersetzen); Fehlerreaktions-Simulator mit Tonfall-Audiobeispielen; Plan-for-Error-Canvas.


Woche 22: Cold Call & Wait Time – alle denken mit

Leitfrage: Wie sorge ich dafür, dass alle denken, nicht nur die fünf Melder?

Lernziele: Die TN können Cold Call warm, vorhersagbar und positiv einsetzen und produktive Wartezeit gestalten.

Kernideen (Lemov T34 „Cold Call", T33 „Wait Time", T36 „Means of Participation"):

  1. Cold Call als Kultur, nicht als Falle: Aufrufen ohne Meldung – angekündigt, freundlich, mit Denkzeit, als Normalität etabliert („In dieser Klasse kann jeder drankommen, weil jede Stimme zählt"). Wirkung: Denk-Ratio steigt für ALLE, nicht nur für die aufgerufene Person.
  2. Frage → Pause → Name: Die Reihenfolge ist entscheidend (erst denken alle, dann fällt der Name).
  3. Wait Time (T33): 3–5 Sekunden nach der Frage aushalten; Wartezeit produktiv rahmen („Ich sehe, viele schreiben noch Gedanken auf – gut").
  4. Means of Participation: Bewusst wählen und ansagen, wie geantwortet wird (Cold Call / Melden / Chorantwort / Turn & Talk / schriftlich) – Wechsel hält wach, Klarheit verhindert Reinrufen.

Typische Fehlvorstellungen: „Cold Call ist Bloßstellen" (falsch umgesetzt ja – richtig umgesetzt ist es das Gegenteil: eine Einladung mit Sicherheitsnetz, No Opt Out folgt in W23); „Schnelle Antworten = gute Stunde" (kurze Latenz erzwingt flaches Denken).

Übungsteil: Cold-Call-Einführungsskript für die eigene Klasse schreiben (inkl. Begründung an die SuS); Rollenspiel mit Fehlerfällen (SuS antwortet „weiß nicht" → Übergang zu W23 teasern); Wait-Time-Übung mit Stoppuhr (5 Sekunden sind LANG – aushalten trainieren).

Action Step: „Ich führe Cold Call in Klasse X ein: Diese Woche jede Stunde mindestens 5 warme Cold Calls nach dem Muster Frage–Pause–Name."

Coaching-Fokus: Beteiligungs-Heatmap: Coach markiert auf dem Sitzplan, wer drangenommen wird (Aufdeckung blinder Flecken: vorne rechts? nur Jungen? nur Melder?).

SPA-Bausteine: Frage–Pause–Name-Sequenztrainer mit Audio; Beteiligungs-Heatmap-Tool zur Selbstbeobachtung; Einführungsskript-Vorlagen nach Altersstufe; Timer-Spiel „Halte 5 Sekunden aus".


Woche 23: No Opt Out & Right is Right – Anspruch halten

Leitfrage: Was tue ich, wenn die Antwort „weiß nicht" oder nur halbrichtig ist?

Lernziele: Die TN können die No-Opt-Out-Schleife führen (von „weiß nicht" zur richtigen Antwort zurück zur Ausgangsperson) und halten den Standard, bis Antworten wirklich vollständig sind.

Kernideen (Lemov T15, T16, T17 „Stretch It"):

  1. No Opt Out: „Weiß nicht" beendet die Beteiligung nicht. Formate: Hinweis geben / Mitschüler liefert Antwort oder Baustein → die Ausgangsperson wiederholt/vervollständigt sie. Botschaft: Bei mir kommt jeder zum Erfolg, Aussteigen gibt es nicht.
  2. Right is Right: „Fast richtig" nicht zu „richtig" runden – freundlich nachfassen („Fast – schärfe den letzten Teil nach"). Standards: ganz richtig, präzise Fachsprache (Format Matters, T18), Frage wirklich beantwortet.
  3. Stretch It: Richtige Antworten sind Startpunkte: Warum? Woher weißt du das? Anderes Beispiel? Was wäre wenn? – Belohnung für Richtigkeit ist eine interessantere Frage.
  4. Wärme-Anteil: Alle drei Techniken leben vom Ton aus Block 1 (Warm/Strict, Positive Framing) – Anspruch als Kompliment.

Typische Fehlvorstellungen: „Nachfassen setzt unter Druck" (aufgegeben zu werden ist die eigentliche Kränkung); „Ich helfe, indem ich die Antwort vervollständige" (dann lernt die Lehrkraft die Antwort, nicht die SuS).

Übungsteil: No-Opt-Out-Schleifen im Rollenspiel (4 Varianten: Hinweis / Peer-Antwort / Teilantwort / Verweigerung); Right-is-Right-Kalibrierung: 10 Schülerantworten bewerten – durchgehen lassen oder nachfassen? (Gruppen-Kalibrierung ist der Kern!).

Action Step: „Kein 'weiß nicht' bleibt diese Woche stehen: Ich komme immer zur Ausgangsperson zurück – und sei es nur zum Wiederholen der richtigen Antwort."

SPA-Bausteine: Schleifen-Simulator (verzweigtes Gespräarch); Kalibrierungs-Quiz mit Schülerantworten (Community-Vergleich: Wie streng sind andere?); Stretch-It-Fragenroulette.


Woche 24: Turn and Talk & Everybody Writes – Denk-Ratio maximieren

Leitfrage: Wie bringe ich in einer Frage-Phase 100 % zum Denken statt 3 %?

Lernziele: Die TN können Partnergespräche eng führen (Timing, Aufgabe, Einsammeln) und Schreiben als Denkwerkzeug vor Diskussionen einsetzen.

Kernideen (Lemov T43 „Turn and Talk", T38 „Everybody Writes"; Think Ratio):

  1. Participation Ratio vs. Think Ratio: Wie viele sind beteiligt × wie anspruchsvoll ist das Denken – beide Regler bewusst steuern.
  2. Turn and Talk, eng geführt: Feste Partner, präzise Frage, knappe Zeit (30–90 Sek.), klares Startsignal (in-cue) und Endsignal, danach verbindliches Einsammeln (Cold Call aus dem Gespräch – „Was hat dein Partner gesagt?").
  3. Everybody Writes: Vor der Diskussion schreiben alle (2–4 Min.) – Denkzeit für alle, Qualitätssprung der Beiträge, Show-Call-Material (W25), Rettungsanker für Stille.
  4. Häufige Bugs: zu lange Redezeit (Abschweifen), unklare Frage (Smalltalk), kein Einsammeln (Beliebigkeit).

Typische Fehlvorstellungen: „Länger reden lassen = tiefer denken" (kurz und fokussiert schlägt lang und lose); „Partnerarbeit ist Kontrollverlust" (eng geführt ist sie das Gegenteil).

Übungsteil: Turn-and-Talk-Skript inkl. In-Cue/Out-Cue für eine reale Stunde; Live-Übung mit der Gruppe (Timing mit Stoppuhr: 45 Sekunden fühlen); Everybody-Writes-Prompts für 3 eigene Diskussionsanlässe schreiben.

Action Step: „Vor jeder Diskussionsfrage diese Woche: erst 2 Minuten schreiben (Everybody Writes), dann Turn and Talk, dann Cold Call ins Plenum."

Coaching-Fokus: Ratio-Schätzung: In einer 10-Minuten-Sequenz – wie viele SuS haben nachweislich gedacht/produziert?

SPA-Bausteine: Sequenz-Bauer (Schreiben→Reden→Teilen als Drag-&-Drop-Choreografie mit Zeitleiste); Stoppuhr-Gefühlstraining; Prompt-Qualitätsprüfer (Frage eingeben → diskutierbar? präzise? in 60 Sek. beantwortbar?).


Woche 25: Show Me, Affirmative Checking & Show Call – Daten sichtbar machen

Leitfrage: Wie sehe ich in Echtzeit, was 30 Köpfe denken – und wie nutze ich Schülerarbeiten öffentlich?

Lernziele: Die TN können All-Response-Formate (Whiteboards, Fingerzeichen, ABCD-Karten) einsetzen, Checkpoints in Arbeitsphasen einbauen und Schülerarbeiten respektvoll projizieren und besprechen.

Kernideen (Lemov T10, T11, T13):

  1. Show Me (T10): Alle zeigen gleichzeitig (Mini-Whiteboards, Fingercodes) – Fehlerquote in Sekunden sichtbar, Entscheidung sofort (weiter / nochmal / einzeln).
  2. Affirmative Checking (T11): Eingebaute Checkpoints: „Bevor ihr zu Aufgabe 3 geht, zeigt mir Aufgabe 2" – verhindert das Einüben von Fehlern.
  3. Show Call (T13): Schülerarbeit (Dokumentenkamera/Foto) anonym oder mit Namen projizieren und gemeinsam würdigen/verbessern – die stärkste Form von Format-Feedback; Kultur des Fehlers (W21) ist Voraussetzung. Auch exzellente Arbeiten zeigen (Standards kalibrieren, Woche 2-Echo auf Schülerseite!).
  4. Aus Daten Konsequenz: Sehen allein reicht nicht – die Reaktionsentscheidung (reteach/weiter/differenzieren) ist der Punkt.

Typische Fehlvorstellungen: „Whiteboards sind Grundschulkram" (in Oberstufen-Mathe/Fremdsprachen genauso mächtig); „Arbeiten zeigen ist Bloßstellung" (mit Fehlerkultur ist es Auszeichnung: 'deine Arbeit bringt uns alle weiter').

Übungsteil: Show-Call-Moderation üben (an anonymisierten echten Arbeiten: würdigen → präzise verbessern → Transfer); Checkpoint-Planung in ein eigenes Arbeitsblatt einbauen; Whiteboard-Logistik klären (Beschaffung, Regeln, Routinen-Skript!).

Action Step: „Ich führe Mini-Whiteboards (oder Fingercodes) in einer Klasse ein und treffe einmal pro Stunde eine sichtbare Weiter/Nochmal-Entscheidung auf Datenbasis."

SPA-Bausteine: Entscheidungssimulator (Whiteboard-Tableau erscheint: 8 von 25 falsch – was tust du?); Show-Call-Moderationsskript-Trainer; Formate-Galerie mit Einführungsskripten.


Woche 26: Vom Datum zur Entscheidung – Reteaching & Own and Track (+ Konsolidierung Block 4)

Leitfrage: Was mache ich mit all den Daten – heute, morgen, vor der Klassenarbeit?

Lernziele: Die TN können Exit-Ticket-/CFU-Daten in konkrete Reteach-Entscheidungen übersetzen und Fehlerkorrektur in Schülerhand geben.

Kernideen (Lemov T14 „Own and Track"; Driven-by-Data-Logik, vereinfacht):

  1. Reteach-Formate: ganze Klasse (Fehler >30 %) / Kleingruppe während Übung / Einzelimpuls; nie einfach identisch wiederholen, sondern anders erklären (neues Beispiel, anderer Zugang).
  2. Own and Track: SuS korrigieren und dokumentieren eigene Fehler systematisch (Fehlerjournal, Korrekturfarbe, „Was war mein Denkfehler?") – Korrektur als Lernakt, nicht als Ritual.
  3. Klassenarbeits-Vorlauf: CFU-Daten der Einheit aggregieren → gezielte Wiederholungsstunde statt Gießkanne.
  4. Konsolidierung Block 4: persönliches CFU-Repertoire-Blatt (Welches Werkzeug wofür?); Kompetenzmatrix-Update.

Typische Fehlvorstellungen: „Nochmal erklären = gleiche Erklärung lauter"; „Berichtigungen schreiben lassen wirkt von allein" (ohne Denkfehler-Analyse ist es Abschreiben).

Übungsteil: Fallstudie: Echter (anonymisierter) Exit-Ticket-Stapel → Diagnose → Reteach-Miniplan für den Folgetag entwerfen und pitchen; Fehlerjournal-Format für die eigene Klasse adaptieren; Meilenstein-Check Block 4.

Action Step: „Nach der nächsten Übungsphase mit >30 % Fehlerquote plane ich einen 10-Minuten-Reteach mit NEUEM Beispiel für den Folgetag."

➜ GRUPPENHOSPITATION 4 (in Woche 25/26): Fokus CFU – Zählprotokoll: Wie oft prüft die Lehrkraft Verstehen, mit welchen Mitteln, was folgt daraus? Diesmal hospitieren die TN gegenseitig (Peer-Hospitation als neue Stufe).

SPA-Bausteine: Datenfall-Bibliothek (Exit-Ticket-Stapel als interaktive Diagnose-Fälle); Reteach-Planer; Block-4-Abschlussquiz kumulativ ab Woche 1.


BLOCK 5: MOTIVATION & BEZIEHUNG (Wochen 27–31)

Block-Rationale: Jetzt haben die TN die Werkzeuge – dieser Block erklärt den sozialen Motor dahinter und füllt die Lücken, die Technik allein nicht schließt: hartnäckige Motivationsprobleme, schwierige Einzelfälle, Eltern. Leitquelle: McCrea, „Motivated Teaching" (5 Treiber), plus Lemov Kap. „Building Student Motivation and Trust" und Lovells Eskalations-Routinen. Zeitlich klug: Das Frühjahrs-Motivationsloch (SuS wie Lehrkräfte) ist genau jetzt.


Woche 27: Wie Motivation funktioniert – und Treiber 1: Erfolg sichern

Leitfrage: Warum strengen sich Menschen an – und warum ist Können der stärkste Motivator?

Lernziele: Die TN können Motivation als (unbewusstes) Investitionssystem für Aufmerksamkeit erklären und den Treiber „Secure Success" gezielt bedienen.

Kernideen (McCrea MoT, Kap. 1–3 + Treiber 1):

  1. Motivation = Aufmerksamkeits-Allokation: Unbewusste Kosten-Nutzen-Abwägung (Erwartung × Wert ÷ Kosten); situationsabhängig, kein Charakterzug („unmotivierter Schüler" ist eine Situationsbeschreibung, keine Diagnose).
  2. Secure Success: Eine Historie von Erfolgen aufbauen (hohe Erfolgsquote! – Rosenshine-Echo); Erfolg richtig attribuieren helfen („dein Üben", nicht „dein Talent"/„Glück"); Misserfolg vorentlasten.
  3. Scholarly Identity (McCrea/Lemov): Motivation folgt oft der Kompetenz von außen nach innen: Ich sehe mich Erfolg haben → also liegt mir das Fach → also strenge ich mich an. Guter Unterricht IST Motivationsarbeit.
  4. Extrinsische Belohnungen: sparsam, temporär, so schnell wie möglich ausschleichen – sie können intrinsische Motivation verdrängen.

Typische Fehlvorstellungen: „Erst Motivation, dann Leistung" (meist umgekehrt); „Motivierender Unterricht = Entertainment" (Erfolgserleben schlägt Feuerwerk); „Belohnungssysteme lösen das" (kurzfristig ja, langfristig riskant).

Übungsteil: Fallanalyse „Nora & Evie" (McCreas Kontrastschülerinnen) mit Treiber-Brille; für einen konkreten eigenen „unmotivierten" Schüler: Erwartung/Wert/Kosten-Analyse + eine Secure-Success-Intervention planen.

Action Step: „Ich gestalte für Schüler Y diese Woche gezielt zwei garantierte, echte Erfolgserlebnisse und benenne die Anstrengungs-Attribution explizit."

SPA-Bausteine: Interaktives Expectancy-Value-Cost-Modell (Regler verschieben → Motivationsprognose); Fall-Bibliothek Motivationsdiagnostik; Attributions-Formulierungs-Trainer.


Woche 28: Treiber 2 & 3 – Routinen entlasten, Normen lenken

Leitfrage: Wie senke ich die Kosten des Lernens – und wie mache ich Anstrengung zur Gruppennorm?

Lernziele: Die TN können ihre Routinen (Block 1!) als Motivationsinstrument reinterpretieren und Normen sichtbar steuern (Sichtbarkeit erwünschten Verhaltens, Peer-Anerkennung, Sprache).

Kernideen (McCrea MoT, Treiber 2–3; Lemov Prinzip 4):

  1. Run Routines: Routinen machen den Prozess des Lernens billig, damit die Inhalte fordernd sein können – die Motivations-Begründung für alles aus Block 1 (Aha-Moment des Jahres!).
  2. Nudge Norms: Menschen tun, was (sie glauben, dass) die Gruppe tut. Erwünschtes sichtbar machen („Viele haben gestern die Zusatzaufgabe versucht"), NIE Negativ-Normen versehentlich verstärken („Keiner macht je Hausaufgaben!" ist Werbung fürs Nichtstun).
  3. Peer-Anerkennung amplifizieren: Props/Anerkennungsrituale, Arbeiten zeigen (Show Call als Normen-Werkzeug!).
  4. Konsistenz im Kollegium: Normen wirken schulweit – jede abgestimmte Kollegin multipliziert den Effekt (Anschluss an schulische Regelwerke).

Typische Fehlvorstellungen: „Öffentliches Anprangern schreckt ab" (es normalisiert!); „Routinen sind Drill und töten Motivation" (das Gegenteil: sie senken Kosten).

Übungsteil: Normen-Audit der eigenen Sprache (mitgebrachte typische Sätze auf versteckte Negativ-Normen prüfen und drehen); Sichtbarkeits-Plan: 3 Wege, erwünschtes Verhalten in Klasse X sichtbarer zu machen.

Action Step: „Ich ersetze jede Negativ-Normaussage ('immer schwätzt ihr…') durch eine Positiv-Normaussage – eine Woche Selbstbeobachtung mit Strichliste."

SPA-Bausteine: Normen-Übersetzer (Negativ-Satz eingeben → Umformulierung üben); Fallsimulation Klassendynamik (Entscheidungen → Norm-Entwicklung über 4 simulierte Wochen); Routinen-Kosten-Rechner.


Woche 29: Treiber 4 – Zugehörigkeit & Gesehen-Werden

Leitfrage: Wie sorge ich dafür, dass sich jeder Einzelne zugehörig, gesehen und ernst genommen fühlt?

Lernziele: Die TN können konkrete Belonging-Praktiken einsetzen (Namen, Begrüßung, Status-Signale, gemeinsame Identität) und Vertrauensaufbau als tägliche Kleinarbeit verstehen.

Kernideen (McCrea MoT Treiber 4; Lemov „Feeling known"):

  1. Build Belonging: Status aller SuS signalisieren (jede Stimme zählt – Voice Equity, Cold-Call-Echo!), gemeinsame Ziele/Identität stiften, Vertrauen verdienen und halten (Zusagen einhalten!).
  2. Feeling known (Lemov): Namen nutzen, Mikro-Kontakte rund um den Stundenauftakt schaffen (in der Minute zwischen Betreten des Raums und Begrüßungsritual sowie beim ersten Rundgang: 2–3 SuS persönlich ansprechen), Details erinnern („Wie war das Turnier?"), Arbeit wahrnehmen („Viel besser als gestern") – Mikromomente summieren sich.
  3. Zugehörigkeit moderiert Normen: Normen wirken nur auf die, die sich der Gruppe zugehörig fühlen – Außenseiter-Dynamiken sind darum auch Lernprobleme.
  4. Deutsche Praxis-Anker: Klassenlehrerprinzip, Klassenrat, KL-Stunden als Gefäße nutzen.

Typische Fehlvorstellungen: „Beziehung baut man in Sonderaktionen auf (Ausflug, Spielstunde)" (Alltag schlägt Event); „Bei 200 SuS in Sek II unmöglich" (gerade dort zählen Mikrosignale doppelt).

Übungsteil: Belonging-Inventur für die eigene „schwierigste" Klasse: Wer ist unsichtbar? (Sitzplan durchgehen: Zu wem hatte ich diese Woche null persönlichen Kontakt?); 5 Mikro-Interventionen planen.

Action Step: „Ich identifiziere die 3 'unsichtbarsten' SuS jeder Klasse und schaffe pro Tag einen echten Mikro-Kontakt (Name + Inhalt)."

Coaching-Fokus: Beziehungs-Beobachtung: Zu welchen SuS gibt es sichtbar warmen Draht, wo Funkstille? (Heatmap Teil 2).

SPA-Bausteine: Unsichtbarkeits-Check (Sitzplan-Tool mit Kontakt-Tracking über eine Woche); Mikromoment-Ideenkarten; Selbsttest „Woran merken SuS, dass ich sie kenne?".


Woche 30: Treiber 5 & schwierige Einzelfälle – Buy-in, Eskalation, Systemgrenzen

Leitfrage: Wie gewinne ich echte Zustimmung – und was tue ich, wenn nichts mehr greift?

Lernziele: Die TN können Wahlarchitektur/Begründungen einsetzen (Buy-in), kennen die Eskalationskette bei massiven Störungen und wissen, wann und wie sie Systemhilfe holen.

Kernideen (McCrea MoT Treiber 5; Lovell R10, R17, R18):

  1. Boost Buy-in: Nutzen der Entscheidungen transparent machen („Wir üben so, WEIL…"), echte Opt-in-Momente schaffen (Wahl zwischen sinnvollen Optionen), Metamotivation aufbauen (SuS verstehen ihr eigenes Motivationssystem – Anschluss Woche 20 Metakognition).
  2. Moving a Student (Lovell R10): Umsetzen ruhig, skriptbasiert, gesichtswahrend – vorbereitet statt improvisiert.
  3. Eskalationskette & Auszeit: klare, schulkonforme Stufen; nach jeder Eskalation Beziehung reparieren (W.I.N.-Echo aus Woche 8).
  4. System Level Support (Lovell R18): Hilfe holen ist Professionalität, nicht Versagen – Klassenkonferenz, Beratungslehrkraft, Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, ggf. Jugendhilfe; Dokumentation als Handwerk (Vorfallprotokolle).

Typische Fehlvorstellungen: „Ich muss jeden Fall allein lösen" (Einzelkämpfertum ist das größte Burnout-Risiko für Quereinsteiger); „Konsequenz = Härte" (Konsequenz = Vorhersagbarkeit).

Übungsteil: Eskalations-Rollenspiele (2 harte Szenarien mit Skript und Stopp-Punkten); Dokumentations-Übung (Vorfall sachlich protokollieren); Übersicht der schulischen Unterstützungslandkarte gemeinsam erstellen (schulspezifisch anpassen!).

Action Step: „Ich skripte für meinen aktuell schwierigsten Fall die nächste Eskalationsstufe UND vereinbare ein Gespräch mit einer Unterstützungsinstanz."

SPA-Bausteine: Eskalations-Entscheidungsbaum (interaktiv, mit schulspezifisch konfigurierbaren Stufen); Protokoll-Trainer (Vorfallbeschreibungen: Fakt vs. Wertung sortieren); Unterstützungs-Wegweiser (anpassbare Landkarte der eigenen Schule).


Woche 31: Elternarbeit & Gesprächsführung (+ Konsolidierung Block 5)

Leitfrage: Wie führe ich Elterngespräche, die Verbündete schaffen statt Fronten?

Lernziele: Die TN können Elterngespräche strukturiert vorbereiten und führen (auch Konfliktgespräche), kennen die deutschen Formate (Elternsprechtag, Elternabend, anlassbezogene Gespräche) und dokumentieren rechtssicher.

Kernideen:

  1. Früh und positiv kontaktieren: Der erste Kontakt sollte nie das Problemgespräch sein – Positiv-Anrufe/Nachrichten als Investition (Bank Positivity auf Elternebene).
  2. Gesprächsstruktur: gemeinsames Ziel voranstellen („Wir wollen beide, dass…") → Beobachtungen (Fakten, W30-Protokolle!) → Perspektive der Eltern hören → gemeinsame nächste Schritte, terminiert. W.I.N.-Logik auf Erwachsene übertragen.
  3. Schwierige Gespräche: Vorwürfe depersonalisieren, bei Fakten bleiben, Grenzen freundlich halten; nie allein in absehbar eskalierende Gespräche (Kollegium/Schulleitung einbinden).
  4. Deutsche Spezifika: Rolle von Elternvertretung, Zeugniskonferenzen, Dokumentationspflichten; Kommunikationswege der eigenen Schule klären.
  5. Konsolidierung Block 5: Motivations-Treiber-Poster für die eigene Praxis; Kompetenzmatrix-Update.

Übungsteil: Elterngespräch-Rollenspiele (3 Typen: besorgt / fordernd / abwesend-schwer erreichbar); Positiv-Kontakt-Vorlagen schreiben; Meilenstein-Check Block 5.

Action Step: „Ich kontaktiere diese Woche zwei Elternhäuser mit einer rein positiven Nachricht über ihr Kind."

➜ GRUPPENHOSPITATION 5 (in Woche 30/31): Freier Fokus nach Wahl der Gruppe ODER Motivations-Treiber-Beobachtung; erneut Peer-Hospitation.

SPA-Bausteine: Elterngespräch-Simulator (verzweigte Dialoge mit drei Elterntypen); Gesprächsleitfaden-Generator; Formulierungs-Bibliothek für heikle Botschaften; Block-5-Quiz.


BLOCK 6: PLANUNG, ARBEITSÖKONOMIE & NACHHALTIGE ENTWICKLUNG (Wochen 32–36)

Block-Rationale: Der Abschlussblock macht aus einem trainierten ersten Jahr eine tragfähige Karriere: effizient planen (Zeit ist die knappste Ressource von Quereinsteiger mit Deputat!), klug bewerten, sich selbst weiterentwickeln. Leitquelle: McCrea, „Lean Lesson Planning" – jetzt, am Ende, weil Planungsökonomie Urteilskraft voraussetzt, die erst da ist.


Woche 32: Lean Lesson Planning – die schlanke Planungsroutine

Leitfrage: Wie plane ich gute Stunden in 20 statt 90 Minuten?

Lernziele: Die TN können das Lean-Framework als feste Planungsroutine anwenden und unterscheiden, welche Planungsteile Routine und welche Kreativität verdienen.

Kernideen (McCrea LLP, Kap. 1–3, 6–8):

  1. Lean-Mindset: Maximaler Lerneffekt pro investierter Planungsminute; Wirkung vor Aufwand; Perfektion ist Verschwendung, wenn 80 % denselben Lerneffekt bringen.
  2. Das Framework als feste Fragenfolge: Wohin? (Meilensteine – W10) → Woher weiß ich, dass sie da sind? (CFU/Exit Ticket – Block 4) → Wie kommen sie hin? (Aktivitäten zuletzt!) → Was muss wiederholt werden? Konsequente Reihenfolge, keine Abkürzungen.
  3. Efficient Activities: Aktivitäten nach Lernrendite auswählen (Denkzeit pro Vorbereitungsminute); bewährte Formate wiederverwenden statt ständig Neues zu basteln – ein kleines, exzellent beherrschtes Repertoire schlägt Methodenfeuerwerk.
  4. 5-Minuten-Plan-Formate: Einseiter statt Verlaufsraster-Prosa; das Jahres-Template aus Woche 14 wird finalisiert.

Typische Fehlvorstellungen: „Gute Lehrer planen lange" (gute Lehrer planen die richtigen Dinge); „Jede Stunde braucht neues Material" (Wiederverwendung ist Professionalität).

Übungsteil: Planungs-Zeitmessung: dieselbe Stunde einmal „wie bisher", einmal mit Lean-Framework planen – Zeiten und Qualität vergleichen; persönliches Planungs-Template finalisieren.

Action Step: „Ich plane alle Stunden dieser Woche ausschließlich mit dem Lean-Framework und stoppe die Zeit."

SPA-Bausteine: Geführter Lean-Planer (Fragenfolge als Wizard, erzwungene Reihenfolge!); Zeittracker mit Wochenstatistik; Aktivitäten-Renditerechner; Repertoire-Bibliothek zum Befüllen.


Woche 33: In Sequenzen denken – Einheiten, Doppelplanung, Differenzierung light

Leitfrage: Wie plane ich Einheiten statt Einzelstunden – und wie plane ich mit, was die SuS tun?

Lernziele: Die TN können eine Unterrichtseinheit rückwärts vom Leistungsnachweis planen, Wiederholung einbauen (Restorative Planning) und Doppelplanung (Lehrer-/Schülerperspektive) anwenden.

Kernideen (McCrea LLP Kap. 9; Lemov T4 „Double Plan"):

  1. Inter-Lesson Planning: Lernen passiert über Stunden hinweg; jede Planung fragt: Was aus früheren Stunden muss heute zurückkommen (restorativ), und was bereitet künftiges vor („Back to the future")?
  2. Einheit rückwärts: Klassenarbeit/Klausur zuerst entwerfen (mindestens skizzieren!) → Meilensteine der Einheit → Stunden verteilen → Spacing-Landkarte (W19) integrieren.
  3. Double Plan (Lemov T4): Für jede Phase planen, was die SUS tun (schreiben? hören? diskutieren?) – deckt Passivitätslöcher auf; Schülermaterial (Packet) mitdenken.
  4. Differenzierung pragmatisch: Kernaufgabe für alle + Rampe nach oben (Stretch-Aufgaben) + Gerüst nach unten (Beispiel/Ansatz) – statt drei Parallelwelten.

Übungsteil: Die nächste eigene Einheit als Einseiter rückwärtsplanen (Nachweis → Meilensteine → Stundenkette → Wiederholungsanker); Peer-Review.

Action Step: „Ich skizziere die Klassenarbeit meiner nächsten Einheit VOR der ersten Stunde der Einheit."

Coaching-Fokus: Planungsgespräch statt Hospitation (einmalig): gemeinsame Einheitsplanung als Coaching-Gegenstand.

SPA-Bausteine: Einheiten-Canvas (interaktiv, rückwärts erzwungen); Double-Plan-Spaltenwerkzeug; Differenzierungs-Baukasten (Kern/Rampe/Gerüst-Generator).


Woche 34: Bewerten, Korrigieren, Feedback – wirksam UND ökonomisch

Leitfrage: Wie gebe ich Feedback, das Lernen bewegt, ohne in Korrekturbergen zu ertrinken?

Lernziele: Die TN können Whole-Class-Feedback einsetzen, Korrekturaufwand strategisch dosieren und kennen die Grundzüge fairer Leistungsbewertung im deutschen System.

Kernideen:

  1. Feedback wirkt nur, wenn damit gearbeitet wird: Die Reaktion der SuS auf Feedback ist der Punkt – feste Überarbeitungszeit einplanen (DIRT: Dedicated Improvement & Reflection Time); Own-and-Track-Echo (W26).
  2. Whole-Class-Feedback: Stapel lesen, Muster notieren (3 Stärken, 3 Fehlermuster, Beispiele) → eine Feedbackstunde für alle statt 28 Randkommentare; Show Call integriert.
  3. Korrektur-Triage: Nicht alles verdient dieselbe Tiefe – Selbstkontrolle (Lösungen), Peer-Kontrolle, Stichproben, Vollkorrektur bewusst wählen.
  4. Deutsche Spezifika: Notenverordnungen des Bundeslands, Erwartungshorizonte, mündliche Noten transparent machen (Kriterien + Datenbasis statt Bauchgefühl – die CFU-Daten aus Block 4 sind Gold), Zeugnisformulierungen, rechtliche Basics (Ankündigungsfristen, Gewichtung – schulspezifisch prüfen!).

Typische Fehlvorstellungen: „Viel roter Rand = gewissenhafte Lehrkraft" (unbearbeitetes Feedback ist verlorene Zeit); „Mündliche Noten sind Gefühlssache".

Übungsteil: Whole-Class-Feedback an einem echten Klassensatz üben (Muster extrahieren, Feedbackstunde skizzieren); eigenes Korrektur-Triage-System entwerfen; Erwartungshorizont für die geplante Arbeit aus W33 schreiben.

Action Step: „Meinen nächsten Klassensatz werte ich per Whole-Class-Feedback aus und plane eine DIRT-Phase zur Überarbeitung ein."

SPA-Bausteine: Whole-Class-Feedback-Assistent (Muster-Notizvorlage + Feedbackstunden-Generator); Korrektur-Triage-Entscheidungshilfe; Zeitspar-Rechner (Vollkorrektur vs. WCF).


Woche 35: Growth Teaching – die eigene Entwicklung selbst steuern

Leitfrage: Wie werde ich nach diesem Programm von allein weiter besser?

Lernziele: Die TN können Videoselbstanalyse eigenständig durchführen, sich eigene Action Steps setzen, kollegiale Lernstrukturen nutzen und haben einen persönlichen Entwicklungsplan für Jahr 2.

Kernideen (McCrea LLP Kap. 10–12; EEF-PD-Mechanismen, jetzt offen gelegt):

  1. Erfahrung allein macht nicht besser – deliberate practice tut es: gezielter Fokus, Feedback, Wiederholung. Das Programm-Design wird jetzt transparent gemacht (Meta-Ebene: „Ihr habt ein Jahr EEF-Mechanismen erlebt – so baut ihr sie euch selbst").
  2. Video-Selbstanalyse Nr. 3 als Routine etablieren (2–3× pro Halbjahr, 10-min-Ausschnitt, ein Fokus, Beobachtungsbogen).
  3. Kollegiale Strukturen: Peer-Hospitationstandems fortführen, Mikro-Feedback-Kultur, Fachschaft als Lernort; Lesepfad für Jahr 2 (die 5 Programmbücher gezielt vertiefen + z. B. Willingham, Wiliam, Sherrington „WalkThrus").
  4. Selbst-Coaching: eigenen Action-Step-Zyklus weiterführen (wöchentlich, schriftlich, klein).

Übungsteil: Video-Selbstanalyse Nr. 3 in Tandems auswerten; Entwicklungsplan Jahr 2 schreiben (2 Stärken ausbauen, 2 Baustellen, Strukturen/Termine festlegen); Tandem-Verabredungen für nächstes Schuljahr fixieren.

Action Step: „Ich vereinbare mit meinem Tandem zwei feste Peer-Hospitationstermine für das erste Halbjahr des nächsten Schuljahres – mit Kalendereintrag."

SPA-Bausteine: Selbstanalyse-Toolkit (Beobachtungsbögen aller Blöcke als wählbare Video-Analyse-Raster); Entwicklungsplan-Canvas; kuratierter Lesepfad mit Kapitel­empfehlungen.


Woche 36: Abschluss-Kolloquium & Zertifikat

Leitfrage: Was hat sich in einem Jahr verändert – sichtbar, belegbar, feierbar?

Format (90–120 min, feierlicher Rahmen):

  1. Vorher/Nachher-Präsentationen: Jeder TN zeigt 2 kurze Videoausschnitte (Baseline aus Woche 1 vs. aktuell) und kommentiert die eigene Entwicklung anhand von 3 Techniken – der stärkste Motivations- und Evidenzmoment des Jahres (EEF: Bestärkung nach Fortschritt).
  2. Portfolio-Würdigung: Action-Step-Log (36 Einträge!), Playbook, Skriptsammlung.
  3. Kompetenzmatrix final: Selbst-/Coach-Einschätzung im Vergleich zu Woche 0 und 18.
  4. Programm-Feedback für die nächste Kohorte (strukturiert, wird ins Curriculum zurückgespielt).
  5. Zertifikat & Ausblick: Übergabe; ggf. Rolle als Peer-Mentor für die nächste Kohorte anbieten (stärkste Form der Verankerung: Lehren des Gelernten).

SPA-Bausteine: Jahres-Dashboard (alle Quiz-Ergebnisse, Action Steps, Selbsteinschätzungen als Verlaufskurven); Portfolio-Export als PDF; Vorher/Nachher-Reflexionsleitfaden.


Teil C: Querschnitts-Hinweise für die SPA-Entwicklung

Wiederkehrende SPA-Bausteine (einmal bauen, überall nutzen)

  1. Retrieval-Engine: Karteikarten-/Quizsystem mit Spacing-Algorithmus über ALLE Module – die SPA praktiziert selbst, was sie lehrt (Woche 18/19 als Verkaufsargument im Onboarding der App).
  2. Skript-Editor: Dreispaltiges Format nach Lovell (Tool / Wortlaut kursiv / Aktion & Hinweise) – wird in ~10 Modulen gebraucht; Skripte sammeln sich zum persönlichen Playbook (PDF-Export).
  3. Szenario-Simulator: Verzweigte Dialoge (Störung, W.I.N., Elterngespräch, No-Opt-Out) – eine Engine, viele Inhalte. Ideal mit KI-generierten Schüler-/Elternantworten.
  4. Video-Kontrastpaare: Gleiche Situation, zwei Ausführungen – das wirksamste „See it"-Format; wo keine echten Videos verfügbar: verschriftlichte Transkript-Kontraste oder nachgestellte Audio-Clips.
  5. Action-Step-Tracker: Wöchentlicher Schritt mit Erinnerung, Selbst-Check am Wochenende, Verlaufslog – die Brücke zwischen SPA und Klassenzimmer (EEF-Baustein D!).
  6. Selbsteinschätzungs-Matrix: 8 Kompetenzfelder, erhoben in Woche 0/18/36, als Spinnennetz-Diagramm.

Didaktische Regeln für jede Modul-SPA

Kompetenzmatrix (Vorschlag: 8 Felder für Selbst-/Fremdeinschätzung)

  1. Routinen & Stundenstart · 2. Anweisungen & Aufmerksamkeit · 3. Intervention & Präsenz · 4. Erklären & Modellieren · 5. Übungsphasen führen & monitoren · 6. Verstehen prüfen (CFU) · 7. Beteiligung & Fragenkultur · 8. Planung & Arbeitsökonomie (je 4 Stufen: Anfang – Grundlagen – sicher – flüssig/adaptiv)

Quellenverzeichnis (Kern)