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Drehbücher Block 1 (Auftaktwoche + Wochen 2–8): Klassenführung & Routinen

Drehbücher Block 1 (Auftaktwoche + Wochen 2–8): Klassenführung & Routinen

Konventionen (gelten für alle Drehbücher): Standardraster jeder 60-min-Sitzung: Min. 0–2 Ankommen (Quiz liegt bereit, Timer läuft) · 2–8 Retrieval-Starter (5 Fragen, Muster 3-2-1: aktuell/älter/Anwendung; erst Einzelarbeit schriftlich, dann Aufrufen ohne Meldung) · 8–28 Input mit „See it" (Beispiel/Video/Demo VOR Begriff) · 28–33 „Name it" (Technik in Teilschritte zerlegen) · 33–52 „Do it" (Skripten → Rollenspiel → Feedback → 2. Durchlauf) · 52–58 Action Step schriftlich · 58–60 Exit-Karte („leuchtet ein / bin skeptisch"). Moderationstexte kursiv sind Vorschläge. Rollenspiel-Grundregeln ab Woche 2: Wer Lehrkraft spielt, spielt ernsthaft; „Klasse" stört nur auf Regieanweisung (Störkarten); Feedback immer zuerst „Was war wirksam?", dann EIN Verbesserungsimpuls; jede Sequenz wird nach Feedback sofort wiederholt (das Wiederholen ist der Lerneffekt, nicht das Feedback).


AUFTAKTWOCHE: Kickoff (Drehbuch)

Material: Programm-Landkarte A3 pro TN; Kompetenzmatrix-Bogen (8 Felder, 4 Stufen); Zielvereinbarungs-Formular; Kamera-Einverständnisse.

Min. Phase
0–5 Begrüßung durch Schulleitung (Signal: Programm hat Priorität – EEF: credible source & goal setting)
5–15 Warum dieses Programm so gebaut ist: Kernbotschaft „Lehrer-Können ist trainierbar"
15–25 Programm-Landkarte: 6 Blöcke, 3 Formate, Meilensteine
25–35 Selbsteinschätzung Kompetenzmatrix (Baseline W0)
35–50 Erste Mini-Übung: 30-Sek.-Begrüßungssequenz skripten & vorspielen
50–58 Zielvereinbarung schreiben + Tandem-Bildung
58–60 Organisatorisches, Exit-Karte

Input-Kern (Min. 5–15): Bill-Rogers-Anekdote aus Lovells Einleitung nacherzählen (der erfahrene Podcaster, der glaubte, nur „Erfahrung oder ein lauter Bariton" könne helfen – bis er sah, dass es lernbare Techniken sind). Dann:

„Dieses Jahr behandelt euch nicht als Mängelwesen, sondern als Profis im Aufbau eines Handwerks. Drei Regeln: Erstens – hier wird geübt, nicht nur geredet; heute in 20 Minuten zum ersten Mal, es fühlt sich am Anfang albern an, das ist normal und geht vorbei. Zweitens – ein kleiner Schritt pro Woche, konsequent, schlägt jede Rundum-Erneuerung. Drittens – Coaching ist Entwicklung, nichts davon landet in einer Beurteilung."

Mini-Übung (Min. 35–50): Jeder skriptet die ersten 30 Sekunden nach der schulischen Begrüßungsroutine (Aufstehen–Gruß–Setzen): exakter Wortlaut des Grußes + Setz-Signal + erster Satz danach. In Tandems 2× vorspielen. Ziel ist NICHT Perfektion, sondern: die Hemmschwelle „laut üben vor Kollegen" fällt am Tag 1.

Action Step: siehe Curriculum (Begrüßungsroutine vollständig durchführen: auf 100 % Stehen und Stille warten, jede Stunde). Coaching: Terminplan fixieren; Einverständnisse Baseline-Video einsammeln.

SPA-Quiz-Kern: F: „Wodurch ändert sich Unterrichtsverhalten am zuverlässigsten?" a) Einsicht durch gute Bücher ✗ b) Berufserfahrung allein ✗ (verbreitetster Mythos) c) gezieltes Üben mit Feedback ✓ d) Persönlichkeitsreife ✗.


Woche 2: Hohe Erwartungen – Verhalten ist ein Curriculum (Drehbuch)

Material: Handout „vage → spezifisch" (6 Beispielpaare); Erwartungs-Canvas (Verhalten / sichtbar woran? / Begründungssatz); Beobachtungsbögen aus W1 (TN bringen mit!).

Retrieval-Starter (5 Fragen): 1. Nenne die fünf mentalen Modelle. 2. Warum ist „gestern konnten sie es noch" ein Gedächtnis-, kein Faulheitsproblem? 3. Was folgt aus „Motivation ist sozial" für Störungen? 4. Ergänze: Gelernt wird, was ___ wird. 5. (Anwendung) Deine Klasse startet chaotisch – welche zwei Modelle erklären das am ehesten?

Brücke von W1 (Min. 8–12): 3–4 TN berichten je 60 Sek. aus ihren Beobachtungsbögen. Moderation clustert am Flipchart: Fast alle Befunde laufen auf „Meine Erwartungen waren unsichtbar" hinaus – das ist die Überleitung.

Input (Min. 12–28), Dramaturgie in 3 Schritten:

  1. See it: Kontrastpaar vorlesen/zeigen: Lehrkraft A sagt „Kommt bitte ordentlich rein und seid respektvoll" vs. Lehrkraft B: „Still eintreten, in 60 Sekunden arbeitet ihr am Starter, Heft offen bei den Hausaufgaben." Frage an Plenum: Bei wem wissen SuS, was zu tun ist – und bei wem lässt sich Erfüllung überhaupt PRÜFEN?
  2. Prinzip: Verhalten ist ein Curriculum (Lovell P5) – erklären, modellieren, üben, prüfen, Feedback: exakt wie Bruchrechnen. Niemand erwartet fehlerfreie Bruchrechnung nach einmaligem Erklären.
  3. Fenster-Logik (Lovell P3): Hoch starten schafft Spielraum – Lockern ist billig, Nachschärfen teuer. Für TN, deren Klassen schon „gekippt" wirken: „Das Fenster öffnet sich neu: nach jeden Ferien, nach jedem Wochenende, mit jeder explizit neu eingeführten Erwartung. Ihr seid nicht zu spät."

Name it (Min. 28–33): Qualitätskriterien einer Erwartung:

  1. beobachtbar,
  2. messbar/zählbar,
  3. positiv formuliert (was TUN, nicht was lassen),
  4. mit Ein-Satz-Begründung,
  5. per Cold Call prüfbar („Behavioural CFU").

Do it (Min. 33–52):

Action Step: „Ich führe am Montag EINE nachgeschärfte Erwartung explizit ein: erklären + Begründung + Behavioural CFU (2 SuS wiederholen lassen) + in den Folgestunden konsequent einfordern." Alternative: Erwartungs-Neustart für die ganze Begrüßungsroutine (für TN, bei denen sie zäh läuft).

Coaching-Fokus: Wortlaut-Protokoll der Erwartungseinführung; Check: Wurde geprüft, ob die Erwartung verstanden wurde?

SPA-Quiz (Auswahl): F1: „Hohe Erwartungen bedeutet vor allem…" a) Strenge und Härte ✗ b) Klarheit + Zutrauen + Konsequenz ✓ c) viele Regeln ✗ d) keine Ausnahmen, nie ✗. — F2: „Deine Klasse erfüllt eine gut erklärte Erwartung nach 3 Tagen nicht. Beste Deutung:" a) Die Klasse ist unwillig ✗ b) Verhalten braucht wie jeder Lernstoff Übung + Feedback ✓ c) Die Erwartung war zu hoch ✗ (voreiliges Absenken!) d) Konsequenzen fehlen ✗ (teilrichtig-Distraktor).


Woche 3: Begrüßungsroutine & starker Stundenstart (Drehbuch)

Kontext Schule: Kein Türschwellen-Ritual – die Lehrkraft betritt den Raum, die Klasse ist i. d. R. schon da. Ritual: Alle stehen auf → Begrüßung → Setzen. Das gesamte Drehbuch baut darauf.

Material: Skript-Vorlage dreispaltig (Tool / Wortlaut kursiv / Aktion & Hinweise – Lovell-Format, ab jetzt Standard); Störkarten-Set A („2 SuS bleiben sitzen", „Kichern beim Aufstehen", „Getuschel nach dem Setzen", „Frage platzt in den Starter"); Timer.

Retrieval-Starter: 1. Nenne die 5 Kriterien einer guten Erwartung. 2. Warum öffnet sich das Erwartungs-Fenster immer wieder? 3. Welches mentale Modell begründet, dass Routinen Denken FREISETZEN? 4. Was ist Behavioural CFU? 5. (Anwendung) Formuliere „Seid leise beim Reinkommen" spezifisch um.

Input (Min. 8–26):

  1. See it (Kontrast, ggf. als Live-Demo der Moderation in 2 Varianten gespielt!): Variante A (schwach): Lehrkraft kommt rein, redet schon beim Reingehen, „ja ja, setzt euch", die Hälfte steht halb, es dauert 90 Sekunden bis zur ersten Aufgabe – und niemand weiß genau, wann die Stunde eigentlich angefangen hat. Variante B (stark): Lehrkraft geht wortlos zu ihrem festen Punkt, stellt sich hin, wartet ruhig, bis ALLE stehen und es still ist (und wartet notfalls 10 Sekunden länger – schweigend, freundlich), grüßt warm, gibt das Setz-Signal und koppelt daran in EINEM Satz den Starter: „Setzt euch – ihr wisst, was zu tun ist: Starter an der Tafel, vier Minuten, still." Timer läuft ab dem Setz-Signal.
  2. Analyse-Frage ans Plenum: Was genau hat B anders gemacht? (Sammeln → deckt sich mit Name-it-Zerlegung.)
  3. Theorie-Anker: Die Routine ist unser „Strong Start" (Lemov-Adaption) – dieselben drei Funktionen wie Lemovs Türritual: klare Zäsur (alle Gehirne: „jetzt beginnt etwas anderes"), warmer Kontakt, erster 100%-Moment der Stunde. „Eine durchgewunkene Begrüßung ist nicht neutral – sie unterrichtet aktiv die Norm ‚halbherzig reicht hier'. Zweimal täglich." Plus Do Now (Lemov T20): Aufgabe hängt/steht BEVOR gegrüßt wird; ohne Erklärung lösbar; idealerweise Wiederholung.

Name it (Min. 26–31): Die Routine in 7 Teilschritten:

  1. Material/Starter ist vor dem Gruß sichtbar,
  2. fester Standpunkt,
  3. Warten auf 100 % Stehen + Stille – schweigend,
  4. warmer Gruß mit Blick durch den Raum,
  5. Setz-Signal + immer derselbe Starter-Satz,
  6. Timer startet,
  7. Lehrkraft scannt (geht NICHT sofort an den Rechner!).

Do it (Min. 31–52): Rollenspiel-Karussell in Vierergruppen: Jeder spielt die komplette Sequenz (Schritte 1–7) einmal durch, „Klasse" spielt zunächst kooperativ; im 2. Durchlauf zieht die Regie EINE Störkarte. Feedback-Fokus: Schritt 3 (Warten aushalten – der häufigste Fehler ist Grüßen in die Unruhe hinein) und Schritt 5 (Satz-Konstanz). Danach: eigenes Skript in Reinform notieren (dreispaltig) → wandert ins Playbook.

Action Step: siehe Curriculum (Do Now einführen; Starter hängt vor dem Gruß, Setz-Signal = Timerstart, immer derselbe Satz). Alternative für Fortgeschrittene: Sekunden von Setz-Signal bis „90 % arbeiten" täglich messen und auf <60 senken.

Coaching-Fokus: Erste 10 Minuten; Stoppuhr; Protokoll: Wurde auf 100 % gewartet oder in Unruhe hineingegrüßt?

SPA-Quiz: F1: „Die Klasse steht beim Ritual unruhig und halbherzig. Beste Reaktion:" a) trotzdem grüßen, um Zeit zu sparen ✗ (Kernfehler!) b) schweigend warten, ggf. ruhig neu ansetzen ✓ c) das Ritual abschaffen, es wirkt kindisch ✗ (Sek-II-Mythos) d) Ermahnung an Einzelne vor dem Gruß ✗. — F2: „Ein gutes Do Now…" a) führt ins neue Thema ein und braucht kurze Erklärung ✗ b) ist ohne Hilfe lösbar und wiederholt Altes ✓ c) ist eine Pufferbeschäftigung ✗ d) wird eingesammelt und benotet ✗.


Woche 4: Aufmerksamkeit einholen & glasklare Anweisungen (Drehbuch)

Material: Handout „12-Wörter-Anweisungen" (5 vage Beispiele zum Umbau); Störkarten-Set B („5 SuS reagieren nicht aufs Signal", „einer äfft das Signal nach"); Videoclip oder Live-Demo.

Retrieval-Starter: 1. Die 7 Teilschritte unserer Begrüßungsroutine? 2. Warum wartet man schweigend auf 100 %? 3. Kriterien gute Erwartung (W2)? 4. Welches Modell erklärt: Ansage ≠ Ankommen? 5. (Anwendung) Dein Do Now: Woran erkennst du, dass es zu schwer war?

Input (Min. 8–26):

  1. See it – Live-Demo Negativ/Positiv: Moderation spielt: (A) redet gegen Murmeln an, wird lauter, Anweisung in 40 Wörtern mit drei Einschüben; (B) Signal → schweigend warten → Blickkontakt 100 % → „Stifte weg. Blick zu mir. Danke." → Anweisung in Schrittfolge.
  2. Prinzipien: Nie gegen Unruhe sprechen (was in Unruhe gesagt wird, adelt die Unruhe); What to Do (Lemov T52): konkret–sequenziell–beobachtbar–knapp; Brighten the Lines (T28): Start-/Endsignale scharf („In 3, 2, 1 – los"); Sprachökonomie: Anweisung → Stopp. Nicht nachplätschern.
  3. Merkhilfe: „Erst der Körper (Position, Stille), dann das Signal, dann die Worte – und so wenige wie möglich."

Name it (Min. 26–31): Anweisungs-Vierercheck: konkret? sequenziell? beobachtbar? ≤ 12 Wörter pro Schritt? – plus Signal-Standard: Signal geben → warten → erst bei 100 % sprechen.

Do it (Min. 31–52):

Action Step: siehe Curriculum (Signal etablieren; erst sprechen, wenn alle Stifte liegen). Alternative: Wörter zählen – eine Woche lang jede Arbeitsanweisung vorher schriftlich auf ≤ 12 Wörter/Schritt kürzen.

SPA-Quiz: F1: „Die Klasse murmelt nach dem Signal weiter. Du…" a) sprichst lauter ✗ (Intuition!) b) wartest schweigend, Blick durch den Raum ✓ c) beginnst einfach – die Wichtigen hören zu ✗ (90%-Falle) d) drohst Konsequenzen an ✗. — F2: „Welche Anweisung ist What-to-Do-konform?" a) „Seid jetzt bitte mal konzentriert" ✗ b) „Buch S. 12, Aufgabe 3, allein, still – los" ✓ c) „Nicht mehr reden!" ✗ (negativ) d) „Wir wollten doch weiterarbeiten" ✗.


Woche 5: Präsenz – Körper, Stimme, Selbstregulation (Drehbuch)

Material: freier Spielraum; ggf. Handykameras für Selbst-Clips; Karte „Mein Reset-Anker" (Vorlage: Auslöser → Körperanker → innerer Satz).

Retrieval-Starter: 1. Vierercheck für Anweisungen? 2. Warum nie gegen Unruhe sprechen? 3. Teilschritt 3 der Begrüßungsroutine und seine Begründung? 4. Was ist Brighten the Lines? 5. (Anwendung) Formuliere ein Endsignal für Gruppenarbeit.

Input (Min. 8–24): Kernbotschaft: „Souveränität ist zum großen Teil Verhalten, und Verhalten ist übbar – ihr müsst nicht erst jemand anderes WERDEN." Vier Stellschrauben mit je 60-Sek.-Demo durch Moderation:

  1. Stillstand bei wichtigen Ansagen (square up – kein Nebenbei-Laufen, kein Material-Sortieren);
  2. Register (Lemov T57): formales Register für Anweisungen (ruhig, tief, wenig Worte, Pausen) vs. warmes Register fürs Gespräch – der WECHSEL ist das Werkzeug;
  3. Weniger Worte + Pausen = mehr Gewicht;
  4. Emotional Constancy (T62): Ärger nie in die Stimme; Störung depersonalisieren („Es ist fast nie persönlich – Modell 4, ihr wisst es seit Woche 1").

Dazu Selbstregulation (Lovell R3): Vor der Reaktion 1 Ausatmen + innerer Satz („Ruhig. Ich habe Zeit.").

Name it (Min. 24–29): Präsenz-Checkliste: Stand fest? Hände ruhig? Register bewusst gewählt? Pause vor der Ansage? Stimme am Satzende unten (Aussage, nicht Bitte)?

Do it (Min. 29–52): Körper-Labor in Dreiergruppen: dieselbe Anweisung („Bücher zu. Stifte weg. Blick zu mir.") in 4 Varianten sprechen: gehend/stehend × viele/wenige Worte; Beobachter geben Wirkungs-Feedback (nur Wirkung: „wirkte gehetzt / ruhig / bittend / sicher"). Dann Reset-Anker bauen: Jeder definiert Auslöser (z. B. „freche Antwort vor der Klasse"), Körperanker (Ausatmen, Fersen spüren), inneren Satz – und spielt die Sequenz 3× mit provozierender Störkarte durch. Optional: Handy-Selbstclip einer Ansage, sofort gemeinsam anschauen (Vorübung Videoselbstanalyse W8).

Action Step: siehe Curriculum (vor jeder wichtigen Anweisung: stehen bleiben, ausatmen, dann sprechen). Alternative: Register-Tagebuch: täglich eine Situation notieren, in der bewusst das Register gewechselt wurde.

SPA-Quiz: F1: „Autorität im Klassenzimmer ist vor allem…" a) Persönlichkeitssache ✗ (Kernmythos) b) trainierbares Verhalten (Stand, Stimme, Wortzahl) ✓ c) eine Frage der Körpergröße/Lautstärke ✗ d) Erfahrungssache ✗. — F2: „Ein Schüler kommentiert dich frech vor der Klasse. Erster Schritt:" a) sofortige scharfe Erwiderung ✗ b) Ausatmen, ruhig, formales Register, kurze Ansage – Klärung später ✓ c) ignorieren, immer ✗ d) Klasse um Meinung fragen ✗.


Woche 6: 100 % & die Interventionsleiter (Drehbuch)

Material: Interventionsleiter als A3-Poster (6 Stufen); Sitzplan-Blanko; Videoclip Stillarbeit mit eingebauten Mikro-Störungen (alternativ: Beschreibungskarten); Störkarten-Set C.

Retrieval-Starter: 1. Die 4 Präsenz-Stellschrauben? 2. Was heißt Emotional Constancy praktisch? 3. What-to-Do-Kriterien? 4. Welche Norm unterrichtet eine durchgewunkene Begrüßung? 5. (Anwendung) Dein Reset-Anker in einem Satz.

Input (Min. 8–26):

  1. Prinzip 100 %: „Wenn ihr eine Anweisung gebt und 26 von 29 folgen, habt ihr nicht 90 % Erfolg – ihr habt gerade öffentlich neu verhandelt, für wen Anweisungen gelten." 100 % erreichen – aber mit dem KLEINSTEN wirksamen Mittel.
  2. Die Leiter (Lemov T55, an Tafel aufbauen): (1) nonverbal (Blick, Geste, Nähe – weiterunterrichten dabei!) → (2) positive Gruppenkorrektur („Ich sehe fast alle Stifte…") → (3) anonyme Einzelkorrektur („Zwei fehlen noch.") → (4) private/leise Einzelkorrektur am Platz → (5) blitzschnelle öffentliche Korrektur (Name + What-to-Do, 2 Sekunden, weiter im Stoff) → (6) Konsequenz (schulkonform).
  3. Teacher Radar: Position mit Rundumblick (Ecken/„Pastore's Perch"), aktives Scannen als Gewohnheit nach JEDER Anweisung.

Name it (Min. 26–31): Entscheidungsregel: „So niedrig wie möglich, so kurz wie möglich, so privat wie möglich – und danach sofort zurück zum Stoff." Anerkennung („Danke") für Erfüllung, kein Überschwang.

Do it (Min. 31–52): Stufen-Karussell: Gleiche Störung (Schwatzen zu zweit bei Stillarbeit) wird nacheinander auf Stufe 1, 2, 3, 4 gespielt – jeder übernimmt eine Stufe; Gruppe prüft: kleinste Stufe zuerst probiert? Unterricht lief weiter? Ton neutral? Danach Positions-Übung: Auf dem Sitzplan-Blanko einzeichnen: Wo stehe ich bei Stillarbeit (alle im Blick), wo bei Erklärungen, welche „blinde Ecke" hat mein Raum? Scan-Training: Videoclip/Beschreibungskarten – Störungen in 60 Sek. finden und Stufenwahl begründen.

Action Step: siehe Curriculum (erst nonverbal; abends zählen, wie oft es reichte). Alternative: Positionswechsel-Plan umsetzen (nie mit dem Rücken zu >5 SuS).

Vorbereitung Gruppenhospitation 1 (5 Min. am Ende): Termin, Gastlehrkraft, Regeln (beschreiben statt bewerten, Dank an Gastgeber), Beobachtungsbogen austeilen: Spalte A Wortlaut-Protokoll erste 5 Min.; Spalte B Strichliste Interventionsstufen; Spalte C „Ein Satz, den ich klauen werde".

SPA-Quiz: F1: „Zwei SuS tuscheln bei Stillarbeit. Erste Wahl:" a) Namen nennen und ermahnen ✗ b) Blick/Nähe, weiterunterrichten ✓ c) ignorieren – nicht schlimm ✗ (Normalisierungs-Falle) d) beide umsetzen ✗. — F2: „Warum ist 97 % Befolgung ein Problem?" a) ist es nicht, Perfektion ist unrealistisch ✗ (klingt vernünftig!) b) die Ausnahme wird zur verhandelbaren Norm ✓ c) weil Kontrolle wichtig ist ✗ d) wegen der Schulordnung ✗.


Woche 7: Positive Framing, Precise Praise, Warm/Strict (Drehbuch)

Material: Umformulierungs-Kartenset (10 Negativ-Ansagen); Timer; anonymisierte Schülerarbeiten (2–3) für Lob-Übung.

Retrieval-Starter: 1. Die 6 Stufen der Leiter in Reihenfolge? 2. Entscheidungsregel der Stufenwahl? 3. Wo stehst du bei Stillarbeit und warum? 4. Register-Wechsel: wann formal, wann warm? 5. (Anwendung) Formuliere eine positive Gruppenkorrektur für „5 arbeiten nicht".

Input (Min. 8–26):

  1. See it: Kontrast an der Tafel: „Hört auf zu quatschen!" vs. „Ich sehe drei Hefte offen – ich will alle sehen." Frage: Was macht Version 2 anders? (beschreibt das GEWÜNSCHTE; setzt Erfüllungs-Norm „die meisten machen es schon"; unterstellt Gutwilligkeit).
  2. Positive Framing (Lemov T59): das Erwünschte benennen; Annahme des Guten („Ihr habt vergessen, dass…" statt „Ihr weigert euch…"); anonym korrigieren, namentlich loben.
  3. Bank Positivity (Lovell P10): Beziehungs-Konto – viele kleine ECHTE Einzahlungen schaffen das Kapital für Korrekturen. Faustformel 3:1.
  4. Precise Praise (T60): Lob konkret + verdient + prozessbezogen („Du hast die Probe gemacht, bevor du abgegeben hast – das ist der Unterschied"); Anerkennung ≠ Lob (Grundverhalten → „Danke", Überdurchschnittliches → Lob); Anti-Lobsandwich: „Wer Kritik in Lob einwickelt, bringt SuS bei, dass Lob eine Warnung ist."
  5. Warm/Strict (T61): gleichzeitig, nicht abwechselnd – „Weil ich weiß, dass du das kannst, gebe ich das nicht durch."

Name it (Min. 26–31): Umformulierungs-Formel: „Ich sehe [erfüllender Teil] – ich will [Zielzustand]." / Lob-Dreiklang: konkret–verdient–Prozess.

Do it (Min. 31–52): Umformulierungs-Batterie mit Timer (Tempo erzeugt Automatisierung): Tandems, 10 Karten, 60 Sekunden – wie viele geschafft? 2 Runden. Dann Precise-Praise-Übung an echten Schülerarbeiten: je 2 präzise Lobsätze schreiben, Kitsch-Kontrolle im Tandem. Abschluss Warm/Strict-Sätze: je 2 für reale eigene Situationen (Hausaufgaben fehlen; Leistungsverweigerung).

Action Step: siehe Curriculum (3:1-Strichliste in einer Stunde pro Tag). Alternative: Eine Woche lang jede Korrektur mit „Annahme des Guten" beginnen.

SPA-Quiz: F1: „Warum kein Lobsandwich?" a) zu zeitaufwendig ✗ b) es entwertet Lob und verschleiert Feedback ✓ c) Lob ist grundsätzlich schädlich ✗ (Überkorrektur) d) SuS brauchen Härte ✗. — F2: „‚Super gemacht!' zu einer Routineaufgabe ist…" a) motivierend, Lob schadet nie ✗ (Kernmythos) b) Inflationierung – Anerkennung hätte gereicht ✓ c) in Ordnung in Sek I ✗ d) manipulativ ✗.


Woche 8: Übergänge, Stundenende, W.I.N. + Konsolidierung (Drehbuch)

Material: W.I.N.-Leitfaden-Karte; 3 Rollenkarten für Nachgespräche (einsichtig / abblockend / eskalierend); Playbook-Mappe (Sammelordner); Kompetenzmatrix; Beamer für Video-Selbstanalyse-Anleitung.

Retrieval-Starter (erweitert, 8 Fragen kumulativ Block 1): u. a. Leiter-Reihenfolge; Umformulierungs-Formel; 7 Schritte Begrüßungsroutine; Vierercheck Anweisungen; 3:1-Regel; (Anwendung) „Klasse trödelt beim Materialwechsel – nenne zwei Werkzeuge."

Input (Min. 10–25):

  1. Tight Transitions (Lovell R5): Übergänge sind Mini-Routinen: nummerierte Schritte ansagen („Erstens: Blätter nach links. Zweitens: Bücher raus. Drittens: S. 40."), ggf. üben; Do It Again (Lemov T51) als neutraler Reset („Das können wir flüssiger – noch einmal.") – Ton entscheidet: Reset, nicht Strafe.
  2. Stundenende (Lovell R12): 3-Min.-Puffer einplanen; geordneter Abschluss (Packen erst auf Signal, Verabschiedung im Stehen – Spiegel unserer Begrüßungsroutine!); Every Minute Matters (T31): 2-Min.-Lücken mit Reservefragen füllen (Retrieval! – Vorgriff W18).
  3. W.I.N.-Gespräch (Lovell R6): nach der Stunde, kurz (3–5 Min.), privat, ruhig: Was ist passiert? (SuS zuerst) → Impact: welche Wirkung hatte es? → Next steps: wie machen wir es gut? Kein Verhör, kein Monolog.

Do it (Min. 25–47): W.I.N.-Rollenspiele in Dreiergruppen (Lehrkraft/Schüler/Beobachter), 3 Runden mit den 3 Rollenkarten à 5 Min. + 2 Min. Feedback. Regieanweisungen auf den Karten (z. B. „abblockend": antwortet einsilbig, verschränkte Arme – Lehrkraft übt Aushalten + offene Fragen).

Konsolidierung (Min. 47–56): Playbook-Start: Skripte aus W2–8 einheften, Deckblatt „Mein Klassenführungs-Playbook"; Meilenstein 1: Kompetenzmatrix Selbst-Update (Felder 1–3) + Anleitung Video-Selbstanalyse Nr. 1 (10-Min.-Ausschnitt aus Baseline- oder neuem Video, TN annotiert vor dem Coaching-Gespräch mit Block-1-Checklisten).

Action Step: siehe Curriculum (W.I.N. mit gemiedenem Schüler). Coaching: Meilenstein-Gespräch 1 (45–60 Min. diese Woche): Video gemeinsam, Matrix abgleichen, Blick auf Block 2.

SPA-Quiz: F1: „Do It Again ist…" a) eine Strafe für die Klasse ✗ b) ein neutraler Reset zum Einüben des Standards ✓ c) Zeitverschwendung ✗ d) nur für Unterstufe ✗. — F2: „Im W.I.N.-Gespräch beginnt…" a) die Lehrkraft mit ihrer Sicht ✗ (Intuition) b) der Schüler mit „Was ist passiert?" ✓ c) man mit der Konsequenz ✗ d) man mit einer Entschuldigungsforderung ✗.